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© eBook: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2017

© Printausgabe: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2017

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Projektleitung: Maria Hellstern

Mitarbeit am Text und Lektorat: Sylvie Hinderberger

Bildredaktion: Petra Ender

Covergestaltung: independent Medien Design, Horst Moser, München

eBook-Herstellung: Simone Sauerbeck

IMG ISBN 978-3-8338-6357-8

1. Auflage 2017

Bildnachweis

Fotos: Debra Bardowicks, GettyImaes; Oliver Giel; privat; Shutterstock; Stocksy; Trio Bildarchiv; Icons: Matias Kovacic

Syndication: www.seasons.agency.de

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VOM ERSTEN TAG AN EIN
TOLLES TEAM

Wenn ein Welpe ins Haus kommt, will man natürlich alles richtig machen, damit Zwei- und Vierbeiner zu einem tollen Team zusammenwachsen. Dabei hilft es sehr, wenn Sie sich schon vorher über ein paar Dinge im Klaren sind.

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EIN PAAR GEDANKEN VORAB

Sie wünschen sich einen Welpen? Wie schön! Die Verantwortung für so ein kleines Lebewesen zu tragen ist etwas ganz Besonderes!

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben sich für einen Welpen entschieden und wollen das Zusammenleben aktiv in die Hand nehmen. Es ist ein sehr schönes Erlebnis, einen jungen Hund von Anfang an in seiner Entwicklung zu begleiten und gemeinsam mit ihm die Welt zu entdecken. Als ich vor ein paar Jahren mein eigenes Doggenrudel großgezogen habe, durfte ich sogar von der ersten Minute an dabei sein. Seitdem weiß ich noch mehr, wie stark die ersten Wochen und Monate einen Hund für immer prägen können. Aber auch, wie sehr sie einen selbst verändern. Zum Positiven. Denn Hunde, und noch mehr Welpen, halten uns einen Spiegel vor und zeigen uns, wer und wie wir wirklich sind. Für ein paar Seiten in diesem Buch habe ich in meinem persönlichen Fotoalbum geblättert und die schönsten Bilder meiner Doggen herausgesucht. Um Sie an diesem wunderbaren Erlebnis teilhaben zu lassen. Die beiden Weimeranerwelpen in diesem Buch sind übrigens auch meine. Betty und Elly sind diesen Winter bei mir eingezogen. Und sie sind einfach großartig!

Natürlich freue ich mich über jeden, der einen erwachsenen Hund aus dem Tierheim aufnimmt und ihm ein neues Zuhause gibt. Schließlich hat kein Hund es verdient, abgeschoben zu werden wie ein unpassendes Möbelstück, nur weil irgendetwas nicht so funktioniert, wie es sich sein Besitzer vorgestellt hat. Aber Sie haben sich nun für einen Welpen entschieden, und das ist doch etwas Einzigartiges: Man nimmt ein Lebewesen zu sich, das man bis an sein Lebensende begleiten wird. Mit dem man von klein auf eine intensive Beziehung aufbauen kann. Das, wenn es aus einer verantwortungsvollen Zucht, einer liebevollen Pflege oder einem guten Tierheim kommt, noch ganz »unverfälscht« ist, weil in seinem Leben bisher nichts schief­gelaufen ist. Weshalb man einfach so weiter-und alles richtig machen kann. Und das Beste daran: Das ist gar nicht schwer!

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Einem Hund ist egal, wo er wohnt. Man muss ihm nur zeigen, wie die Welt um ihn herum »funktioniert«.

Kann ich überhaupt einen Hund halten?

Natürlich sollte die Entscheidung für einen Welpen gut überlegt sein – genauso wie für ein erwachsenes Tier. Schließlich wollen (und müssen) Sie damit die Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen – und das hoffentlich für viele, viele Jahre. Ein Hund wird Sie eine Menge Zeit kosten – und, nicht nur wenn Sie einen teuren Rassewelpen kaufen, auch eine Menge Geld. Futter, Versicherung, Steuer, Tierarzt: All das kostet, und die Ausgaben nehmen mit den Jahren nicht ab.

Aber mal abgesehen davon gibt es eine Frage, die sich die meisten Hundebesitzer in spe als Erstes stellen: Passt ein Hund überhaupt in mein Leben? Viel Arbeit, ein anspruchsvoller Job, für den man oft unterwegs ist, ein kleines Kind, eine Wohnung in der Stadt: Es scheint viele unterschiedliche Hürden zu geben, die es schwer machen, sich ein Leben mit Hund vorzustellen.

Dabei gilt es doch eigentlich nur eins zu klären – allerdings ist dieser Punkt entscheidend dafür, dass sich der Hund bei Ihnen wohlfühlt und überhaupt eine gute Mensch-Hund-Beziehung wachsen kann: Sind Sie ­bereit, sich die Zeit zu nehmen, die ein Hund braucht? Wobei ich hier gleich mal einwenden will: Es ist ja in den allerseltensten Fällen so, dass wir tatsächlich zu wenig Zeit haben. Vielmehr ist das Ganze eine Frage der Prio­rität. Wir müssen uns entscheiden, welchen Dingen wir mehr Zeit widmen wollen und für die wir uns auch entsprechend mehr Zeit nehmen, und was uns weniger wichtig ist. Dafür wollen wir natürlich möglichst wenig Zeit »verschwenden«.

»Sicher, ein Leben mit Hund ist anders als ein Leben ohne Hund. Aber genau das ist ja auch das Schöne daran.«

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Natürlich können sich Welpen auch mal allein beschäf­tigen. Am liebsten sind sie aber bei ihrem Menschen.

WAS IST IHNEN WICHTIG?

Wenn Sie zum Beispiel ein kleines Kind haben, kann es sein, dass Sie die Stunden, in denen es schläft oder von einer anderen Person betreut wird, lieber für sich selbst nutzen wollen. Wenn Sie einen Hund haben, kann es sein, dass Sie sich auch in diesen kostbaren Minuten und Stunden »angebunden« fühlen, weil sie weiterhin die Verantwortung für jemanden übernehmen müssen und nicht einfach das tun können, worauf Sie gerade Lust haben. Ein Hund braucht Sie, nicht nur im Welpenalter. Stört Sie das nicht, spricht auch nichts dagegen, dass die Familie weiter anwächst. Denn Kinder an sich sind kein Hindernisgrund, einen Hund zu halten.

Dasselbe gilt, wenn Sie einen anstrengenden Beruf ausüben. Ist es für Sie in Ordnung, die knappe Freizeit nicht ausschließlich auf dem Sofa oder beim Ausgehen zu verbringen? Natürlich müssen in diesem Fall auch noch ein paar andere Dinge geklärt werden: Besteht die Möglichkeit, den Hund in die Arbeit mitzunehmen? Wenn nicht, wer passt tagsüber auf ihn auf? Denn Hunde können zwar, wenn man es ihnen richtig beigebracht hat, durchaus einige Stunden am Tag allein zu Hause bleiben, ohne dass sie darunter leiden. Aber sie wollen das nicht 24 Stunden rund um die Uhr. Da nützt es auch nichts, wenn zwischendurch mal jemand vorbeischauen würde, um sie zu füttern, oder sie den ganzen Tag in einem großen Garten bleiben könnten. Hunde wollen mit »ihrem« Menschen zusammen sein und das Leben mit ihm teilen. Und ganz ehrlich: Wenn man sich einen Hund wünscht, will man das ja irgendwie auch selbst. Oder nicht?

Sie leben in der Stadt? Auch das ist kein Hindernis. Ich kenne sehr, sehr viele Hunde, die dort glücklich und artgerecht leben und die selbst im größten Verkehrschaos die Ruhe weghaben. Was, wenn ich schon mal vor­weggreifen darf, weder an der Rasse oder am Alter liegt, sondern an ihrem Halter. Wenn der ruhig und gelassen ist, ist es der Vierbeiner nämlich genauso.

Klar, wenn Sie in der Stadt leben, müssen Sie möglicherweise etwas länger spazieren gehen, einfach weil es oft länger dauert, bis man ein Plätzchen findet, wo man den Hund auch mal ohne Leine sicher laufen lassen oder gemeinsam spielen und herumtoben kann. Aber damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Auch wenn Sie einen Garten haben, müssen Sie jeden Tag mit Ihrem Hund spazieren gehen. Es ist vielleicht ein bisschen entspannter, dass der Welpe stubenrein wird, weil man nicht jedes Mal zum nächs­-ten Grünstreifen sausen muss, wenn er sich »meldet«, sondern nur die Terrassentür zu öffnen braucht. Das Gassigehen jedoch ersetzt ein Garten niemals. Denn mit dem ­Alleinsein im Garten ist es nicht anders als mit dem Alleinsein zu Hause: Eine gewisse Zeit ist es okay, aber dann reicht es eben auch. Ihr Hund will schließlich etwas erleben und neue Sachen entdecken – und zwar gemeinsam mit Ihnen. Nur wenn er sich als Teil Ihrer ­Familie fühlt, ist er glücklich und ausge­glichen. Ihn nur eben mal in den Garten rauszulassen ist niemals ein Ersatz für Nähe und Beschäftigung.

KEINE KOMPROMISSE !

Hunde sind von Natur aus wahre Meister im Zusammenleben. Sie können sich beinahe allen Lebensverhältnissen anpassen und dennoch ausgeglichen, erfüllt und glücklich sein. Alles, was Sie dazu tun müssen, ist für Ihren Vierbeiner da zu sein. Und deshalb müssen Sie sich zuallererst einmal bewusst werden, wie Sie leben und sich dann überlegen, ob Sie (und nur Sie!) es gut finden, wenn und auf welche Weise sich ein Hund daran anpassen müsste und ob das in Ihren Augen gut für ihn wäre. Man darf sich selbst nicht schlecht fühlen, weil man morgens zum Beispiel erst mal 20 Minuten bis zum Park braucht, der Hund vormittags zu Hause bleiben soll oder tagsüber von jemand anderem betreut wird. Was zählt ist die Zeit, die Sie sich für ihn nehmen, um ihm beizubringen, was er in ­Ihren Augen können muss. Und die Zeit, die Sie gemeinsam verbringen. Als Team! Die Zeit, in der Ihr Hund merkt: Hier gehöre ich hin. Das ist mein Mensch! Das ist meine Familie! Nicht nur als Welpe, sondern sein ganzes Leben lang.

Es kommt also auf die innere Einstellung an. Wenn Sie sich dabei gut fühlen, wird es Ihr Hund auch tun. Wenn Sie glücklich sind, ist er auch glücklich, egal wo und wie Sie leben. Auch schon als Welpe!

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So süß Welpen sind: Man sollte mit klarem Kopf überlegen, welcher Hundetyp am besten zu einem passt.

Und welcher Hund passt zu mir?

Keine Frage: Welpen sind einfach supersüß, und ich kenne eigentlich niemanden, der nicht sofort sein Herz an sie verlieren würde. Mich eingeschlossen. Aber auch wenn es schwer ist, sollte man sich bei der Auswahl eines Welpen nicht nur von seinen Gefühlen leiten lassen. Manchmal kommt man zwar auch zum Hund wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Ich selbst habe zum ­Beispiel tatsächlich schon einmal einen ­winzigen Welpen in der Mülltonne gefunden. Und natürlich behalten. Aber das sind Extremfälle. Normalerweise werden vor der ersten Begegnung Hundebücher gewälzt, Internetseiten verglichen und viele, viele Bekannte oder andere Hundehalter auf Herz und Nieren befragt. Schließlich will man ja erst mal herausfinden, welcher Hund zu einem passen würde beziehungsweise ob der Hund, der einem rein optisch gefällt, auch den Charakter hat, den man sich wünscht. Ob er zum Beispiel kinderlieb ist oder besonders viel Auslauf braucht. Und dann ist da noch die Frage, ob der neue Hausgenosse eher klein oder groß sein soll, eher langes oder kurzes Fell haben soll … Sie wissen, was ich meine.

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Was Spaß macht, ist zu einem gewissen Grad angeboren. Das sollte man bei der Auswahl berücksichtigen.

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Ganz die Mama! Bei Rassehunden ist es etwas leichter, im Vorfeld Prognosen über den Charakter abzugeben.

RASSEHUNDE

Ein bisschen leichter lassen sich solche Dinge klären, wenn Sie sich für einen Rassewelpen entschieden haben. Bei diesen Hunden haben Züchter über Jahrzehnte, manchmal sogar bereits über Jahrhunderte selektiert und zielgerichtet immer nur mit jenen Tieren weitergezüchtet, die ihrem Ideal am nächsten kamen. Daher können Sie bei einem Rassehund mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sicher sein, was er mitbringen wird – und zwar nicht nur was das Aussehen und die genetische Ausstattung betrifft. Auch sein Verhalten und sein Charakter lassen sich recht gut einschätzen. Das macht es leichter, wenn man weiß, wie man lebt und was man sich wünscht.

Es wird immer Rassen geben, die sich daran besser anpassen als andere. Wenn Sie es von Anfang richtig machen, vom ersten Tag an die Verantwortung übernehmen und dem Welpen zeigen, wie das Leben an Ihrer Seite funktionieren wird, ist es im Grunde jedoch egal, welche Rasse Sie wählen. Zwar besteht bei den »arbeitsintensiven« Rassen immer ein bisschen die Gefahr, sich zu überfordern. Aber auch bei einer »einfachen« Rasse entwickelt sich der Welpe nicht von allein zu dem Hund, von dem Sie träumen. Trotzdem: Wenn Sie bei der Entscheidung für oder ­gegen eine bestimmte Rasse sorgfältig auswählen und Ihre individuelle Lebenssituation ­berücksichtigen, verlangt der Hund unter Umständen nicht ganz so viel, wie es ein ­anderer tun würde.

Wenn Sie bisher nur wissen, dass Sie gern ­einen Hund möchten, aber noch gar nicht darüber nachgedacht haben, welcher es sein könnte, sollten Sie sich als Erstes überlegen, was Sie eigentlich mit ihm machen wollen: Jagdhunde wie mein Galgo zum Beispiel rennen sehr gerne (und sind, wenn sie die Möglichkeit dazu nicht haben, nie richtig ausgelastet und entspannt). Wenn Sie also einen Hund suchen, der Sie beim Sport begleitet, könnte so eine Rasse vielleicht die richtige für Sie sein. Denn egal wo und wann er lebt, tut auch heute noch jeder Hund gern das, für das er ursprünglich einmal gezüchtet wurde.

Wenn Sie selbst nur draußen richtig aufblühen und am liebsten in jede Pfütze springen würden, sind vielleicht ein Retriever oder ein Spaniel perfekt. Vorausgesetzt, es macht Ihnen auch nichts aus, wenn Ihr Auto oder Ihr Flur danach unter Umständen entsprechend aussehen – auch das gehört zur schon genannten »Analyse« der Lebensumstände und persönlichen Vorlieben. Wenn Sie Kinder ­haben und sich der Vierbeiner eher wie ein weiterer »Nachwuchs« der Familie anpassen soll, sind wieder andere »Qualitäten« wichtig. Hier würde ich zum Beispiel empfehlen, bei geselligeren Rassen weiterzuschauen, die eher nicht als Einzelgänger gelten.

KLEINES KIND, KLEINER HUND?

Nicht unbedingt! Ein guter Familienhund zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass er relativ entspannt ist und nicht bei jeder Kleinigkeit die Nerven verliert. Gerade einige der Minirassen gelten jedoch tendenziell als eher nervös. Das heißt, sie sind schnell erregt und reagieren dann auch mal auf eine für uns Menschen unangemessene Art. Genauso kann ein quirliger Treibauf wie ein Terrier sich schnell hochpushen, wenn es um ihn herum wild hergeht. Auch das kann ins Auge gehen.

Meiner Meinung nach kann zwar jeder Hund ein vollwertiges Familienmitglied sein und dem eigenen Nachwuchs ein treuer Freund werden. Es gibt aber tatsächlich Charaktereigenschaften, die das Ganze etwas leichter machen. Ein ausgeprägter Hüte- oder Wachinstinkt zum Beispiel kann nach hinten losgehen, wenn der Vierbeiner die Kinder und ihre Freunde beim Fangenspielen »einfach mal so« in die Waden zwickt oder es mit dem Beschützen »übertreibt«. Trotzdem bin ich überzeugt, dass jeder Hund, egal welcher Rasse und egal ob er überhaupt ein Rassehund ist oder ein Mischling, ein großartiger Familienhund sein kann. Vorausgesetzt, man geht gut mit ihm um. Als Eltern sollten Sie sich aber informieren, welche Charaktereigenschaften sich am besten mit dem eigenen Leben und den eigenen Gewohnheiten vereinbaren lassen.

Doch selbst wenn eine Rasse noch so sehr als Familienhund und kinderlieb gilt: Der Nachwuchs sollte die Bedürfnisse des Vierbeiners ebenso kennen und be­achten wie seine Eltern. Das sind wir unseren Vierbeinern schuldig. Auch dies­bezüglich sind sehr kleine Hunde oft im Nachteil. Sie werden von Kindern nicht als »echte« Tiere angesehen. Es fällt ihnen daher noch schwerer, sie artgerecht zu behandeln – umso mehr, je jünger die Kids selbst sind.

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Elly (auf meinem Arm) und Betty lernen nicht nur von mir, sondern auch von meinen »großen« Hunden.

Großer oder kleiner Hund?

Von diesen Überlegungen ausgehend lässt sich der Kreis derjenigen Rassen, die für Sie infrage kommen, schon mal deutlich enger fassen. Als Nächstes können Sie dann überlegen, ob Sie lieber einen großen Hund wollen oder einen kleinen und ob er lieber ein kurzes Fell haben sollte oder längeres Haar. Vergessen Sie gerade beim Fell nicht, dass die Pflege kurzhaariger Rassen deutlich weniger Zeit in Anspruch nimmt, und der Hund in der Regel auch weniger Schmutz in die Wohnung trägt. Wie wichtig sind Ihnen solche Sachen?

Aber noch mal zurück zu groß oder klein: Die Frage, ob Hundewinzling, Riese oder ­irgendwas dazwischen ist tatsächlich viel wichtiger als manche denken. Nicht deswegen, weil man befürchtet, eventuell nicht den Platz für einen großen Hund zu haben. Ich kenne genug Großstadtdoggen, die sich im City-Appartement ihres Besitzers pudelwohl fühlen. Eher sollten Sie sich da schon mit dem Gedanken tragen, in welchem Stock Sie wohnen, ob es einen Aufzug gibt oder nicht.

Denn Ihr Hund wird leider nicht immer munter und agil bleiben. Mancher Hunde­senior tut sich schwer, Treppen zu steigen. Ein kleines (und leichtes) Tier lässt sich dann auch mal tragen. Das macht es einfacher.

Und dann sind da noch ein paar Fragen, zum Beispiel die, ob der Hund, wenn er ausgewachsen ist, in Ihr Auto passt (die wenigsten Menschen wollen sich schließlich mit dem Hund auch gleich noch ein neues Fahrzeug zulegen). Oder die: Manche Arbeitgeber erlauben zwar, dass man seinen Hund mit ins Büro nimmt. Aber nur, wenn er eine gewisse Größe nicht überschreitet. Außerdem ist es ganz einfach so, dass ein kleinerer Hund auch weniger kostet. Der Preis für eine Rassewelpe ist zwar in etwa immer gleich hoch, egal ob es sich um einen Mops, einen Beagle, einen Pudel, einen Pointer, einen Rottweiler oder einen Irischen Wolfshund handelt. Aber mit dem Welpen selbst hört es ja nicht auf.

Futter, Entwurmen, eventuell nötige Medi­kamente: Das alles kostet und da bei einem größeren Hund von allem größere Mengen nötig sind, wird es ganz automatisch teurer.

Und dann gibt es in meinen Augen noch ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium, wenn Sie mit einem extrem großen und kleinen Hund liebäugeln: Stört es Sie, wenn Sie auf der Straße von Fremden angesprochen werden? »Wie bitte?«, werden Sie jetzt vielleicht denken. »Was soll das denn jetzt?« Aber glauben Sie mir: Wenn Sie mit einem Hunderiesen oder einem minikleinen Hund unterwegs sind, wird man Sie bei jedem Gassi­gehen mindestens einmal darauf ansprechen. Mindestens! Und das ist einfach nicht jedermanns Sache. Wer gern seine Ruhe hat, ist mit einem Hund mittlerer Größe diesbezüglich auf der sichereren Seite. Wenn Ihnen ­dagegen auch das hundertste »Guck mal, ein Pony an der Leine« oder »Ach, ist der süüüüüß!« nichts ausmacht, kann die zukünftige Größe Ihres vierbeinigen Freundes von Herzen egal sein.

Ach ja, was man natürlich nicht vergessen sollte: Große Hunde hinterlassen beim Gassigehen auch größere »Spuren« und die muss man heutzutage fast überall auch beseitigen. Das ist gut so, aber eben auch ein Faktor, den es zu berücksichtigen gilt.

Eins allerdings sind große Hunde nicht: Sie sind nicht schwerer zu erziehen als kleine. Sie brauchen auch nicht zwingend mehr Auslauf. Meine großen Doggen zum Beispiel machen deutlich schneller schlapp als mein Terrier-Dackel-Mix Filou. Wenn der am Strand noch immer in die Fluten springt oder wie ein Verrückter im Sand buddelt, liegen die Großen schon längst im Schatten und dösen.

»Ich persönlich mag ja beides. Chihuahua oder Dogge, das macht für mich keinen Unterschied – rein auf die Statur bezogen natürlich, vom Charakter her liegen zwischen beiden nämlich Welten.«

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Ein Bobtail ist in Sachen Fellpflege ein ganz anderes Kaliber als meine Doggen. Das muss man mögen.

MISCHLINGE

Es gibt bei Rassehunden zwar eine gewisse »Sicherheit«: Wenn etwa beide Elternteile keine Hüftdysplasie haben, also HD-frei sind, stehen auch beim Nachwuchs die Chancen gut, dass die Hüftgelenke keine Probleme machen werden. Wenn eine Rasse als gut­mütig gilt, ist sie in der Regel für unerfahrene Halter einfacher als andere. Allerdings ist Rasse allein noch keine Garantie für eine ­geglückte Mensch-Hund-Beziehung.

Die kann mit einem Mischlingswelpen genauso gelingen. Allerdings weiß man eben in der Regel weniger genau, auf was man sich einlässt. Nicht immer ist klar, wer der Vater ist und welche Merkmale später einmal dominieren werden. Wie groß der Hund einmal wird und welche Charaktereigenschaften er zeigen wird. Und wenn einer der Eltern (oder sogar beide) schon ein Mischling ist, ist dementsprechend noch viel mehr möglich. Umso wichtiger ist, dass man von Anfang an alles richtig macht.

Und was ist mit der Gesundheit? Früher hieß es ja oft, Mischlinge seien weniger krankheitsanfällig als Rassetiere. Heute weiß man, dass das so pauschal leider nicht stimmt. Denn Erbkrankheiten können auch nach mehreren Generationen noch auftreten.

In meiner Kindheit hatten wir aber immer Mischlinge und jeder einzelne dieser Hunde war eine echte Bereicherung für uns.

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Nicht das Aussehen eines Welpen sollte darüber entscheiden, ob er bei einem einzieht, sondern vor allem sein Typ.

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Elly und Betty sehen sich zwar zum Verwechseln ähnlich, aber vom Typ her sind sie völlig unterschiedlich.

JEDER HUND IST ANDERS

Aber auch innerhalb einer Rasse und noch nicht einmal innerhalb eines Wurfes ist jeder Hund gleich. Genauso wie alle ein bisschen anders aussehen – der eine ist zum Beispiel etwas kräftiger, der andere zarter oder hat eine andere Zeichnung –, unterscheiden sie sich auch vom Charakter her. In jedem Wurf gibt es verschiedene Persönlichkeiten. Drei davon lassen sich leicht unterscheiden: die

Mutigen, die eher Schüchternen und die ­dazwischen, die zwar durchaus interessiert sind, aber dabei doch auch vorsichtig. Es ist Ihre Aufgabe, den Welpen auszuwählen, der am besten zu Ihnen passt. Sie müssen entscheiden, welcher für Sie der Richtige ist. Auch das gehört zur Verantwortung.