Paul Baldauf

Die kleinen Detektive von Brighton

TEIL 1: FRAU BROWN UND IHRE NICHTE

Kapitel 1: Frau Brown und ihre Nichte

Ich war schon ganz aufgeregt. Bald, so kündigte es der Busfahrer an, würden wir Brighton erreichen. Wie schön er es aussprach. Ich kauerte in meinem Sitz und versuchte ihn nachzuahmen:

„Attention passengers, in about ten minutes we’ll be arriving in Brighton.“

Dabei sprach er das «i» wie «ai» aus und zog es vornehm in die Länge. Als ich versuchte, ihn zu imitieren, erwachte mein Bruder neben mir aus dem Halbschlaf. Er stieß mich in die Seite.

«Braiten», äffte er mich nach und lachte gemein. Doch bevor ich es ihm heimzahlen konnte, tauchte Mami auf. Sie suchte ganz konfus nach unserem Gepäck. Dabei hatte der Fahrer doch alles im Laderaum verstaut. Mami lachte über ihr schlechtes Gedächtnis und beruhigte sich wieder.

Nun schauten wir alle, ganz gespannt, aus dem Fenster. Auch meine Mutter war zum ersten Mal in England. Bald schon würde ich Amy sehen.

Ich war über ein Chat-Programm mit ihr in Kontakt gekommen. Nun konnte ich es kaum noch erwarten. Als ich meiner Mutter zum ersten Mal von Amy erzählte, freute sie sich. Sie hoffte, dass sich meine Englisch-Noten durch den Kontakt mit ihr verbessern würden. Vor der Abreise holte Mami noch alte Englisch-Bücher vom Dachboden. Vermutlich lernte sie ein Englisch aus den Fünfzigerjahren. Sie versuchte ständig, sich die Aussprache anzueignen. Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören.

Während sie Kartoffeln schälte, Geschirr abtrocknete, Blumen goss oder Staub wischte, fortwährend sprach sie vor sich hin:

«I’m very pleased to meet you! My name is Ingrid Fischer. This is my daughter Marie and this is my son Michael. Thank you very much for inviting us to stay in your house!»

Dabei tat sie so, als würde sie gerade mit dem Zeigefinger auf ihre Tochter und ihren Sohn zeigen.

Mit dem «th» tat sie sich sehr schwer, sie verrenkte sich fast die Zunge. Als mein Bruder sich beim Mittagessen mit «would you please pass me the water?» an mich wandte, wobei er «water» wie «woooater» aussprach, prustete ich Suppe auf das Tischtuch.

Mami fauchte mich an:

«Marie, your behaviour is terrible! If you behave like this in Brighton, we’ll leave a very bad impression, a very bad impression indeed!“

Mami’s «A werrrri bääd imprreschen indiiied!» hallte noch in mir nach, als der Bus plötzlich am Busbahnhof Brighton anhielt.

Kapitel 2: Ankunft in Brighton

Ich kramte schnell mein Handgepäck zusammen und eilte zum Ausgang. Auf dem Weg stieß ich mit einem Mann zusammen, der wie ein Chinese aussah. Statt sich zu entschuldigen, linste er aus dem Augenwinkel nach mir und verzog das Gesicht.

Im allgemeinen Gedrängel sah ich mich schnell um. Mami und Michael waren hinter mir. Bald schon fanden wir drei uns auf dem Vorplatz wieder. Der Busfahrer war ausgestiegen und zog unsere Koffer heraus. Über Brighton war schon Dunkelheit hereingebrochen. Die anderen Leute verliefen sich langsam. Ich blickte mich etwas ratlos um:

Wo war Amy? Sie wollte doch mit ihrer Mutter zum Busbahnhof kommen und uns abholen. Mein Bruder schaute vor sich hin, zuckte nur mit den Achseln und tat so, als ginge ihn dies alles gar nichts an. Mami zählte immer wieder die Gepäckstücke durch. Langsam fröstelte ich. Da spürte ich plötzlich, wie mir jemand von hinten auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um, und wen erblickte ich? Amy, und – dicht hinter ihr – ihre Mutter. Mir blieb vor Aufregung erst einmal die Sprache weg.

Meine Mami preschte nach vorn und streckte forsch ihre Hand aus:

„I’m very pleased to meet you! My name is Ingrid Fischer. This is my daughter Marie and this is my son Michael. Thank you very much for inviting us to stay in your house!“

Dann zeigte sie nacheinander auf ihre Kinder. Ich verdrehte die Augen und fiel Amy um den Hals. Michael zog endlich die Hände aus den Hosentaschen:

„Very pleased to meet you.“

Nun drückten wir ringsum Hände und umarmten uns und danach stiegen wir endlich ins Auto und legten die letzte Strecke zurück.

Kapitel 3: Ankunft im Fayfield House

Oh, Mami, schau mal!“

Ich deutete nach rechts. Obwohl es schon dunkel war, konnte man den berühmten «Brighton Pier» entdecken. Ich kannte ihn schon von Postkarten. Aber nun sah er noch viel schöner aus. Fasziniert schüttelte ich meine Mutter, bis sie endlich ihren Blickwinkel richtig einstellte. Der Anblick war atemberaubend. Die Uferpromenade lag vor uns, überall erglänzten Lichter. Der «Brighton Pier» ragte bis ins Meer hinein. Mir schien, als hörte ich das Rauschen der Wellen. Ich atmete tief ein: Meeresluft…

Doch Mami hatte keinen Sinn für Romantik. Sie flüsterte mir resolut zu: „Jetzt musst Du Englisch reden. Wir sind nicht mehr in Deutschland.“

Amys Mutter schien verstanden zu haben. Sie machte eine beruhigende Geste.

„Keine Sorge. Ein Schritt nach dem anderen. In einigen Wochen wird sie wie eine junge Engländerin sprechen!“

Daraufhin schmunzelte sie und meine Mutter lachte heiter. Doch mir war ihr Kommentar eher peinlich. Mein Bruder zog mich gleich auf, bis Mami ihm über den Mund fuhr.

„Hier sind wir schon!“, setzte Amys Mutter nach und deutete zu einem Haus. Hoch über der Eingangstür war auf einem großen Schild «Fayfield House» zu lesen. Amys Eltern betrieben eine Pension, die in einem Verzeichnis unter «Bed and Breakfast» zu finden war. Sie wohnten, in separaten Räumen, im selben Haus. Vielleicht mit Gästen aus aller Welt! Das konnte ja aufregend werden…

Als wir eintraten, kam uns Amys Vater entgegen und begrüßte uns herzlich. Als erstes nahm er uns die schweren Koffer ab. Dann stellte er sich vor:

„Herzlich willkommen! Ich bin Peter.“

Peter? Das war wahrlich nicht schwer zu merken. Aber warum nannte er seinen Vornamen? Mami stellte sich meinen Freunden nie mit Vornamen vor.

„Hm, wie gut das riecht!“, flüsterte ich meinem Bruder zu. Ich entdeckte gleich, nah beim Treppenaufgang, ein Körbchen. Darin lagen lauter Blütenblätter und andere aromatisch duftende Dinge. Der Duft verlieh dem ganzen Eingangsbereich eine besondere Atmosphäre.

„Es riecht gut, nicht wahr?“, fragte mich Amys Mutter. Die hatte Ohren wie ein Luchs, da musste man aufpassen.

„Folge mir bitte, Marie.“

Peter ging voran und wuchtete unsere Gepäckstücke hoch. Man sah, wie er sich abplagte. Einmal wäre er fast nach rückwärts gekippt. Der Fahrstuhl war vorübergehend außer Betrieb. Peter tat mir richtig leid. Mami hatte bestimmt wieder viel zu viel eingepackt. Während ich mit meinem Bruder hinterher trottete, hörte ich, wie Mami mit Amy und ihrer Mutter sprach. Diese hatte sich inzwischen als «Margaret» vorgestellt.

„So, Ingrid, erzähl mal, warst du früher schon einmal in England?“

Mami brachte mit Müh und Not einen Satz zusammen. Doch Margaret beruhigte sie gleich: „Lass dir Zeit. Wir werden langsam sprechen, keine Sorge. Und dein Englisch ist gar nicht schlecht! Hundertmal besser als unser Deutsch!“

Nun hörte man herzhaftes Lachen. Amy riss sich los, sprang die Treppen hinauf und begleitete uns auf die Zimmer.

Ich war erstaunt, wie groß die Pension war.

„Fayfield House ist ein sehr altes Haus“, begann Amy.

Ich betrachtete ihre hellblonden Haare und ihren hübschen kleinen Zopf, den ein purpurrotes Band zusammenhielt. Auch ihre Haut war hell. Sie schaute mich aus ihren grau-blauen Augen treuherzig an. Ich konnte nicht mehr an mich halten:

„Oh, Amy, ich freue mich so, dass wir uns endlich sehen!“

Amy lächelte und sagte:

„Und ich freue mich, dass du hier bist, Marie. Deine Mutter und dein Bruder sind auch sehr nett. Ich bin mir sicher, dass es euch hier gefallen wird.“

Da kam mein Bruder aus dem Bad und stieß zu uns.

„Hi, Michael“, sagte Amy und sah ihn freundlich an. Als alles verstaut und auch Mami in ihrem Zimmer eingerichtet war, stiegen wir wieder die Treppen hinab. Margaret erwartete uns schon am Treppenaufgang.

„Kommt, lasst uns in die Küche gehen.“

Peter hatte, während wir noch unterwegs waren, ein üppiges Abendessen zubereitet. Nun fachsimpelte er mit Michael über deutschen und englischen Fußball: „Oh, ja, dieser «Haaland» ist ein großartiger Spieler. Ich sehe manchmal Bundesligaspiele im TV.“

Mein Bruder revanchierte sich mit einem Kommentar über den Kapitän des FC Liverpool, Jordan Henderson. Amy unterhielt sich unterdessen mit Mami. Es war reizend zu sehen, wie sie sich Mühe gab, langsam und deutlich zu sprechen.

„Im Sommer“, begann meine Mutter, „müsst ihr alle zu uns nach Speyer kommen!“

Amy blickte fragend zu Margaret, bis beide zustimmten.

„Vielen Dank für die Einladung. Das klingt verheißungsvoll. Wenn es möglich ist, besuchen wir euch gerne. Aber ich fürchte, wir können nicht alle kommen. Ihr wisst ja, unser Gästehaus…“

Amy eilte nun davon und kam mit einem Atlas zurück. Als wir mit dem Essen fertig waren, blätterte sie und schlug eine Deutschlandkarte auf.

„Speyer“, begann sie, und ich bemerkte, dass es nicht leicht für sie war, den Namen unserer Stadt auszusprechen.

„Wo liegt eure Stadt? Ich kann sie nicht finden.“

„Hier, am Rhein.“

Amy entfuhr ein staunendes „Oh, I see“, bis Mami anfing zu gähnen. Sie versuchte noch, es zu unterdrücken. Vergeblich.

„Ihr seid bestimmt sehr müde“, schloss Margaret scharfsinnig.

„Lassen wir es für heute genug sein, gehen wir schlafen.“

Margaret begleitete dies mit entsprechender Gestik. Wir wollten Margaret noch helfen, den Tisch abzuräumen. Aber sie duldete keinen Widerspruch:

„Das kommt gar nicht in Frage! Ihr seid unsere Gäste, und diese haben in England keine Arbeitserlaubnis.“

Margaret, Amy und Peter lachten wohlwollend und nach und nach zogen sich alle zur Nachtruhe zurück.

Kapitel 4: Der Chinese von gestern!

Als ich am nächsten Morgen den Frühstücksraum betrat, staunte ich. Wer saß da in der Ecke? Der Chinese von gestern! Er sah mich aus grau-blauen Augen an. Irgendwie wirkte sein Blick kalt auf mich. Dann machte er sich über «eggs and beans, toast and tomatoes» her.

„Ich hoffe, es macht euch nichts aus, wenn ihr im selben Raum frühstückt wie die Gäste unserer Pension?“, fragte uns Margaret. Inzwischen waren auch mein Bruder und Mami eingetroffen.

„Die Küche ist etwas klein, deshalb dachte ich“

„Keine Sorge!“, versicherte ihr Mami, „es ist ein sehr“ – sie suchte nach dem englischen Wort – „ein schöner Raum, um zu frühstücken.“

„Möchtet ihr Tee oder Kaffee? Mit Milch und Zucker?“

„Bitte Kaffee für uns alle“, entgegnete Mami. Ich war erstaunt, wie flüssig sie auf einmal sprach.

„Und Milch bitte.“

„Für mich bitte mit Zucker“, wagte ich mich hervor. Ich erntete prompt einen kritischen Blick von Mami.

„Zucker für die junge Dame“, kommentierte Margaret. Sie brachte eine Dose und stellte sie vor mich hin:

„Hier, meine Liebe.“

Das Frühstück war unglaublich reichhaltig. Michael schmeckte es so gut, dass er fast gar nichts sagte. Man hörte nur immer wieder “mh“, bis Peter kam und Nachschub bringen wollte.

„Es schmeckt lecker“, beteuerte Michael. Er bekam gleich noch einen Teller mit warmen Bohnen und Toast mit Ei.

„Noch etwas Käse, Marie?“

„Oh, nein danke, ich bin schon satt“, versicherte ich und deutete auf meinen Bauch.

„Amy kommt gleich“, warf Margaret ein, als ein Herr den Raum betrat. Wo hatte ich den schon einmal gesehen? Doch bevor ich ihn noch näher in Augenschein nehmen konnte, trat Amy herein. Sie eilte an unseren Tisch und begrüßte uns:

„Ich hoffe, ihr hattet eine gute Nacht. Habt ihr gut geschlafen?“

„Ja“, gab mein Bruder zurück, „und das Frühstück ist fantastisch!“

Er verschlang eine weitere Portion Bohnen und alle lachten. Da sagte Peter:

„Michael, möchtest du nachher mitkommen? Ein Freund von mir hat eine Sammlung von Autogrammen berühmter Fußballer und andere Fanartikel. Wir könnten bei ihm vorbeischauen. Er wohnt in der Nähe.“

Michael strahlte über das ganze Gesicht. und Mami murmelte mir zu: „pay him a visit?“ Margaret erklärte:

„Es bedeutet, dass sie ihn besuchen werden.“

„Oh, I see“, beteuerte Mami. In diesem Moment verließ der Chinese den Raum.

„Es scheint, dass er geschäftlich hier ist. Er sieht nicht so aus, als würde er hier einen Englischkurs besuchen“, erklärte Margaret, die ihm nachblickte. Amy wandte sich nun an mich:

„Möchtest du mit mir zum Pier gehen?“

Ich sprang vor Freude auf. Margaret schlug Mami vor, einen Bummel durch die Stadt zu machen. Wer, so fragte ich mich, hütete in der Zwischenzeit das Haus?

Kapitel 5: Erster Streifzug durch Brighton

Amy nahm mich an der Hand, als wir die Straße überquerten.

„Dies ist der berühmte «Palace Pier». Er wurde 1899 erbaut.“

In der Ferne sah ich, wie Möwen über das Meer flogen. Manchmal schien es, als stünden sie in der Luft.

„Es ist ein typisch spätviktorianischer Pier. Da, unter den Arkaden, kann man Speisen und Getränke kaufen und es gibt Unterhaltungsangebote.“

„Spätviktorianisch?“, fragte ich, als wir uns näherten.

„Das bezieht sich auf Königin Viktoria. Als der Pier erbaut wurde, war sie Königin von England.“

„Oh, natürlich“, gab ich zurück. Dabei wusste ich gar nicht, wer damals Königin war.

„Die Häuser sind sehr schön“, sagte ich und zeigte auf Gebäude in Nähe der Promenade. Nun gingen wir immer weiter den Pier entlang.

„Möchtest du Popcorn essen?“

Bevor ich noch etwas sagen konnte, kaufte Amy mir schon eine Portion.

„Teilen wir sie uns“, schlug ich vor und reichte Amy die Tüte. Wir gingen an Verkaufsbuden vorbei, hörten Musik und schauten auf die Bänke.

„Wie du siehst, lassen die Leute es sich hier gut gehen.“

In der Tat sah man, wie sie ganz entspannt auf den Bänken saßen. Manche dösten vor sich hin. Andere, die Beine in eine Decke gehüllt, lasen in einem Buch.

„Der Seewind ist so angenehm“, sagte ich. Das Klima genießend, schloss ich für einen Moment die Augen. Als ich sie aufmachte, sah ich gerade noch, wie der Chinese an uns vorüberging.

Kapitel 6: Ein merkwürdiger Herr taucht auf

Als wir beim Mittagsessen saßen, war von dem Chinesen keine Spur zu sehen. Der merkwürdige Herr von gestern lugte kurz herein und verschwand wieder. Amy hatte sich spaßeshalber eine Art Kellnerinnen-Schürze umgebunden. Sie ließ es sich nicht nehmen, für uns das Essen aufzutragen.

„Excuse me, Amy“, fragte ich. Sie kam näher heran. Ich tuschelte ihr ins Ohr:

„Who is the man that came in before, if you don’t mind me asking?“

„No problem“, sagte Amy. Dann sah sie einen Augenblick lang ernster aus.

„I’ll explain later.“

Sie verschwand in der Küche. Inzwischen war Peter von der Rezeption gekommen.

„I hope you enjoyed our visit this morning“? fragte er, an Michael gewandt.

Mein Bruder sprudelte nur so heraus:

„It was amazing. Thank you very much. I’m proud to have so many autographs.“

Peter strahlte.

„You’re welcome!“ Im Hintergrund hörte man das Telefon läuten. Peter ging rasch zur Rezeption.

„You’re welcome?“, fragte mich Mami, „er hat uns doch schon willkommen geheißen.“

Sie setzte eine ratlose Miene auf.

„Ich glaube, das heißt: Gern geschehen“, antwortete ich. Doch war ich mir auch nicht ganz sicher…

Die Bohnen mit Ei und Kartoffeln, der Salat und der Pudding schmeckten lecker. Nur wunderte ich mich, dass es schon wieder Ei und Bohnen gab…Aber ich ließ mir nichts anmerken. Peter kam im Laufschritt zurück.

„Heute Abend bekommen wir einen neuen Gast“, informierte er uns.

„Aus Indien!“

Nun kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Von so weit! Das Fayfield House musste ganz schön bekannt sein.

Kapitel 7: Frau Brown und ihre Nichte

Wir aßen gerade den Pudding, da traf eine Frau Brown ein. Sie war Engländerin. So viel hatte ich schon mitbekommen. Frau Brown war mit ihrer Nichte Evelyn angereist.

„Sie kommen jedes Jahr hierher“, verriet mir Amy, als wir sie an der Rezeption sahen.

„Sie bleiben immer einen ganzen Monat.“

Einen Monat! Frau Brown musste eine vermögende Frau sein. Mir war gleich der Schmuck aufgefallen, den sie um den Hals und an den Fingern trug. Ihre gertenschlanke Nichte sah neben ihr blass aus. Nun kam Margaret kurz hinzu. Sie hatte in der Küche alle Hände voll zu tun. Sie wandte sich an meine Mami und sprach ziemlich schnell Englisch.

„Hast du deinen Kindern schon von unserem Einkaufsbummel und Spaziergang durch die Stadt erzählt?“

Mami schluckte und überlegte schnell, was sie sagen sollte.

„Brighton ist so eine schöne Stadt. Mir scheint, sie ist deutlich größer als unser Speyer!“

Margaret legte ein Küchenhandtuch über den Stuhl und fragte nach.

„Wirklich? Wie viele Einwohner hat Speyer denn?“

Dabei sah sie uns alle an. Michael war der Schnellste:

„Ungefähr 50.000.“

„Also heißt «inhabitants» Einwohner?“, fragte Mami meinen Bruder.

Margaret kam uns wieder zuvor:

„Inhabitants, erklärte sie, sind die Leute, die in einem bestimmten Ort leben. Dies kann ein Dorf, eine Stadt oder eine ganze Nation sein.”

„Ahaaa!“ gab meine Mutter zurück.