Eva Krötz

Bayerischer Wald

Cham – Bodenmais – Zwiesel – Freyung – Passau

Ein Blockmeer aus Granit bedeckt den Lusengipfel.

Vorwort

Den Bayerischen Wald in seiner ganzen Vielfältigkeit erfahren heißt offenen Auges die Natur genießen, empfindliche Ökosysteme schützen und Naturgewalten achten. Mit 54 Wanderungen möchte ich Sie in die Welt der weitläufigen Wälder, der aussichtsreichen Berggipfel und rauschenden Wildwassertäler entführen. Das Gebiet erstreckt sich vom Naturpark Oberer Bayerischer Wald rund um Cham über den Naturpark und Nationalpark Bayerischer Wald bis ins Passauer Land.
Besonderes Augenmerk verdient der vor 40 Jahren gegründete Nationalpark, der mit dem angrenzenden Nationalpark Šumava auf tschechischer Seite das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas bildet. Gemeinsam werden sie als die »Tierisch Wilde Nationalparkregion« bezeichnet. Ausgewiesene Wildschutzgebiete haben es beispielsweise möglich gemacht, den scheuen Luchs wieder anzusiedeln. Im Tierfreigelände bei Neuschönau können wir Bären, Luchse und Wölfe in natürlicher Umgebung beobachten. Herrliche Wege erschließen alte und neue Urwaldgebiete, wie man sie in Deutschland sonst kaum mehr findet, so z. B. das Höllbachgespreng und der Hans-Watzlik-Hain am Falkenstein. Als außergewöhnliche Naturlandschaften kann man die ehemaligen Bergweiden, die so genannten Schachten, Filze (Hochmoore), den eiszeitlichen Rachelsee und das Blockmeer aus Granit am Lusen bezeichnen. Der König des Bayerischen Waldes ist mit seinen 1456 m Höhe der Große Arber. Von seinen Felsriegeln bietet er nicht nur herrliche Fernsicht, es gibt auch mehrere lohnende Aufstiegsvarianten. Anspruchsvoll ist die Tour von Eck über die acht Tausender zum Großen Arber, die sich zur Zwölf-Tausender-­Kaitersberg-Arber-Hochtour erweitern lässt. Weitere Höhepunkte im Naturparkgebiet sind u. a. der Dreisesselberg mit Steinernem Meer, der Wetterprophet Hohenbogen, die Ossergipfel am Künischen Grenzkamm oder der Pfahl, der bei Viechtach, Weißenstein und Freyung besonders in Erscheinung tritt.
Auf ausgewiesenen Naturlehrpfaden lernen wir mehr über unsere Natur, auf Baumwipfelwegen blicken wir über die Baumkronen hinaus und genießen eine neue Perspektive. Der Bayerische Wald, wo die Glaskunst zu Hause ist, verbindet Geschichte und Gegenwart eines traditionsreichen Handwerks mit moderner Glasgestaltung.
Lange als hinterwäldlerisch wahrgenommen, ist der Bayerische Wald heute eine Gegend zum Erleben und Genießen. Tauchen Sie in den Wald ein und spüren Sie die Kraft und Reinheit der Natur. Allen Wanderern wünsche ich viel Freude mit der der 8., überarbeiteten Auflage. Mein Dank gilt an dieser Stelle Familie Pollmann, die einen Teil der Wanderungen zusammengestellt und über viele Jahre aktuell gehalten hat. Im Jahr 2010 habe ich ihr Werk übernommen und führe es mit eigenen Ideen weiter.

Regensburg, im Frühjahr 2017
Eva Krötz

Allgemeine Hinweise

Anforderungen

Die Wandervorschläge folgen in der Regel sehr gut (im Nationalpark) oder gut markierten Wegen. Schlecht oder nicht markierte Wegabschnitte werden im Detail beschrieben. Eine aktuelle Wanderkarte oder das Wandern mit GPS erleichtern die Orientierung. Die beschriebenen Wanderungen verstehen sich als Angebot und sollten nach eigenem Anspruch und Können ausgewählt werden.

Leicht
Die Wege sind mit entsprechender Wanderausrüstung ohne große Schwierigkeiten begehbar; sie weisen nur mäßige bzw. keine anhaltend langen Steigungen auf. Die Orientierung ist einfach und der Weg ist in einem halben Tag ohne Pausen zu bewältigen.

Mittel
Diese Routen können längere Zeit über schmale, steinige, wurzelige und steile Pfade führen. Es wird ein gewisses Maß an Trittsicherheit, Orientierungssinn und Kondition vorausgesetzt.

Kleine Kletterpartie auf den Doppelgipfel des Silberbergs.

Gehzeiten

Die Gehzeiten stellen lediglich ungefähre und durchschnittliche Wanderzeiten dar. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, jahreszeitlich bedingte Wegverhältnisse, persönliche Verfassung usw. bestimmen die tatsächlichen Gehzeiten. Rast- und Fotopausen sowie sonstige Verweilzeiten wurden bei den Angaben grundsätzlich nicht eingerechnet.

Wandern mit Kindern

Viele Kinder haben Anlaufschwierigkeiten beim Wandern, ist aber erst mal die Begeisterung geweckt, sind sie eifrige Mitwanderer. Für Wanderungen mit Kindern gilt: Der Weg ist das Ziel, je kleiner die Kinder, desto mehr muss die Wanderstrecke bieten. Forstwege sind ungeeignet, die Abenteuerlust zu wecken, lieber abwechslungsreiche, durchaus auch steile und felsige Pfade auswählen. Spezielle Walderlebniswege, aber auch ein paar Felsen zum Hinaufklettern, ein kleiner Wasserlauf zum Spielen oder Höhlen zum Erforschen sind beliebt und motivieren Kinder ungemein. Planen Sie für Wanderungen mit Kindern je nach Alter die doppelte Gehzeit ein, sie wandern langsamer und brauchen mehr (Spiel-)Pausen. Natürlich ist auch die Weglänge ausschlaggebend, wobei größere Kinder oft über erstaunliche Kondition verfügen. Je öfter man mit Kindern wandern geht und sie damit Positives verbinden, umso leichter wird es, sie für weitere Touren zu begeistern.

An der Rachelkapelle.

Gefahren

Die beschriebenen Wanderungen erfolgen auf eigene Gefahr. Hohe Felsen und Wege am steilen Hang sind teilweise mit Stahlseilen oder Holzgeländern gesichert. Aus Naturschutzgründen und zur eigenen Sicherheit ist von waghalsigen Klettereien abzuraten. Mit guter Ausrüstung und Vernunft lassen sich jedoch alle Wandervorschläge ohne Reue genießen. Bei Gewitter sollten Aussichtstürme, Klippen, Seen und einzeln stehende Bäume gemieden werden. Nässe, Schnee und Eis können harmlose Wegabschnitte in gefährliche Rutschbahnen verwandeln.

Wegweiser
Tier- und Pfanzensymbole markieren die Wege im Nationalpark Bayerischer Wald.

Ausrüstung

Neben Wanderschuhen mit griffiger Sohle ist eine regendichte Jacke ein Muss. Von Vorteil ist auch ein warmer Pulli, denn das Wetter kann sich überraschend schnell ändern. Ein Rucksack mit ausreichend Getränken und einem kleinen Imbiss sollte auf jeder Wanderung mitgenommen werden, da man sich auf Einkehrmöglichkeiten am Weg nicht immer verlassen kann. Zur Ausrüstung gehören auch ein Notfallset, Blasenpflaster, Personalausweis, Sonnenschutz und eine Taschenlampe. Und vergessen Sie Ihre Kamera nicht!

GPS-Tracks

Zu diesem Guide stehen auf der Internetseite (http://www.rother.de) des Bergverlag Rother GPS-Daten zum kostenlosen Download bereit.
Benutzername: gast
Passwort: wfBayWa08huK83
(1. Auflage E-Book)
Die GPS-Daten wurden von der Autorin im Gelände erfasst und mit Wegpunkten versehen. Einige dienen zur besseren Orientierung im Wegverlauf, andere heben Orte, Gasthäuser oder Sehenswürdigkeiten am Weg hervor. Alle Wegpunkte sind jeweils mit einer Nummer gekennzeichnet und finden sich im Tourentext, Höhenprofil und Wanderkärtchen wieder. Verlag und Autorin haben die Tracks und Wegpunkte nach bestem Wissen und Gewissen überprüft. Dennoch können wir Fehler oder Abweichungen nicht ausschließen, außerdem können sich die Gegebenheiten vor Ort zwischenzeitlich verändert haben. GPS-Daten sind zwar eine hervorragende Planungs- und Navigationshilfe, erfordern aber nach wie vor sorgfältige Vorbereitung, eigene Orientierungsfähigkeit sowie Sachverstand bei der Beurteilung der jeweiligen (Gelände-)Situation. Man sollte sich für die Orientierung auch niemals ausschließlich auf GPS-Gerät und -Daten verlassen. Beachten Sie, dass Tracks einem aufnahmebedingten Fehler unterliegen und GPS-Geräte im steilen oder dicht bewaldeten Gelände nicht immer zuverlässig arbeiten.

Informationen und Adressen

  • Bayerischer Wald und der gesamte Bereich dieses Guides Tourismusverband Ostbayern e.V
    Im Gewerbepark D 02 / D 04
    93059 Regensburg
    http://www.ostbayern-tourismus.de und http://www.bayerischer-wald.de info@ostbayern-tourismus.de
    Tel. +49/941 585390
  • Naturpark Oberer Bayerischer Wald Landratsamt Cham
    http://www.bayerischer-wald.org
    Tel. +49/9971 78430
  • Naturpark Bayerischer Wald Info-Zentrum Zwiesel
    http://www.naturpark-bayer-wald.de
    Tel. +49/9922 802480
  • ArberLand Touristisches Service Center Regen
    http://www.arberland-bayerischer-wald.de
    Tel. +49/9921 96050
    oder kostenlos: 0800 272375263
  • Nationalpark Ferienland Nationalpark Bayerischer Wald Landratsamt Freyung-Grafenau
    http://www.nationalpark-ferienland-bayerischer-wald.de
    Tel. +49/8551 57114
  • Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Grafenau http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/
    Tel. +49/8552 96000
  • Ferienregion Vorderer Bayerischer Wald, Falkenstein http://www.vorderer-bayerischer-wald.de
    Tel. +49/9462 942220
  • Urlaubsland Straubing-Bogen Landratsamt Straubing-Bogen
    http://www.bayerischer-wald.me/de/
    Tel. +49/9421 973127
  • Deggendorfer Land Landratsamt Deggendorf
    http://www.landkreis-deggendorf.de
    Tel. +49/991 3100231
  • Ilztal & Dreiburgenland im Bayerischen Wald http://www.ilztal.de/
    Tel. +49/8504 1642
  • Passauer Land Tourist-Information
    http://www.passauer-land.de
    Tel. +49/851 397600
  • Bayerischer Wald Verein e.V. http://www.bayerischer-wald-verein.de
    Tel. +49/9922 9265

Wanderkarten

Ich empfehle die Fritsch Wanderkarten: Nr. 56 und 57 decken den oberen und vorderen Teil, Nr. 60 und 62 den mittleren und südlichen Teil des Bayerischen Waldes ab. Karte Nr. 69 deckt das Gebiet »Rund um den Arber« ab. Zu diesen Karten im Maßstab 1:50.000 gibt es zahlreiche kleine Regionalkarten im Maßstab 1:35.000. Im Kompass Verlag ist das dreiteilige Kartenset Nr. 198 für den bayerischen Wald erhältlich. Viele Tourist-Informationen bieten zudem regionale Wanderkarten zu günstigen Preisen an.

Das Waldschmidthaus am Großen Rachel
Das Waldschmidthaus am Großen Rachel

Einkehren und Unterkünfte

Besonders schön sind die Berghütten auf den Gipfeln der Bayerwaldberge. Die aktuellen Öffnungszeiten der einzelnen Gasthöfe und Berghütten sind im Tourenteil angegeben, können sich aber jederzeit ändern; im Zweifelsfall unter angegebener Telefonnummer anrufen. Im November machen viele Gasthöfe Betriebsurlaub.
Die Tour »Kaitersberg-Arber-Hochtour« und Tour »Große Nationalparkwanderung« sind als Mehrtagestouren konzipiert und schließen Übernachtungen in Berggasthöfen oder Berghütten ein. Reservieren Sie Ihre Übernachtungen rechtzeitig, v. a. in den Sommerferien sind die Hütten schnell ausgebucht. Bettwäsche ist auf den Hütten in der Regel vorhanden. Bei jeder Tour mit Berghütte habe ich darauf hingewiesen, ob eine Übernachtung möglich ist. Diese sollte jedoch spätestens am Tag zuvor beim Hüttenwirt telefonisch reserviert werden.

Klima

»Dreiviertel Jahr Winter und ein Vierteljahr kalt, das ist das Klima im Bayerwald.« Dieser Spruch lässt erahnen, warum nicht nur zur Sommerzeit Besucher vom Bayerischen Wald angelockt werden. Die schneesichere Lage bietet auch viele Wintersportmöglichkeiten. Doch auch während der Sommermonate erlebt die Natur scharfe Kälte, wenn etwa der »Böhmwind«, jener kühle Fallwind aus dem Osten, bläst. Die Region hat eine relativ niedrige Jahresmitteltemperatur und recht hohe Niederschläge. Packen Sie trotzdem die Badesachen ein, denn an den heißen Tagen locken viele Bäder und Badeseen.

Anreise und Infrastruktur

Die Oberpfalzbahn mit den Strecken Schwandorf – Cham, Cham – Waldmünchen, Cham – Furth im Wald und Cham – Bad Kötzting – Lam erschließt den Naturpark Oberer Bayerischer Wald. Von München führt die Bahnlinie Plattling – Deggendorf – Regen – Zwiesel – Bayerisch Eisenstein und Zwiesel – Grafenau zum Nationalpark Bayerischer Wald. Die Waldbahn bringt uns auch nach Bodenmais, und Wanderbahnen verkehren im Sommer auf den Strecken Gotteszell – Viechtach (derzeit Regelverkehr auf Probe) und Passau – Freyung. Im Nationalparkgebiet fahren vom 15. Mai bis 31. Oktober umweltfreundliche Erdgasbusse, die so genannten Igelbusse. Zwischen 8 und 18 Uhr pendeln Falkenstein-, Rachel-, Lusen- und Finsterau-Bus zwischen P&R-Parkplätzen und zahlreichen Wanderausgangspunkten hin und her. Sie sind untereinander und mit der Waldbahn vernetzt. Unverzichtbarer Begleiter ist das Faltblatt (http://www.bayerwald-ticket.com) »Bayerwald Ticket« (Tel. +49/9921 601356). In den Gemeinden rund um den Nationalpark fahren die Gäste mit der Gästekarte »Guti« (Gästeservice-Umwelt-Ticket) kostenlos. Fahrpläne zu weiteren Busverbindungen finden Sie im erwähnten Faltblatt und unter http://www.ostbayernbus.de, Auskunft erhalten sie unter Tel. +49/941 60000

Im Nationalpark

Im Nationalpark Bayerischer Wald sowie in allen Schutzgebieten ist Zelten, Lärmen, Feuermachen, Hinterlassen von Abfällen, Beschädigen von Pflanzen und Stören der Tiere verboten; Hunde sind anzuleinen. Für einen umweltbewussten Wanderer sind diese Regeln auch in nicht speziell ausgewiesenen Gebieten eine Selbstverständlichkeit. Anders als im übrigen Wandergebiet dürfen im Kerngebiet des Nationalparks die markierten Wege nicht verlassen werden. Vom 15.7. bis 15.11. gilt jedoch eine Ausnahmeregelung, in diesem Zeitraum dürfen auch nicht markierte Wege, Grenzsteige und Grenzübergänge benutzt werden. Die Grenzübergänge Siebensteinkopf/Moldauquelle, Gsenget/Stubenbach und Ferdinandsthal sind ganzjährig begehbar. Im tschechischen Nationalpark Šumava dürfen in der Zone1, die der Grenze von Bayerisch Eisenstein bis Finsterau folgt, ganzjährig nur markierte Wege begangen werden. Patrouillierende Parkranger sorgen dafür, dass die Schonzeiten eingehalten werden.
Über saison- oder sturmbedingt gesperrte Wanderwege im Nationalpark informiert die Internetseite http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles

Plattenstein
Plattenstein

Wanderwege und Fernwanderwege

Zahlreiche Rundwanderwege erschließen den Bayerischen Wald. Üblich sind nummerierte Wanderwege mit weißer Zahl auf rotem Kreis. Im Nationalpark sind die Wanderwege mit Symbolen einheimischer Tiere und Pflanzen markiert. Im benachbarten Böhmerwald erleichtern farbige Balken und kleine Tafeln mit Orts- und km-Angaben die Wegfindung.
Neben diesem dichten Netz an Wanderwegen durchziehen mehrere Fernwanderwege den Bayerischen Wald. Am längsten ist der Qualitätsweg Goldsteig, der seit 2007 den Bayerischen und Oberpfälzer Wald durchquert. Andere Fernwanderwege verlaufen auf uralten Handelswegen durch das ostbayerische Grenzgebiet. Auf den historischen Goldenen Steigen wurde einst Salz über Passau nach Böhmen transportiert. Der Baierweg verband die Donau mit dem Böhmerwald wie auch der vielleicht schon von den Kelten benutze Böhmweg. Einen historischen Bezug hat der Pandurensteig, der seinen Namen dem räuberischen Pandurenoberst Trenck verdankt. In die alte Tradition der Glaskunst entführt der Gläserne Steig; er verbindet ehemalige Glashüttenstandorte mit Museen und Glashüttenbetrieben, die mit modernen und kreativen Glaskunstwerken neue Akzente setzten.
Die in diesem Guide beschriebenen Touren benutzen überwiegend diese markierten Wander- und Fernwanderwege und sind in den jeweiligen Tourenkärtchen wiederzufinden. Nähere Informationen zu den einzelnen Wanderwegen gibt es unter http://www.bayerischer-wald.de oder bei den bereits erwähnten Tourismusämtern.

Goldsteig, Fernwanderweg E6, E8

Ca. 660 km. Prädikatswanderweg durch den Oberpfälzer Wald und Bayerischen Wald. Er startet in Marktredwitz, führt über den Steinwald ins Waldnaabtal und weiter über Leuchtenberg und durch das Pfreimdtal nach Oberviechtach. Kurz darauf teilt er sich in die 280 km lange Nordroute, die dem bayerisch-tschechischen Grenzkamm über Arber, Rachel und Dreisessel nach Passau folgt, und eine 235 km lange Südroute. Diese führt durch die sanftere Hügellandschaft des Vorderen Bayerischen Waldes in den Lallinger Winkel und folgt der Ilz nach Passau. Die europäischen Fernwanderwege E6 und E8 entsprechen in diesem Abschnitt weitgehend dem Verlauf des Goldsteigs. Näheres finden Sie im Rother Wanderführer »Goldsteig«.

Pandurensteig

Ca. 173 km. Nimmt Bezug auf den Pandurenoberst Trenck, der zur Zeit des österreichischen Erbfolgekrieges raubend und brandschatzend durchs Land zog. Von Waldmünchen, das von Trenck verschont wurde und dessen man alljährlich mit einem Festspiel gedenkt, geht es hinab nach Cham, welches damals völlig abgebrannt wurde. Dann folgt er dem geologisch interessanten Pfahl, einer etwa 150 km langen vor ca. 300 Mio. Jahren entstandenen Quarzspalte. Mit ihren weißen Quarzfelsen tritt sie bei Viechtach und Weißenstein besonders augenfällig zutage. In Spiegelau schwenkt die Route nach Süden ab und folgt der Ilz nach Passau.

Großer Arber
Der Große Arber ist unverwechselbar mit den beiden Radarkuppeln.

Baierweg

Ca. 158 km. Die Grafen von Bogen errichteten im 11. und 12. Jh. diesen Handelsweg, um das neu erworbene Gebiet um den Hohenbogen zu erschließen. Er startet in Straubing an der Donau, führt über Bogen nach Sankt Englmar und Viechtach, um nach Bad Kötzting den Hohenbogen zu überwinden. Nach Neukirchen b. Hl. Blut mit seiner Wallfahrtskirche wechselt er nach Tschechien und erreicht Domažlice, die Hauptstadt der Chodenlandes. Traditionelles Kunsthandwerk zeigt das historische jährlich im August stattfindende Chodenfest. Über Babilon mit großem Badesee geht es zurück nach Deutschland zur Drachenstadt Furth im Wald. Die Wegmarkierung blaue Raute war das Wappen der Grafen von Bogen, aus dem sich später das Bayerische Staatswappen ableitete.

Böhmweg

Ca. 52 km. Der Böhmweg ist ein alter Handelsweg von der Donau zur Moldau, der im 18. Jh. mit Granitplatten befestigt wurde. Höhepunkte auf dem Weg von Deggendorf nach Bayerisch Eisenstein sind die Ruine Weißenstein, die Glasstadt Zwiesel und das Haus zur Wildnis mit Tierfreigelände in Ludwigsthal.

Gunthersteig

Ca. 88 km. Folgt den Spuren des Rodungsmönches St. Gunther, der 1006 als Laienbruder in das Kloster Niederalteich kam. Gunther bevorzugte die Einsamkeit des Bayerischen Waldes und zog sich immer weiter in diesen zurück, bis er schließlich 90-jährig in Gutwasser im heutigen Dobrá Voda starb. Die Rodungshacke, mit der man das damals noch unwegsame Gelände frei schlug, ist die heutige Wegmarkierung. Der Weg verläuft durch das Obstanbaugebiet des Lallinger Winkels zum ehemaligen Klosterort Rinchnach. Hier gründete er eine Abtei, heute erinnern die Guntherfestspiele daran. Hinter Zwiesel quert er den Nationalpark Bayerischer Wald und taucht ein in den Nationalpark Šumava, wo er am St. Gunthersberg endet.

Gläserner Steig

Ca. 96 km. Der Gläserne Steig folgt der Geschichte des Glases im Bayerischen Wald. Unterwegs sehenswert sind die Glashütte »Alte Kirche« in Lohberg und das Glasmuseum in Frauenau. Vom Arracher Glastor geht es zunächst zum Lohberger Glastor, hier erwartet uns der Bayerwald-Tierpark, dann folgt der Aufstieg zum Kleinen Arbersee. Am Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein und Lokalbahnmuseum vorbei, steigt der Weg zum alten Quarzsteinbruch am Hennenkobel auf. Der Glaspark im Zwieseler Theresienthal und die Glasorte Frauenau und Spiegelau liegen am Weg, bevor wir Grafenau erreichen.

Goldene Steige

Vom 14. bis ins 16. Jh. blühte der Salzhandel auf den Goldenen Steigen, die von Passau auf mehreren Routen den Bayerischen Wald und Böhmerwald durchquerten. Da die ersten Kilometer der ursprünglichen Strecken heute mit Autostraßen überbaut sind, verläuft der Wanderweg auf den ersten 19 km bis Fürsteneck im Ilztal. In Bruckmühle, 8 km später, teilen sich die Wege auf.
Der Prachatitzer Weg führt weiter über Waldkirchen nach Grainet und steigt auf über die Wüstung Leopoldsreut nach Bischofsreut. In Tschechien leitet die gelbe Markierung über Böhmisch Röhren nach Prachatitz/Prachatice (ca. 59 km). Der Winterberger Steig verläuft etwas westlicher zum Grenzübergang Philippsreut. An der Warmen Moldau entlang geht es weiter in die Stadt Winterberg/Vimperk mit sehenswerter Burg (ca. 59 km).
Der Bergreichensteiner Weg zieht über Freyung und Mauth zum Grenzübergang Finsterau. Grüne und gelbe Markierungen weisen in Tschechien über Außergefild nach Bergreichenstein/Kasperske Hory (ca. 31 km, deutsche Seite). Die Guldenstrass, der ehemalige bayerischer Konkurrenzweg zu den Goldenen Steigen, führt über Grafenau hinauf nach Waldhäuser und über Pürstling und Innergefild nach Bergreichenstein (57 km ab Grafenau).

Osserwiese
Die Osserwiese ist ein beliebter Startplatz für Gleitschirmflieger.

Ostbayerischer Jakobsweg

Ca. 273 km. Er beginnt am Grenzübergang Eschlkam und führt über den Hohenbogen nach Bad Kötzting. Über Stallwang geht es hinab ins Donautal nach Wörth a. d. Donau und Regensburg. Nach dem Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg folgt er dem Limes ins Altmühltal nach Eichstätt und endet in Donauwörth.

Pilgerweg Vianova

Die Via Nova führt von Mallersdorf/Pfaffenberg über Straubing (Donautal) auf den Bogenberg, verbindet die Klöster Windberg, Metten und Niederalteich und teilt sich in Vilshofen. 2010 wurde das 250 km lange Teilstück von Vilshofen nach Príbram in Tschechien geschaffen und an das Pilgerwegenetz angeschlossen. Auch dieser Weg geht auf alte Wallfahrtswege zurück. Er verläuft über Windorf, Fürstenstein, Perlesreut, Ringelai, Kreuzberg, Mauth und Kvilda nach Príbram.

Top-Touren im Bayerischen Wald

Über den Zwercheck, 1333 m, zum Großen Osser, 1293 m
Am Künischen Grenzkamm entlang zu den bizarr gen Himmel gerichteten Glimmerschieferfelsen am Ossergipfel (1293 m, Tour 13, 6.45 Std., kürzer sind die Touren 11 und 12). .

Kaitersberg-Arber-Hochtour
In zwei Tagen über die zwölf Tausender zum König des Bayerischen Waldes – dem Großen Arber (Tour 14, 2 Tage).

Kleiner Arbersee, 918 m
Ausflug zum Kleinod Kleiner Arbersee mit seinen schwimmenden Inseln und Aufstieg zum aussichtsreichen Berghaus Sonnenfels (Tour 16, 4½ Std.).

Über die Rißlochfälle zum Großen Arber, 1456 m
Über die größten Wasserfälle zum höchsten Gipfel des Bayerischen Waldes, den Großen Arber (Tour 17, 5½ Std.).

Die Felsenriegel rund um den Geißkopf, 1097 m
Dreitannenriegel, Breitenauriegel, Kreuzfelsen und der Aussichtsturm auf dem Geißkopf (1097 m) locken mit herrlichen Fernsichten (Tour 27, 6 Std., kürzere Varianten möglich).

Ruine Weißenstein auf dem Pfahl, 758 m
Die Reste der Burg Weißenstein thronen majestätisch auf dem weißen Quarzriff, das hier eindrucksvoll aus der Erde ragt. Daneben lockt ein bezaubernd glitzernder »Gläserner Wald« (Tour 29, 2¾ Std.).

Über den Plöckenstein, 1379 m, zum Plöckensteinsee
Grandiose Dreiländertour vom Dreisesselberg über das Steinerne Meer zum Plöckenstein (1379 m), und hinab zum Plöckensteinsee (Tour 35, 7½ Std.).

Über die Himmelsleiter auf den Lusen, 1373 m
Entlang eines Bergbaches ist das erste Ziel ein einstiger Triftstausee. Vorbei an Teufelsloch und der blaugrün schimmernden Arche aus Glas beginnt der einzigartige Aufstieg schnurgerade über ein Blockmeer aus Granit zum Gipfel des Lusen (Tour 41, 4½ Std.).

Tierfreigelände und Baumwipfelpfad
Mit etwas Glück können wir Bären, Luchse, Wölfe und viele andere Wildtiere in weitläufigen Wildgehegen beobachten. Vom 44 m hohen Baumturm bietet sich ein faszinierender Blick auf und über die Baumwipfel (Tour 42, mind. 2¾ Std.).

Großer Rachel, 1453 m, mit Rachelkapelle und Rachelsee
Aufstieg zum höchsten Gipfel des Nationalpark Bayerischer Wald - dem Großen Rachel. Der eiszeitliche Rachelsee und die hölzerne Rachelkapelle sind weitere Highlights (Tour 44, 4½ Std.).

Große Nationalparkwanderung
Einmal quer durch den Nationalpark Bayerischer Wald. Neben den höchsten Gipfeln – Falkenstein, 1315 m, Rachel, 1453 m und Lusen, 1373 m – erleben wir Urwälder, Schachten und Filze. Entweder als 4 bis 5-Tagestour mit Hüttenübernachtungen oder als Tageswanderungen in Kombination mit den Nationalparkbussen (Tour 47, 4 Tage, alternative Tagesrundwanderungen im Nationalpark mit Touren 39, 41, 44–46 und 48).

Über den Ilzstausee Oberilzmühle zur Veste Oberhaus
Mit einer romantischen Bahnfahrt mit der Ilztalbahn können wir in diese Ilztalwanderung starten. Eine reizvolle Alternative bildet die Rundtour von Fischhaus zum Gasthaus Triftsperre (Tour 50, 5 Std.).

Der Wald und seine Geschichte

Geologie

Wer den Bayerischen Wald aus geologischer Sicht beschreibt, darf den Böhmerwald nicht vergessen, denn beide Waldgebiete gehören derselben geologischen Einheit, dem Böhmischen Massiv, an. Die Geschichte dieses Waldgebirges beginnt vor etwa einer Milliarde Jahre, als sich Sande, Tone und Mergel in einem tiefen Meeresbecken ablagerten. Diese sanken immer weiter ab, bis sie in einer Tiefe von 30 km in Zonen extrem hoher Drücke und Temperaturen gerieten. Es setzte eine Metamorphose ein und aus den Ablagerungen bildeten sich Gneise, das älteste Gestein im Grundgebirge. In der Folgezeit entstanden durch Plattentektonik die ersten Gebirge. Vor etwa 300 Millionen Jahren setzte die variskischen Gebirgsbildung ein. Durch heftige tektonische Verschiebungen drang im Inneren der Erde vulkanisches Magma, also aufgeschmolzenes Gestein, in die Klüfte des Gneises ein und kühlte sich sehr langsam ab, bis sich kleine Gesteinskristalle bildeten. Unter Druck fügten sich die Körner aus Feldspäte, Quarze und Glimmer zu Granit zusammen.
Auch der »Pfahl«, ein markantes Naturphänomen, entstand in dieser Zeit. Er durchzieht den Bayerischen Wald auf einer Länge von etwa 150 km. Von Freyung verläuft er über Weißenstein bei Regen und Viechtach bis nach Schwarzenfeld nördlich von Schwandorf. Sein Name ist auf das lateinische pallidus (bleich, fahl) zurückzuführen. Der Große Pfahl bei Viechtach (vgl. Tour »Der Große Pfahl bei Viechtach«) und der Weißensteiner Drachenkamm bei Regen (vgl. Tour »Ruine Weißenstein auf dem Pfahl«) sind eindrucksvolle Reste, die erst durch spätere Erosion an die Oberfläche traten.
Als sich vor 65 Millionen Jahren durch erneute tektonische Bewegungen die Alpen bildeten, wurde auch die Böhmische Masse bis auf etwa 5000 m in die Höhe gehoben. Tropisches Klima sorgte in der Folgezeit für starke Erosion, die das alte Gebirge stark schrumpfen ließ. Vor 2–3 Millionen Jahren kühlte sich dann die Erde stark ab. Warm- und Kaltzeiten wechselten immer wieder. In der Würm-Eiszeit vergletscherten die Berge bis zu einer Höhe von 1000 m. Großer und Kleiner Arbersee auf bayerischer Seite sowie Schwarzer See, Teufels- oder Lackasee auf böhmischer Seite sind Relikte dieser letzten Eiszeit, die vor etwa 10.000 Jahren zu Ende ging.

Dreisessel
Durch Frostsprengung entstand das Steinerne Meer am Dreisessel.
Wollsackverwitterung am Dreisessel
Wollsackverwitterung am Dreisessel

Goldene Steige

Für die Besiedlung des »Nordwaldes«, wie man um 1200 die Landstriche zwischen Donau und Böhmen bezeichnet hat, war der »Goldene Steig« ein äußerst wichtiger Faktor. Auf dem 1010 erstmals urkundlich erwähnten Handelsweg wurde u. a. Salz von Passau nach Prachatitz in Böhmen gebracht. Seit dem 14. Jahrhundert entwickelten sich zwei Seitenäste nach Winterberg und Bergreichenstein. Das Wort »Golden« weist auf den gewinnbringenden Handel hin, der für die Fürstbischöfe, aber auch für Volk und Land Fortschritt brachte. Viele Orte wurden zunächst als Säumerplätze entlang dieses schmalen Saumpfades gegründet, Mautstellen und Wehranlagen (Freyung, Waldkirchen) sind zum Schutz des Pfades entstanden. Die unerschrockenen »Samer« oder Treiber brachten aus dem Süden Früchte, Wein und Tücher sowie Salz aus dem Salzburgischen nach Böhmen und transportierten auf ihren Saumrossen von dort Getreide, Hopfen, Malz und Häute zurück.

Glashütten und Holztrift

Bereits im 14. Jahrhundert entstanden um Rachel und Lusen die ersten Glashütten; woher allerdings die Glaserzeugung in den Bayerischen Wald kam, ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass sie eine Begleiterscheinung des »Goldenen Steiges« war. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Glashütten, von denen heute noch 17 existieren. Die Endung »-hütte«, die in vielen Ortsnamen auftaucht, weist auf ehemalige Glashüttenstandorte hin. Gläserne Rosenkranzperlen und Hohlglasgefäße aller Art (Kelche, Vasen u.a.) verhalfen diesem kreativen Handwerk auch auf internationaler Ebene zu hohem Ansehen und stellten für den einheimischen Arbeitsmarkt einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar.
Die Glashüttentradition wäre allerdings ohne den reichen Holzbestand nicht möglich gewesen. Einerseits lieferte der »Aschenwald« die für die Glaserzeugung nötige Pottasche, wobei die bevorzugte, weil kaliumreiche Buche in höheren Lagen an Ort und Stelle niedergebrannt wurde. Die zur Feuerung in den Schmelzöfen benötigten Brennstoffe gewann man aus den um die Glashütten liegenden Waldungen, dem sogenannten »Scheiterwald«. Darüber hinaus bestand jedoch kein Bedarf an Holz, die immensen Holzvorkommen waren daher praktisch wertlos, und erst die Floßbarmachung des Regens im Jahre 1847 und die Triftpraxis führten zu steigendem Holzabsatz.
Die im Herbst geschlagenen Stämme wurden dabei im Winter per Schlitten zum Lagerplatz am Triftbach gefahren. Im Frühjahr wurden die Klausen und Schwellen geöffnet, die sich im Winter mit Wasser angefüllt hatten, und das Holz wurde durch die Triftkanäle gespült. Durch den Bau der Eisenbahn um 1890 und insbesondere durch die 1910 errichtete Schmalspur-Eisenbahnlinie von Spiegelau in den Wald, die sogenannte »Spiegelauer Waldbahn«, wurde die unrentable Trift um Lusen und Rachel zurückgedrängt, bis schließlich in den Fünfzigerjahren die Waldbahn durch den Lkw abgelöst wurde.

Glasbrunnen
Glasbrunnen

Der »sagenhafte« Wald

Die Gegend von Rachel und Lusen bis zum Dreisesselberg erweist sich als Landschaft mit besonders großem Sagengut. Da werden Geschichten von Hexen und Druiden, von Riesen und Bären erzählt, und zu jedem Berg und den ihn umgebenden tiefen Wäldern gibt es zahlreiche Geschichten vom Teufel, der einsame Reisende in den verschiedensten Verkleidungen erschreckte und für viele merkwürdige Felsformationen verantwortlich gemacht wird.
So errichtete der Teufel seinen Tisch auf einer Anhöhe bei Bischofsmais, um sein Mahl einzunehmen, als plötzlich Glockengeläut zu ihm heraufdrang. Entsetzt floh der Teufel und hinterließ den Teufelstisch, den wir bei der Tour »Zum Teufelstisch« erkunden. Der Lusen entstand, als der Teufel alle Schätze der Welt zusammentrug und auf einen Haufen schüttete. Um seinen Schatz zu verstecken, bedeckte er ihn mit riesigen Felsbrocken, bis ein Berg, der Lusen, entstand.
Von der tiefen Verbundenheit und dem Respekt des »Waldlers« vor seiner Heimat erzählen auch die alten, z. T. aus heidnischer Zeit übernommenen Volksbräuche. Das »Wasservogelsingen« am Pfingstsonntag geht auf einen alten, reinigenden Fruchtbarkeitskult zurück. Junge Burschen ziehen in Regenkleidung von Haus zu Haus und singen das Wasservogellied oder eigens gedichtete Gstanzln. Die Hausbewohner schütten Wasser auf die »Vögel« und beschenken sie mit Eiern und kleinen Geldgeschenken. Am Martinstag (11. November) wird der Wolf ausgetrieben. Mit der Dämmerung treffen sich die »Wolferer«, um mit Goaßln und Glocken Wölfe und Bären zu vertreiben. Was heute nur noch symbolisch geschieht, sollte einst Wölfe von der Herde fernhalten. Um die dunkle Zeit des Jahreswechsels tanzen furchterregende Gesellen auf den Marktplätzen und bannen mit lautem Peitschenknallen und Glockengeläut die Geister der Raunacht.

Die Martinsklause – ein ehemaliger Triftstausee am Fuße des Lusen.

Bayerischer Wald

Naturpark Oberer Bayerischer Wald

Das Ziel eines Naturparks ist es, Naturschutz, Landschaftspflege und Bewirtschaftung mit den Wünschen der Erholung Suchenden in Einklang zu bringen. Außerdem gilt es, eine gewachsene Kulturlandschaft zu erhalten und zu fördern. Der Naturpark Oberer Bayerischer Wald umfasst den gesamten Landkreis Cham und den östlichen Teil des Landkreises Schwandorf. Viele landschaftlich unterschiedliche Gebiete zeichnen den 1796 km² großen Naturpark aus. Die ersten Wanderungen durchsteifen den Falkensteiner Vorwald. Enge Hügellandschaften mit im Wald versteckten Granitkuppen sowie kleine Ortschaften und Einödhöfe charakterisieren die Landschaft. Im Naturschutzgebiet Falkensteiner Schlosspark (Tour »Zur Wallfahrtskirche Marienstein«) können wir die erstaunlichsten Granitgebilde bewundern, im Naturschutzgebiet Hölle bei Rettenbach (Tour »Durch das Höllbachtal«) empfängt uns ein Meer aus Felsen. Nach Norden grenzt das Regental das granitreiche Gebiet zu den Sand- und Braunkohlegebieten der Bodenwöhrer Senke ab. Besonders bei Kanuten ist das Regental mit seinen Burgen und Klöstern beliebt. In der Regensenke kurz nach dem Blaibacher See bei Bad Kötzting (Tour »Bad Kötzting – Seeblick«) vereinigen sich Schwarzer und Weißer Regen, und erst kurz vor Roding gelingt es dem Fluss, das harte Pfahlgestein zu überwinden und bei Marienthal (Tour »Am Regen zur Ruine Stockenfels«) nach Süden abzubiegen.
Die Auenlandschaft der Cham-Further-Senke trennt den Oberpfälzer Wald vom Bayerischen Wald. Chamb und Regen durchfließen die Auenwiesen in weiten Mäandern. Von der Bayerwarte auf dem Dieberg oder von Dachs- und Kirschbaumriegel (Tour »Felsenlabyrinth und Dachsriegel« und Tour »Zur Bayernwarte auf dem Dieberg«) bei Furth im Wald genießen wir einen weiten Blick über die Further Senke zum neu entstandenen Drachensee und auf den angrenzenden Hohenbogen.
Mit dem Hohenbogen, 1079 m, erreichen wir den Hinteren Bayerischen Wald, der mit 60 % Wald die waldreichste Region darstellt. Über 1000 m liegen die Höhenzüge von Kaitersberg und die bewaldeten Kämme des Künischen Grenzgebirges bis hin zum 1456 m hohen Großen Arber. Finden wir in tieferen Lagen überwiegend Mischbestände aus Buchen, Fichten und Tannen, so herrschen ab 1000 m artenärmere Fichtenwälder vor. Der Große Arber ist der einzige Berg, der die Baumgrenze überschreitet. Beliebte Feriengebiete sind das Erholungsdreieck Grafenwiesen, Rimbach und Hohenwarth sowie der Lamer Winkel am Fuße des 1293 m hohen Großen Osser.
Die Gebiete nördlich und westlich von Cham werden mit dem Wanderführer Oberpfälzer Wald abgedeckt. Dieses Gebiet umfasst den Vorderen und Hinteren Oberpfälzer Wald rund um Rötz und Waldmünchen, sowie die sandreiche Bodenwöhrer Bucht.

Am Kreuzfelsen auf dem Kaitersberg.

Naturpark Bayerischer Wald

Bereits 1967 gegründet und 2780 km² groß umfasst der Naturpark Bayerischer Wald die Landkreise Regen und Freyung-Grafenau sowie die nördlich der Donau gelegenen Gebiete der Landkreise Deggendorf und Straubing-Bogen.
Von der Donau aufwärts reiht sich der obstreiche Lallinger Winkel mit seinen schönen Bauernhäusern, die Region Sonnenwald um den 1011 m hohen Brotjacklriegel und die Vorberge des Bayerischen Waldes mit Tausendern wie Geißkopf, Pröller oder Hirschenstein. Weiter im Osten und an das Passauer Land anschließend liegt im Zentrum der Burgen Saldenburg, Fürstenstein und Englburg der herrlich gelegene Dreiburgsee – mitten im Dreiburgenland. Baden im See und ein Besuch des angrenzenden Museumsdorfes sind eine Empfehlung wert, wo es mehr als 150 Gebäude aus der Zeit von 1580 bis 1850 zu bestaunen gibt.
Bereits erwähnt wurde eine geologische Besonderheit – der Quarzpfahl (siehe Tour »Der Große Pfahl bei Viechtach«, Tour »Ruine Weißenstein auf dem Pfahl« und Tour »Buchberger Leite bei Freyung«). Eine mit Quarz gefüllte Bruchlinie, die sich über eine Länge von fast 150 km von Schwarzenfeld im Naabtal bis Fürholz bei Freyung erstreckt. Im Naturschutzgebiet »Großer Pfahl« bei Viechtach ist das Quarzriff besonders eindrucksvoll zu sehen. Zwischen Freyung und Ringelai in der Wildbachklamm »Buchberger Leite« dominiert der blaugrüne Pfahlschiefer-Fels, ein andere Erscheinungsform des Pfahls. Die Burg Weißenstein bei Regen steht am höchsten Punkt des Pfahls auf 753 m.