cover

HOLLY HEPBURN liebt es, Menschen zum Lächeln zu bringen – und sie liebt ihre Katze Portia. Sie hat in der Marktforschung und als Model gearbeitet, ihr großer Traum war aber schon immer das Schreiben. Sie lebt in der Nähe von London.

Besuchen Sie uns auf www.penguin-verlag.de und Facebook.

Holly Hepburn

Roman

Aus dem Englischen
von Cathrin Claußen

Die englische Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel
Snowdrops at the Star and Sixpence bei Simon & Schuster UK Ltd, London.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten,

so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese

nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt

der Erstveröffentlichung verweisen.

PENGUIN und das Penguin Logo sind Markenzeichen

von Penguin Books Limited und werden

hier unter Lizenz benutzt.

Copyright © 2016 by Tamsyn Murray

Published by arrangement with SIMON & SCHUSTER UK LTD.,
LONDON, ENGLAND

Dieses Werk wurde vermittelt durch
die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2018 by

Penguin Verlag,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Covergestaltung und -motiv: www.buerosued.de

Redaktion: Lisa Wolf

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel GmbH, Köln

ISBN 978-3-641-23590-1
V001

www.penguin-verlag.de

Mrs. Vanessa Blake

23 Westmoreland Avenue

Godalming

Surrey

GU7 8PB

20. August 2015

Sehr geehrte Mrs. Blake,

der Grund meines Schreibens betrifft den Nachlass Ihres Vaters, des hochwohlgeborenen Andrew Chapman. Als Vollstrecker seines Testaments ist es meine Pflicht, Sie darüber in Kenntnis zu setzen, dass Sie und Ihre Schwester, Miss Samantha Chapman, die einzigen Erben von Mr. Chapmans Vermögen sind, bestehend aus der Immobilie in der Sixpence Lane, Little Monkham, Shropshire, SY6 2XY, und dem sich darin befindenden Pub, dem Star and Sixpence.

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie schnellstmöglich mit mir Kontakt aufnehmen und mir mitteilen könnten, ob Sie das Erbe antreten wollen, sodass schnellstmöglich die nötigen Formalitäten eingeleitet werden können.

Hochachtungsvoll,

Quentin Harris

Harris und Taylor Rechtsanwälte

Kapitel eins

Nessie blinzelte durch die Windschutzscheibe in die nächtliche Dunkelheit, gegen die nicht einmal das Fernlicht viel ausrichten konnte. »Bist du sicher, dass es die nächste links abgeht?«

Vom Beifahrersitz ertönte ein kurzer Seufzer. »Das sagt jedenfalls das Navi, auch wenn wir so weit weg von der verdammten Zivilisation sind, dass es wahrscheinlich genauso verloren ist wie wir.« Samantha klopfte versuchsweise auf das Gerät und stierte dann wieder auf das Display. »In fünfzig Metern links abbiegen.«

Nessie trat auf die Bremse und hielt vergeblich Ausschau nach einer Lücke zwischen den dunklen Bäumen. »Da ist aber gar keine Straße, glaube ich.«

»Du bist doch diejenige, die schon mal hier war«, giftete Sam. »Ich dachte, du kennst den Weg?«

Ja, schon, wollte Nessie erklären, nur letztes Mal war helllichter Tag, und ich hatte einen Anwaltsgehilfen, der mich gelotst hat, statt einer Schwester, die mich für vollkommen orientierungslos hält und immer direkt auf hundertachtzig ist.

Das alles behielt sie jedoch für sich. Sie verkniff es sich auch, ihre Schwester darauf hinzuweisen, dass sie, wenn Sam zur verabredeten Zeit fertig gewesen wäre, nicht erst im Dunkeln hier angekommen wären. Stattdessen konzentrierte Nessie sich darauf, die Abbiegung zu finden, von der Sam steif und fest behauptete, sie würde gleich kommen.

Ein paar Sekunden später war da wirklich etwas: eine Lücke, mehr ein Trampelpfad als eine Straße, mit einer rot-weiß gestreiften Schranke davor, verschlossen mit einer schweren Kette. Sie hielt an. »Ich bin ziemlich sicher, dass wir hier falsch sind.«

Sam schnaubte irritiert und riss das Navigationsgerät aus seiner Halterung an der Windschutzscheibe. »Himmel nochmal, dann muss die Postleitzahl falsch sein«, fauchte sie und klopfte entnervt auf das Display. »Hast du sie überprüft, bevor du sie eingegeben hast?«

Nessie wusste, dass sie das getan hatte; sie hatte sich die Papiere des Anwalts mehrmals durchgelesen, um sich wirklich sicher zu sein – auch dass sie diese ganze Geschichte mit dem Erbe nicht nur geträumt hatte. Aber als sie nun mit Sams Wutausbruch konfrontiert war, zweifelte sie doch an sich. Sie starrte auf ihre Hände, die verkrampft und zittrig auf dem Steuer lagen. »Ich dachte, das hätte ich. Aber vielleicht hab ich mich vertippt.«

Sam atmete langsam aus. »Nein, tut mir leid. Ich wollte nicht so ausflippen, die letzten Wochen waren einfach hart, weißt du …« Ihr Mund verzog sich zu einem schiefen Lächeln, und sie hielt das Navi in die Höhe. »Hier draußen gibt es eh kein Signal. Wir könnten auch in der Nähe von Luxemburg statt von Little Monking sein, wenn es nach diesem Teil hier ginge.«

Trotz ihrer Anspannung lächelte Nessie zurück. »Monkham, nicht Monking. So steht es jedenfalls in diesem Grundbuch, das wahrscheinlich noch aus dem Mittelalter stammt.«

»Arsch der Welt würde besser passen«, murmelte Sam und ließ das Navi in ihren Schoß fallen. »Und jetzt? Kommt dir hier irgendwas bekannt vor?«

Nessie sah sich um und versuchte, sich die Straße bei Tageslicht vorzustellen. Denk nach, befahl sie sich. Was kam nach der Humpback-Brücke? Eine Kreuzung? Ein Kreisverkehr? »Hinter der nächsten Kurve müsste, glaube ich, eine Abzweigung sein«, sagte sie langsam, in der Hoffnung, dass ihre Erinnerung ihr keinen Streich spielte. »Ich meine, da sind wir links abgebogen.«

Sam lehnte sich im Sitz zurück. »Lass es uns herausfinden.«

Nessie holte tief Luft, legte den Gang ein und fuhr wieder los. »Und, wie ist es dort?«, fragte Sam. »Sind wir vollkommen übergeschnappt, dass wir das machen?«

Nessie sah das Star and Sixpence vor sich, wie es oben auf der makellosen Dorfwiese von Little Monkham thronte und sein schwarz-weißes Fachwerk hell in der Wintersonne leuchtete. »Ich hab’s dir ja schon gesagt, es ist alt, wurde um 1600 gebaut, glaube ich.«

Sam verzog das Gesicht. »Igitt, alt. Bitte sag mir, dass es zumindest eine Dusche und Zentralheizung hat?« Sie warf einen Blick auf das Navi und schauderte. »Und WLAN

Nessie dachte an die tropfende Duschbrause über der angeschlagenen Emaillebadewanne in der oben gelegenen Wohnung und an den riesigen gemauerten Kamin, der das Zentrum des mit Holzbalken durchzogenen Barraums des Pubs bildete. Sie nickte. »Dusche und Heizung gibt es, obwohl beides eine kleine Auffrischung nötig hätte – das gilt für das ganze Haus, um ehrlich zu sein. Es würde mich sehr wundern, wenn es dort WLAN gäbe, aber das ist ja leicht einzurichten, wenn wir es wollen.« Für einen kurzen Moment zögerte sie, dann sagte sie es doch: »Eigentlich dachte ich, du könntest vielleicht eine kleine Pause vom Internet vertragen.«

Sam war still, als sie um die Kurve fuhren, und nicht zum ersten Mal fragte Nessie sich, was wohl passiert wäre, wenn ihr Vater, mit dem sie seit über zwanzig Jahren nicht gesprochen hatten, ihnen dieses Pub nicht hinterlassen hätte. Was sie anging, wahrscheinlich nichts – sie wäre immer noch mit Patrick zusammen, gefangen im starren Alltagstrott dieser Ehe. Aber bei Sam sah das ganz anders aus; die Flucht aus London war sozusagen ihr letzter Ausweg.

Am Straßenrand kam ein Schild in Sicht. »Little Monkham, ein Kilometer«, rief Sam triumphierend. »Wer braucht schon Technik?«

Nessie wusste nicht, ob sie das Navi oder das Internet oder beides meinte, doch es erinnerte sie wieder daran, dass zumindest einer der Gründe, weshalb sie nach Little Monkham zogen, war, dass sie sich verstecken wollten. Denn wo konnte man besser seine Wunden lecken, als an einem Ort, an dem einen niemand fand?

»Genau«, antwortete Nessie und lenkte das Auto über die Straße, die zum Dorf führte. »Vielleicht hat es auch etwas für sich, mal vom richtigen Weg abzukommen.«

Die Dorfwiese wurde von den Straßenlaternen in bernsteinfarbenes Licht getaucht, als sie Little Monkham erreichten. Ein Mann ging mit seinem Hund am Kriegsdenkmal vorbei, hielt an und tippte sich grüßend an den Hut, als sie vorbeifuhren. Nessie hob etwas unsicher die Hand, während Sam ihn einfach nur anstarrte.

»Wir sind wieder zurück in den Fünfzigern, oder?«, sagte Sam. »Steht da hinten eine alte blaue Telefonzelle, oder ist das die Zeitmaschine?«

»Ich nehme an, es wird wohl eine Telefonzelle sein«, antwortete Nessie nachsichtig. »Nicht alle haben ein Handy.«

Sam hob die Augenbrauen. »Aber Festnetzanschlüsse wird es hier doch geben? Die werden doch nicht alle hier anstehen, um das öffentliche Telefon zu benutzen?«

Nessie lachte. »Wer weiß. Guck mal, da ist das Pub.«

Das Star and Sixpence lag am Ende einer Wiese, beleuchtet von einer einzelnen altmodischen Straßenlampe, die direkt vor der Tür stand. An einem hölzernen Mast hing ein sanft im Wind schaukelndes Schild, auf dem neben einem leuchtenden Stern ein silbernes Sixpencestück prangte. Die Fenster wirkten wie dunkle Löcher in den weiß gestrichenen Wänden, und darüber hing das Dach, als wäre es den Kampf gegen die Schwerkraft müde.

Sam schauderte. »Sieht nicht sehr einladend aus.«

Nessie hielt auf dem Parkplatz und zog die Handbremse an. »Das wird es schon, wenn wir erst mal Licht angemacht haben. Komm.«

Erst als sie drin waren und den Lichtschalter gefunden hatten, fiel Nessie ein, dass der Strom womöglich gar nicht mehr angeschlossen war. »Oh«, sagte sie und kam sich wie eine Idiotin vor. »Ist wohl abgestellt.«

Sam stellte die Taschenlampe auf ihrem Handy an. »Vielleicht ist nur die Sicherung rausgesprungen. Das ist in meiner Wohnung früher auch öfter passiert. Wo ist der Sicherungskasten, was meinst du?«

Nessie dachte an ihre kurze Besichtigungstour mit dem Anwaltsgehilfen, der ausgesehen hatte, als wäre er gerade erst dreizehn geworden. »Weiß ich nicht. Es gibt einen Keller. Vielleicht ist er da unten?«

Ihre Schwester rümpfte angewidert die Nase. »Na toll. Und wie komme ich zu diesem Keller?«

Die Fenster waren klein und ließen nur wenig Licht von der einzelnen Straßenlaterne hinein. Sams Telefon beleuchtete ihr Gesicht und den Boden, wenn sie es nach unten richtete, aber viel mehr auch nicht. Überall lauerten Schatten und dunkle Flecken.

»Äh … ich glaube hinter der Bar«, sagte Nessie und versuchte, das pulsierende Unbehagen zu ignorieren, das zwischen ihren Schulterblättern hinaufkroch. »Da gibt es eine Tür und eine Treppe. Warte, ich zeig’s dir.«

Aber Sam war schon losgelaufen, der Lichtkegel von ihrem Telefon hüpfte durch die Dunkelheit. »Kein Problem, ich finde es schon.«

»Sei vorsichtig!«, rief Nessie. Soweit sie sich erinnerte, waren die Kellerstufen eng und abgetreten – man konnte leicht hinfallen. Nessie wartete und tastete in ihrer Tasche nach ihrem eigenen Telefon, so einem Prepaid-Handy, das sie gekauft hatte, als sie Patrick verlassen hatte. Es war billig und aus Plastik und hatte definitiv keine Taschenlampe. Man konnte damit noch nicht einmal online gehen. Aber es reichte, um Sam wenn nötig zu kontaktieren. Wen sollte sie auch sonst anrufen? Ihre Freunde hatten sich als seine Freunde entpuppt, aber zumindest war es so leichter, alle Verbindungen zu kappen und neu anzufangen.

Um sie herum breitete sich Stille aus. Die Dunkelheit lastete schwer auf Nessie, ihre Gedanken begannen zu rasen. Ein unbekannter Ort mitten in der Nacht … fingen so nicht die meisten Horrorfilme an? Niemand sonst war hier, aber dennoch – sie konnte ihre Einbildungskraft nicht im Zaum halten. Du bist fünfunddreißig Jahre alt, sagte sie sich, nicht fünf – zu alt, um Angst im Dunkeln zu haben. Es machte absolut keinen Unterschied. Sie war drauf und dran, sich auf die Suche nach Sam zu machen, als ein Lichtstrahl durch das Fenster am Eingang des Pubs fiel. Die Tür ging auf, und eine massige Silhouette füllte den Rahmen beinahe vollkommen aus.

Nessie unterdrückte einen Schrei. »Wer ist da?«, rief sie, während sie zurücktrat und das Zittern in ihrer Stimme verfluchte. Ihr Bein stieß an etwas Hartes, und sie griff danach, um sich zu verteidigen: Wahrscheinlich ein Tisch, dachte sie, nicht gerade etwas, mit dem man werfen kann.

Der Strahl einer Taschenlampe streifte ihr Gesicht, blendete sie kurz, leuchtete dann nach oben und offenbarte das Gesicht eines Mannes mit üppiger schwarzer Lockenmähne. »Hallo«, sagte er. »Sie müssen die neue Besitzerin sein.«

Nessie krallte ihre Finger in den Tisch. Dumme Gans, er ist kein verrückter Psychopath. Trotzdem schlug ihr Herz weiter wie wild in ihrer Brust.

»So ist es«, sagte sie, so ruhig sie konnte. »Ich bin Nessie Blake. Und wer sind Sie?«

»Owen Rhys«, sagte er mit trällerndem Akzent. »Aus der Schmiede nebenan. Freut mich, Sie kennenzulernen.«

Ihre verkrampften Schultern entspannten sich etwas, als sie sich an ihren Besuch von vor ein paar Wochen zurückerinnerte – es gab ein großes Gebäude nebenan, mit einem Garten und einem Cottage etwas abseits, ein Anblick wie auf einer Postkarte. Das war bestimmt die Schmiede.

»Ich wollte Sie eigentlich begrüßen, wir hatten nur angenommen, dass Sie viel früher kommen«, sagte Owen. Nessie war erleichtert, als sie bemerkte, dass er sich nicht von der Tür wegbewegt hatte, sondern auf eine Einladung zu warten schien, bevor er näher kam.

»Wir … wir wurden aufgehalten«, erklärte sie. »Tut mir leid, wenn Sie gewartet haben.«

»Kein Problem«, sagte der Mann leichthin. »Ich wohne in dem Cottage neben der Schmiede. Mein kleiner Sohn Luke hat nach Ihnen Ausschau gehalten, seit es dunkel wurde.«

Nessie nickte, dann wurde ihr klar, dass er diese Bewegung gar nicht sehen konnte. »Schön.«

Stille hing zwischen ihnen. »Also, soll ich reinkommen und das Licht anstellen? Ich glaube, die Sicherung ist rausgesprungen. Die Elektrik ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, es braucht nicht viel, um sie lahmzulegen.«

»Eigentlich …«, fing Nessie an, doch dann wurde sie von einem Triumphschrei unterbrochen. Plötzlich war der Raum von kränklich gelbem Licht erfüllt. »Meine Schwester Sam«, sagte Nessie blinzelnd. »Scheint, als hätte sie den Stromkasten gefunden.«

»Du siehst … Sie sehen aus wie Ihr Vater«, sagte Owen und machte die Taschenlampe aus. »Dieselben Augen. Tut mir leid, übrigens – Ihr Verlust. Er hatte großen Anteil an unserem Dorfleben, also Andrew hatte das.«

Für eine Weile standen sie da und sahen sich an. Nessie spürte, wie die Anspannung nach und nach von ihr abfiel. Für so einen kräftigen Mann war Owen erstaunlich wenig Furcht einflößend, vielleicht weil er auf Abstand blieb. Sie schüttelte sich innerlich, probierte ein Lächeln. »Möchtest du … ich meine … möchten Sie …«

Sie hielten beide inne, und wieder entstand eine kurze, verlegene Stille. »Nach dir«, sagte Owen dann höflich.

Er nickte. »Und ich wollte fragen, ob ihr Hilfe mit irgendetwas braucht, Taschen oder Kartons reintragen?« Sein Blick wanderte zum kalten schwarzen Loch des Kamins. »Ich könnte ein Feuer anmachen, wenn du möchtest? Es wird wunderbar warm hier drin, sobald es brennt.«

Sie sah wieder Owen an. »Ich denke, wir kommen zurecht. Aber danke.«

Herr der Ringe

»Das ist Owen, der Schmied von nebenan«, sagte Nessie.

Owen nickte zum Gruß und trat einen Schritt vor. Er hob den Korb hoch und streckte ihn Nessie hin. »Das ist für euch, nur ein paar Sachen, von denen wir dachten, ihr könntet sie vielleicht brauchen.«

, bemerkte Nessie. Er musste seine Frau meinen. Hatte er nicht auch einen Sohn erwähnt?

Lachfältchen bildeten sich um Owens Augen. »Nein, nur Milch, Kuchen, Brot und so weiter. Ich hätte nicht gedacht, dass ihr Wein braucht, wo das hier doch ein Pub ist.«

Warte nur, bis sie das Flaschenschiff entdeckt, dachte Nessie und sah Sams minimalistisch eingerichtete Wohnung in London vor sich. Sie wird nach einem Container verlangen, um das alles hier rauszuschaffen.

»Wir werden jetzt keine überstürzten Entscheidungen darüber fällen, was bleibt und was wegkommt«, sagte sie schnell und warf ihrer Schwester einen bedeutungsvollen Blick zu. »Vielen Dank jedenfalls für die Sachen. Das ist sehr aufmerksam.«

Er nickte erst Sam und dann Nessie zu, duckte sich unter dem Türrahmen hindurch und verschwand, so schnell wie er gekommen war, wieder in der Nacht. »Also«, sagte Sam und grinste Nessie mit unverhohlener Begeisterung an. »Du verschwendest wirklich keine Zeit.«

»Was?«, sagte Sam mit erhobenen Augenbrauen. »Ihr hättet ja wohl die halbe Überlandleitung mit Strom aufladen können, so wie das geknistert hat, als ich hier reingekommen bin.«

Ihre Schwester legte den Kopf schief. »Dann vielleicht nicht er, aber ich wette, es gibt irgendeinen anderen hier, der dir wieder in den Sattel helfen wird.«

»Schon gut, Ness. Sich scheiden zu lassen, bedeutet nicht, dass das Spiel vorbei ist, weißt du?«

Eins nach dem anderen