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Daniel C. Mattson

WARUM ICH MICH NICHT ALS SCHWUL BEZEICHNE

Wie ich meine sexuelle Identität entdeckte und Frieden fand

Vorwort zur deutschen Ausgabe von
Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Vorwort zur englischen Ausgabe von
Robert Kardinal Sarah

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Bibliografische Information: Deutsche Nationalbibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Die Bibelzitate stammen aus der revidierten Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift

© Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart 2016.

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

WHY I DON’T CALL MYSELF GAY

How I Reclaimed My Sexual Reality and Found Peace

Cover by John Herreid

© 2017 by Ignatius Press, San Francisco

WARUM ICH MICH NICHT ALS SCHWUL BEZEICHNE

Wie ich meine sexuelle Identität entdeckte und Frieden fand

Daniel C. Mattson

Übersetzung: Dr. Willibrord Driever OSB

© Media Maria Verlag, Illertissen 2020

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-9479311-7-0
eISBN 978-3-9479317-9-8

www.media-maria.de

Für meine Paten Robert und Susan Cavera,
deren Gebete mir halfen zurückzukehren
.

»Es ist unbestritten, dass wir unserer Umgebung Achtung schulden. Zu bestimmten Zeiten sind wir verpflichtet, die Dinge gegenüber den Menschen, mit denen wir unser Leben teilen, beim Namen zu nennen und unsere Meinung darüber offen zu sagen.«

Thomas Merton, »Keiner ist eine Insel«

»In geschlechtlichen Dingen kommen die Menschen unausbalanciert zur Welt, fast könnte man sagen, die Menschen wären von Geburt an verrückt. Und sie gelangen kaum eher zur Gesundung, als sie zur Heiligkeit gelangen.«

G. K. Chesterton, »Der unsterbliche Mensch«

Jesus Christus hat gesagt: »Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«

Kongregation für die Glaubenslehre,
Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche
über die Seelsorge für homosexuelle Personen,
1. Oktober 1986

Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe von Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Vorwort zur englischen Ausgabe von Robert Kardinal Sarah

Vorwort des Autors

Danksagung

Einführung von Pater Paul N. Check

Teil 1
Die Heimkehr des verlorenen Sohnes

Am Anfang

Christopher Street

Die Schule »Unbeflecktes Herz Mariens«

Die Scheune

Die Schule »John Barnes«

Der verwünschte Sportunterricht

Rock Hudson, Rambo und Aids

Pornografie: ein verdorbenes Liebesverhältnis

Es liegt an mir, oder nicht?

Die Stadt Flint in Michigan

Kelly

Der Ring

Unerwiderte Liebe

Verletzungen aus der Vergangenheit

Das »Courage«-Apostolat

Die Heimkehr des verlorenen Sohnes

Teil 2
Rückbesinnung auf die Realität

Rückbesinnung auf die sexuelle Realität

Rückbesinnung auf die Würde des Wortes

Warum ich mich nicht als schwul bezeichne

Die leeren Versprechungen des Coming-out

Teil 3
Wie man den Kampf besteht: das tägliche Ringen um Keuschheit

Jesus ist unsere Heiligkeit

Der Heiligen Weisheit und Beispiel

Wie man den Kampf besteht

Teil 4
Eine Auswahl: Reflexionen über den Katechismus, die Freundschaft und die Einsamkeit

Was bedeutet eigentlich »objektiv ungeordnet«?

Selbstlose Freundschaft

Versuchungen in der Freundschaft

Das Geschenk der Einsamkeit

Teil 5
Die wichtigsten Dinge

Demut und Großmut

Erinnerung an unser Geliebtsein

Schluss

Anmerkungen

Vorwort zur deutschen Ausgabe von Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Zu Beginn möchte ich den Autor des Buches Warum ich mich nicht als schwul bezeichne (Why I Don’t Call Myself Gay) für seinen außerordentlichen Mut beglückwünschen. Denn es gehört Courage dazu, gegen die »pansexistische Internationale« die katholische Lehre vom Ursprung der Geschlechterdifferenz im Schöpferwillen Gottes zu vertreten. Wir werden sehen, dass Daniel Mattson einer radikal antichristlichen Anthropologie, die den Menschen auf sexuelle Lust reduziert, nicht nur widerspricht, sondern kenntnisreich und argumentativ deren Schwächen und verheerende Folgen aufzuzeigen vermag.

Ich möchte dem Autor aber auch danken für die Hilfe, die er Personen mit einer same-sex attraction leistet. In der gesetzlichen Anerkennung der sexuellen Beziehung von Personen des gleichen Geschlechtes als Ehe sieht er nicht das Gelingen der Revolution der Homosexual Liberation – einem Kultbuch von John Murphy (1971) –, sondern gerade das Scheitern der wahren Befreiung dieser Personen. Denn ihnen wird die Wahrheit über sich selbst vorenthalten, die allein frei macht. Die katholische Lehre mit ihrer klaren Unterscheidung der unverletzlichen Personwürde des Menschen und des richtigen oder falschen Verhaltens (behaviour) ist die wahre Anwältin des Menschen – sowohl in seinem Versagen als auch in seinem Bemühen um das Gute.

Das Buch beginnt biografisch und es behält die Perspektive persönlicher Betroffenheit bei auch in den folgenden Teilen, die den Leser in eine tiefe theologische und philosophische Reflexion hineinführen. Darin gibt es Parallelen zu den Bekenntnissen des hl. Augustinus, auf den er – bei einer erstaunlichen Kenntnis der Kirchenväter, des hl. Thomas von Aquin und anderer moraltheologischer und geistlicher Schriftsteller, ausdrücklich Bezug nimmt. Aber es hat nichts mit Selbstrechtfertigung zu tun oder einer Anklage anderer Menschen, der Gesellschaft oder gar der katholischen Kirche, die haftbar gemacht werden für die eigene Veranlagung und Situation.

Der Autor wahrt bei aller Offenheit doch die Diskretion und die Grenzen der Schamhaftigkeit, die – bei ähnlichen Büchern des Coming-out – die Leser leicht in die Rolle eines Voyeurs drängen. Zur Würde des Menschen, der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen ist, gehört auch nach dem Sündenfall die Wahrung des Respektes vor dem anderen, der nicht zum Objekt der eigenen ungeordneten Sinnlichkeit und Leidenschaft erniedrigt werden darf. Das erotische Anschauen der Nacktheit ist der Intimität der ehelichen Liebe vorbehalten (vgl. Gen 1,27 f.).

Die Desintegration von Sexus und Eros wird durch die Erlösung überwunden. Besonders in der sakramentalen Ehe ist die innere Zuordnung von Sexus und Eros auf ihre Integration in der Agape geöffnet. Agape ist die Form von Liebe, die sich im Verschenken verwirklicht und darin auch ihren Ursprung in Gott offenbart, der die Liebe in seinem dreifaltigen Leben ist.

Dass Menschen sexuell von Personen desselben Geschlechtes angezogen werden, ist keine persönliche Sünde. Erst die freie Einwilligung in ein Verhalten, das dem heiligen und Heil bringenden Willen Gottes widerspricht, führt zur Schuld. Da das Vorhandensein einer Desorientierung der seelischen und körperlichen Antriebe keine Schuld ist, die wir vor Gott und den Menschen auf uns laden, darf sie auch nicht zu Schuldkomplexen führen. Mithilfe der Gnade und gutem Willen vermag der Mensch, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Mit der Gnade Gottes ist die Keuschheit, d. h. die auf die Liebe hin geordnete Geschlechtlichkeit möglich sowohl in der Ehe als auch in Form der Enthaltsamkeit nicht verheirateter oder gottgeweihter Personen. Aber aufgrund der Erbsünde gibt es in allen Menschen eine ungeordnete Begehrlichkeit. Sie ist eine von der Vernunft schwer zu beherrschende Triebhaftigkeit, die sich der natürlichen Neigung zur hingebenden Liebe widersetzt. Diese Konkupiszenz bezieht sich nicht nur auf die sexuellen Triebe, sondern auf alle geistigen, seelischen und leiblichen Neigungen und Antriebe.

Wo der Mensch den ungeordneten Neigungen nachgibt und sich in ihnen verfängt, kann es auch zu einem Hass kommen auf Gott und auf seine Gebote, die uns der Sünde überführen. Erst durch die Erlösungsgnade werden wir neu geschaffen, wenn auch die Neigung zur Sünde im Getauften noch bleibt. Sie ist Neigung zur Sünde, aber nicht selbst Sünde, wie das Konzil von Trient erklärt. Sie dient nun als Medium der Prüfung und der tieferen Reifung im Glaubensgehorsam gegenüber Gott.

Durch die Erbsünde ist die menschliche Natur verletzt, aber nicht zerstört. Der Mensch ist aufgerufen, mit der Gnade der Rechtfertigung und der Erhöhung zur Gotteskindschaft und Gottesfreundschaft mitzuwirken. Mit dem Heiligen Geist können wir das Begehren des Fleisches, d. h. der desintegrierten geist-leiblichen und sozialen Natur und der Persönlichkeitsstruktur, besiegen. »Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit; gegen all das ist das Gesetz nicht. Die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt« (Gal 5,22–24).

Die Identität des Menschen ergibt sich aus seiner personalen Beziehung zu Gott, welcher der Garant unser Würde und Freiheit ist. Wir erkennen, dass Gott Ursprung und Ziel des Menschen ist. Der Sinn des Lebens kann nicht im sinnlichen Genuss, im Ausleben der Triebe, in der Befriedigung sexueller Lust bestehen, sondern nur im Suchen und Finden der Wahrheit und im Tun des Guten.

Deshalb wehrt sich der Autor zu Recht dagegen, wegen der sexuellen Anziehung durch Personen des eigenen Geschlechtes für eine Ideologie vereinnahmt zu werden, die aus dieser ungeordneten Neigung neben Mann und Frau eine dritte Kategorie von Menschen erfindet, nämlich den Gay. In der Gender-Ideologie erweitert man diese Kategorien ins Unendliche, indem man aus jeder Form von sexueller Vorliebe eine eigene geschlechtliche Identität konstruiert. Sich also als Gay zu identifizieren oder sich als solcher identifizieren zu lassen heißt, den ganzen Reichtum des Menschseins, die Entfaltung aller geistigen und künstlerischen Gaben, die Verantwortung für die Welt und die Transzendenzoffenheit mit der Berufung zum ewigen Leben nur auf eine sexuelle Attraktion durch Menschen des eigenen Geschlechtes zu reduzieren.

Diesem Menschenbild, das sich einer sozialen Konstruktion verdankt, steht die christliche Anthropologie entgegen, die sich an der geschaffenen Natur des Menschen und an der Offenbarung der Wahrheit und der Liebe Gottes orientiert. Indem man Begriffe wie Gay aus einer Kopfgeburt hervorgehen lässt, macht man die Normalität einer ehelichen Beziehung von Mann und Frau zu einer Variante der menschlichen Natur. Statt der Unterscheidung von Mann und Frau gibt es auf einmal zwei andere grundlegende Menschentypen: nämlich den homosexuellen und den heterosexuellen Menschen. Mit der Veränderung der Sprache, ihrer Begriffe und gedanklichen Kategorien verändert man die Wahrnehmung der Wirklichkeit, ohne sie in der Realität verändern zu können. Ein Mann bleibt ein Mann und eine Frau bleibt eine Frau – trotz der künstlichen, aber nicht realen »Geschlechtsumwandlung«. So wurde auch der Kampfbegriff der Homophobie erfunden, um jede Alternative zur Ideologie der Homo- und Gender-Bewegungen a priori zu diskreditieren. Menschen mit Problemen der sexuellen Desorientierung, die sich dieser Bewegung nicht anschließen, werden folgerichtig als Verräter geächtet.

Das ist das Wesen der Ideologie, dass sie eine falsche Wirklichkeit konstruiert und den Menschen zu ihrem Sklaven macht. Man muss nur an die brutale Rücksichtslosigkeit denken, mit der scheinbar liberale und sozialistische Regierungen westlicher Staaten diese Agenda durchpeitschen und die Gewissen der Andersdenkenden terrorisieren.

Es geht bei der globalen Auseinandersetzung nicht – wie beschwichtigend gesagt wird – nur um die Rechte von bisher verfolgten Minderheiten, sondern um den ursprünglichen Sinn und das letzte Ziel des menschlichen Daseins.

Was ist überhaupt die menschliche Natur? Was ist Sinn und Ziel der Ehe von Mann und Frau als Keimzelle der Kirche und der Gesellschaft und als Quelle ihres Glücks und Weg zur Vollkommenheit in Gott? Welche Berufung drückt sich aus in der Erkenntnis des Menschen als Person, wenn der Mensch die einzige Kreatur ist, die von Gott um ihrer selbst willen geschaffen ist, »die sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden kann« (GS 24)1 und die einzigartige Würde jedes einzelnen Menschen sowohl durch die Offenbarung wie auch durch die Vernunft erkannt wird? (DH 2)2. Kann der Mensch, obwohl er ein irdisches und weltliches Lebewesen ist, aufgrund der unendlichen Offenheit seines Geistes überhaupt im Irdischen und Vergänglichen seine Vollendung finden? Hat er deswegen nicht eine göttliche Berufung, die durch die Selbsttranszendenz seines Geistes in Vernunft und Freiheit in Gott ihre Erfüllung findet?

Das sind die Fragen, die uns auch heute wie zu jeder Zeit bewegen. Die Reduktion auf ein animalisches Wesen, die den Menschen um Gott betrügt und die Gesellschaft spaltet in Lügner und Belogene, bedeutet keinen Fortschritt in der Perfektion des Menschen, sondern erweist sich als ein enormes Defizit in der Anthropologie. Sie lässt den Menschen in Sinnlosigkeit und Verzweiflung zurück. Ihr geheimes Paradigma ist der Nihilismus.

Die Ruinen, die die Reduktion des Menschen auf ein Triebwesen zurücklässt, sind erschütternd: Abtreibung, verbrauchende Embryonenforschung, die unzähligen Menschen, die in ihrer ehelichen Treue verraten wurden, und die, die ihr Versprechen gebrochen haben, die vielen Kinder und Jugendlichen, die um die Geborgenheit ihres Zusammenlebens mit ihrem eigenen Vater und ihrer eigenen Mutter betrogen wurden, die verlogene Umdefinition der Ehe zur einer Sexkomplizenschaft, wenn sie ihrer fundamentalen Einheit von Mann und Frau in der fruchtbaren Liebe beraubt wird.

Die sogenannte sexuelle Revolution hat nicht – wie sie sich selbst beschönigend darstellt – die Menschen von einer rigorosen und prüden bürgerlichen Doppelmoral befreit. Sie ist vielmehr verantwortlich für die Desintegration von Sexus, Eros und Agape, die in der substanzialen Einheit von Seele und Leib grundgelegt sind.

Der Autor kann überzeugend erklären, warum ein Leben nach den Geboten Gottes, wie sie in der Lehre der Kirche erklärt werden, den Menschen nicht krank macht, sondern von innen heraus heilt und ihm Hoffnung und Sinn gibt, die über die Grenzen des nur Menschlichen hinausweisen. Die Gebote Gottes sind vom Menschen nicht im bloß formalen Gehorsam zu erfüllen, weil sie keine von außen auferlegten Normen sind. Sie sind vielmehr Ausdruck des Willens Gottes, der uns liebt und uns gerade darum von unserer Selbstbezogenheit heilen will. Nur in der Liebe zu Gott und zum Nächsten, den wir lieben sollen wie uns selbst, können alle Gebote Heil bringend erfüllt werden. »Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube« (1 Joh 5,3–4).

In dem Personalausweis, den dein Schöpfer dir ausstellt, wird deine Identität nicht als Gay oder Ähnliches ausgegeben. Dort steht, wer du wirklich bist: Sohn und Freund Gottes.

Dies mit seiner Lebensgeschichte und einer tiefen philosophisch-theologischen Reflexion aufgezeigt zu haben, ist das Verdienst des Buches von Daniel C. Mattson und seiner Erklärung, warum er es sich verbittet, als Homosexueller bezeichnet zu werden.

Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Vorwort zur englischen Ausgabe von Robert Kardinal Sarah

Geheiligt in der Wahrheit

Im Oktober 2015, zwei Tage bevor die Familiensynode begann, nahm ich an einer internationalen Konferenz an der St.-Thomas-Universität in Rom teil, die von Courage International, von Ignatius Press und vom Napa-Institut ausgerichtet wurde. Die Konferenz trug den Titel »Die Wahrheit in Liebe leben« und befasste sich mit der Pastoral für Männer und Frauen, die mit gleichgeschlechtlichen Neigungen leben. Ich habe einen Vortrag gehalten und danach Vorlesungen über christliche Anthropologie und die kirchlichen Normen für die Seelsorge gehört.

Dann hörte ich bei einer Podiumsdiskussion Zeugnisse, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte, von drei Männern und einer Frau mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Diese Zeugnisse berührten mich tief. Alle berichteten, wie sie zuvor ein homosexuelles Leben gelebt hatten, aber dann eine Umkehr des Herzens erlebt haben. Ihre Geschichten waren nicht sentimentaler Natur. Sie haben ihre Kämpfe nicht mit oberflächlicher oder unaufrichtiger Zurschaustellung von Frömmigkeit verbrämt. Im Gegenteil, sie haben ihre Herzen mit sichtlicher Demut und Tapferkeit auf ernsthafte und überzeugende Art vor der Zuhörerschaft geöffnet.

Ich habe erfahren, wie diese vier Personen gelitten haben, manchmal aufgrund von Begleitumständen, die sich ihrer Kontrolle entzogen hatten, manchmal aber auch aufgrund eigener Entscheidungen. Ich nahm die Einsamkeit, den Schmerz und die Traurigkeit wahr, die sie ertragen mussten, weil sie ein Leben geführt hatten, das ihrer wahren Identität als Gotteskinder entgegenstand.

Mit der Zeit wurde ihr Leid jedoch zum Anlass, die Gnade, den Herrn und die Schönheit der Lehre der Kirche kennenzulernen. Nur bei einem Lebensstil im Einklang mit der Lehre Christi war es ihnen möglich, den Frieden und die Freude zu erfahren, nach der sie immer gesucht hatten. Sie begegnen auch immer noch dem Kreuz. Ihr Leben ist weder einfach noch frei von Traurigkeit. Aber jetzt erleben sie mithilfe der Kirche die Wahrheit des Evangeliums und den Frieden, der daraus hervorgeht – in den Sakramenten und im Gebet, in reiner christlicher Freundschaft und in der Hoffnung auf den gekreuzigten und auferstandenen Erlöser.

Oft werden wir von Bischöfen und Priestern darauf hingewiesen, dass der Katechismus festschreibt, dass Männer und Frauen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen mit »Achtung, Mitleid und Takt« behandelt werden müssen; »für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar« (KKK, 2358). Für mich haben diese vier Sprecher dem Thema der Homosexualität ein Gesicht gegeben, sodass ich noch besser die Weisheit der Kirche bezeugen kann, wenn ich diese wertvollen Worte des Katechismus zu Gehör bringe.

Schon in ihrer mütterlichen Liebe und Weisheit weist die Kirche im Katechismus auf einige weitere, die Homosexualität betreffende Aspekte hin, welche einige Mitglieder des Klerus nicht gelten lassen wollen, eingeschlossen die klare Warnung: »Sie [die homosexuellen Handlungen] sind in keinem Fall zu billigen« (KKK, 2357). Achtung, Mitleid und Takt, wozu der Katechismus zu Recht aufruft, erlauben uns nicht, Männer und Frauen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen der Fülle des Evangeliums zu berauben. Die »harten Worte« Christi und seiner Kirche wegzulassen, ist keine Nächstenliebe. Im Gegenteil, es ist ein schlechter Dienst, den wir dem Herrn und jenen erweisen, die als sein Ebenbild und ihm gleich geschaffen und durch sein kostbares Blut erlöst sind. Wir können nicht mitfühlender oder erbarmungsvoller sein als Jesus der Frau gegenüber, die beim Ehebruch ertappt worden war; Jesus sagte ihr zwei gleichbedeutend wichtige Dinge: »Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!« (Joh 8,11).

Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen »sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen« (KKK, 2358). Sie »sind zur Keuschheit gerufen«, und wir werten sie ab, wenn wir denken, sie könnten diese Tugend nicht erreichen, eine Tugend, die für alle Jünger gilt. Wie alle Mitglieder der Kirche »können und sollen sie sich Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern«, wozu alle Getauften berufen sind (KKK, 2359). Diese Worte des Katechismus gelten für alle gleichermaßen, weil sie wahrhaft seelsorgerliche Nächstenliebe ausdrücken. Sie laden uns ein, als Glieder des Leibes Christi unseren Brüdern und Schwestern mit gleichgeschlechtlichen Neigungen beizustehen, die auf dem Weg sind, die christliche Vollkommenheit zu erreichen, zu der der Herr alle seine Kinder aufruft. Jesus verlangt nichts Unmögliches von uns oder etwas, für das er uns nicht seine Gnade geben würde. Die Kirche ist die Quelle dieser Gnade.

Die Kirche sieht sich heutzutage vielen Herausforderungen und Gefahren gegenüber. Aus diesem Grund ist die Einheit, für die der Herr so eindringlich gebetet hat (vgl. Joh 17,21), ein Muss, besonders für den Klerus. Jesus betete dafür, dass seine Priester »in der Wahrheit« geheiligt seien (Joh 17,17). Wir können nur heilig sein und andere zur Heiligkeit führen in dem Maß, in dem wir selbst »in der Wahrheit geheiligt sind« (Joh 17,19).

Ich möchte viele dazu ermutigen, das folgende Zeugnis zu lesen, welches, wie die vier anderen Zeugnisse, die mich innerlich bereichert haben, die Barmherzigkeit und Güte Gottes bezeugt, die Wirksamkeit seiner Gnade und die Wahrhaftigkeit der Lehre der Kirche.

Stimmen wie diese werden in der Diskussion um die seelsorgerliche Praxis für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen selten gehört. Ich ermutige besonders meine Mitbrüder, die Bischöfe und Priester, dieses Buch zu lesen, von dem ich hoffe, dass es ihre Überzeugung bestärkt, dass die Weisheit der Kirche in diesem schwierigen und empfindlichen Bereich wahrhafte Liebe und echtes Mitgefühl zum Ausdruck bringt.

»Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage«, sagte Jesus (Joh 15,14). Nur Christus kann die Wunden der Sünde und der Trennung heilen. Nur die Kirche hat Antworten auf die tiefgründigsten Fragen des Menschen und auf seine innersten Bedürfnisse nach Liebe und Freundschaft. Nur die Fülle des Evangeliums kann das menschliche Herz zufriedenstellen. Nur die Gebote weisen den Weg zu einer Freundschaft mit Christus und untereinander, denn »seine Gebote [sind] nicht schwer« (1 Joh 5,3).

Robert Kardinal Sarah
13. Mai 2017,
Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima

Vorwort des Autors

Der erste Artikel, den ich zum Thema Glauben und Homosexualität in der Zeitschrift First Things veröffentlicht hatte, trug den Titel »Warum ich mich selbst nicht als einen schwulen Christen bezeichne«.1

In den Kommentaren zu meinem Beitrag schrieb ein junger Mann mit Namen Gerardo Folgendes:

Zunächst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie dies veröffentlicht haben. Ich bin 19 Jahre alt und habe meine gleichgeschlechtliche Neigung als einen Fluch empfunden, seit ich ein kleiner Junge war. Nie hätte ich gedacht, dass dieses Kreuz, dass ich trage, tatsächlich eine Möglichkeit sein könnte, wie Gott seine majestätischen Werke der Welt offenbart und wie er durch den Heiligen Geist mir hilft, das alles zu überwinden. Zum Glück habe ich mich nie nach meinen Begierden ausgerichtet und ich werde es auch niemals tun. Diese Zeugnisse, die ich erfahren habe, regen mich im Gegenteil nur noch mehr an, daran zu glauben, dass es möglich ist, Gott einen Schritt näherzukommen. Gleichzeitig fühle ich manchmal eine Leere und Einsamkeit, weil ich niemandem von meinem inneren Kampf erzählt habe. Ich habe nicht mit meinen Eltern darüber gesprochen, auch nicht mit einem Priester, weil ich mich schäme und hin- und hergerissen bin, ob es richtig wäre, es ihnen zu erzählen. Ich liebe Gott so sehr und möchte auf dem richtigen Weg sein. Wenn das bedeuten würde, dass ich für mein ganzes Leben enthaltsam leben müsste, dann soll es so sein. Ich kann mich nicht zwingen, eine Frau zu heiraten, wenn ich dafür nicht bereit bin. Ich will dem Herrn dienen und ihn näher kennenlernen. Wenn mir jemand einen guten Rat geben könnte, wäre ich sehr dankbar dafür. Danke und Gottes Segen!

Das Buch, das Sie in Händen halten, ist meine Antwort auf Gerardos Bitte um Hilfe. Ich hoffe, dass es Gerardo und anderen wie ihm, die »oft eine Leere und Einsamkeit fühlen«, auf irgendeine Weise helfen kann, »dem Herrn zu dienen und ihn näher kennenzulernen«. Ebenso wie Gerardo war ich als junger Mann verliebt in Jesus und wollte ihm nachfolgen, aber ich wusste nicht, wie ich mit meiner gleichgeschlechtlichen Neigung umgehen sollte. Nun habe ich das Buch geschrieben, das ich selbst gerne gelesen hätte, als ich neunzehn Jahre alt war.

Ich habe das Buch in fünf Teile aufgeteilt. Der erste Teil enthält meine Lebensgeschichte, in der ich beschreibe, wie mir bewusst geworden ist, dass ich mich zu Männern hingezogen fühlte, wie ich mit Gott gerungen habe und wie ich damals eine Zeit lang zum verlorenen Sohn wurde. Ich berichte darüber, wie ich diese gleichgeschlechtliche Neigung schließlich mit meinem Glauben an Gott in Einklang gebracht habe und wie ich durch ein »Tal der Tränen« zu der Erkenntnis gelangt bin, dass das Vernünftigste für einen Mann mit einer gleichgeschlechtlichen Neigung die Lehre der katholischen Kirche ist, durch die er geführt wird.

Die verbleibenden Teile sind mehr philosophisch und praktisch ausgerichtet. Im zweiten Teil lege ich dar, dass wir einen dringenden Bedarf an Vernunft im Bereich der Sexualität haben, indem wir zur ursprünglichen Wirklichkeit der menschlichen Natur zurückkehren. Ich beschreibe, wie wir zu einer Gesellschaft geworden sind, in der die persönliche Identität nicht auf der Wirklichkeit der menschlichen Natur basiert, sondern auf der Macht unserer Gefühle und Emotionen. Ich schreibe über die Wichtigkeit, mit welchen Worten die Vermittlung der Realität der menschlichen Natur geschehen sollte, und darüber, dass die Sprache, die sich mit der menschlichen Sexualität befasst, missbraucht und instrumentalisiert worden ist, um die Kultur durch Phrasendrescherei und Einschüchterung zu verändern. Ich führe auch aus, dass wir daran arbeiten müssen, das wiederherzustellen, worauf die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus Bezug genommen haben im Sinne einer korrekten »menschlichen Ökologie« die menschliche Natur betreffend. Der springende Punkt meiner These ist, dass es ein Fehler ist, sich als lesbisch, schwul oder mit irgendeinem anderen Etikett sexueller Identität zu bezeichnen, wie es in jüngster Zeit Mode geworden ist. Ich betrachte diese Entwicklung wie eine Übermalung des Allerheiligsten, das die menschliche Würde entstellt und das Abbild Gottes, geschaffen als Mann und Frau, ins Lächerliche zieht.

Im dritten Teil gehe ich auf die praktischen Aspekte ein. Ich schreibe über meine eigenen Kämpfe bezüglich einer enthaltsamen Lebensführung und erzähle davon, was ich über Enthaltsamkeit gelernt habe und dass sie im Leben nur verwirklicht werden kann mit der Gnade und der Kraft Gottes. Wir müssen mit uns selbst nachsichtig sein und demütig unsere eigene Schwäche anerkennen. Ich schlage praktische Schritte vor, die mir dabei geholfen haben, enthaltsam zu leben und die Weisheit der Heiligen zu entdecken, die uns vorangegangen sind, besonders derjenigen, die selbst gekämpft haben, die Tugend der Enthaltsamkeit in ihrem eigenen Leben umzusetzen.

Im vierten Teil erörtere ich einige der schwierigen Begriffe, die von der Kirche in ihrer Lehre zur Homosexualität gebraucht werden, z. B. Begriffe wie »objektive Unordnung« oder »selbstlose Freundschaft«. Ich beschreibe sowohl die Gaben der Freundschaft als auch die Versuchungen, die die Freundschaft mit sich bringen kann, besonders für diejenigen, die gleichgeschlechtliche Neigungen haben. Diesen Abschnitt beende ich mit einer Betrachtung darüber, wie die Einsamkeit paradoxerweise sogar zu einer Quelle großer Freude und des Trostes werden kann.

Im fünften Teil, dem letzten Abschnitt dieses Buches, schreibe ich über die wichtigsten Lektionen, die ich in meinem Leben mit einer gleichgeschlechtlichen Neigung gelernt habe. Ich komme auch auf die Wichtigkeit der Tugenden der Demut und der Großmut im Leben jedes Einzelnen, der enthaltsam leben möchte, zu sprechen. Mit der wichtigsten Lektion, die ich in meinem eigenen Leben gelernt habe, schließe ich: der Annahme meiner wahren Identität als geliebter Sohn Gottes.

Einige Anmerkungen zum Text, die hilfreich sein dürften: Einige Namen und Details zur Identifikation bestimmter Personen, die in meiner Geschichte vorkommen, wurden verändert, um ihre Anonymität zu wahren. Alle Geschichten sind wahr und stammen aus meinem eigenen Leben. Dieses Buch ist aus einer römisch-katholischen Perspektive geschrieben. Mein Hauptanliegen besteht nicht darin, die Lehre der Kirche über die menschliche Sexualität zu verteidigen – das würde ein eigenes Buch erfordern, aber im Text finden sich Querverweise für diejenigen, die sich für eine Verteidigung der Lehre der katholischen Kirche interessieren. Ich spreche bestimmte Aspekte der Lehre der Kirche an, aber das Buch ist in erster Linie die Geschichte eines Mannes, der mit der Lehre der Kirche zu kämpfen hatte, sie letztendlich akzeptierte und erfahren wollte, wie es am besten möglich ist, den Ruf zur Enthaltsamkeit in seinem eigenen Leben zu verwirklichen. Die Wahrhaftigkeit der Lehre der Kirche wird als selbstverständlich vorausgesetzt, und in beinahe der ganzen zweiten Hälfte dieses Buches beschäftige ich mich damit, anderen Katholiken mit gleichgeschlechtlichen Neigungen zu helfen, aus der Lehre der Kirche heraus zu leben und daraus Frieden, Glück und Freude zu schöpfen. Ich betone das, weil mein Ratschlag für all jene Christen hilfreich sein kann, die bereit sind, dem Weg der Enthaltsamkeit in ihrem Leben zu folgen, oder die zeitweise mit Einsamkeit oder der Frage des Leidens kämpfen, oder jene, die sich wünschen, den logischen Problemen und Auswirkungen auf den Grund zu gehen, die dem gesellschaftlichen Druck nach Akzeptanz der Gender-Ideologie in unseren Schulen und im öffentlichen Raum zugrunde liegen.

Mit Gottes Gnade hoffe und bete ich, dass meine Überlegungen in diesem Buch für den einen oder anderen hilfreich sein können.

Daniel C. Mattson
Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit,
23. April 2017
Grand Rapids, Michigan

Danksagung

John Donnes geflügeltes Wort »Niemand ist eine Insel« beschreibt am besten meine Erfahrungen, die ich beim Schreiben dieses Buches gemacht habe, denn ich hätte es ohne Hilfe nicht zustande gebracht. Ich kann unmöglich den vielen Leuten danken, die auf vielfältige Weise mitgestaltet haben, was Sie nun in Händen halten. Dennoch möchte ich einigen Personen an dieser Stelle öffentlich meinen Dank für ihre Hilfe und Unterstützung aussprechen.

Nachdem sie die Geschichte meiner Bekehrung gehört hatte, empfahl mir Dr. Janet E. Smith, mein Zeugnis niederzuschreiben und öffentlich über die gute Botschaft der Lehre der Kirche in Bezug auf gleichgeschlechtliche Anziehung und Keuschheit zu sprechen. Sie hat mir auf diesem Weg in beispielloser Weise geholfen, Klarheit in meinem Denken zu schaffen, indem sie einige Dinge, mit denen sie nicht einverstanden war, hinterfragte und mich ermutigte, weiterhin enthaltsam zu leben, und vor allem, weil sie eine großartige Freundin ist. Dr. Dawn Eden Goldstein, deren Buch The Thrill of the Chaste1 schon zu meinem Bücherbestand gehörte, lange bevor ich sie traf, war für mich eine Stimme der Ermutigung und der Klugheit und ein inspirierendes Beispiel, ihr in ihrem Streben nach Enthaltsamkeit zu folgen. Dr. Jennifer Roback Morse, Präsidentin und Gründerin des Ruth-Institutes, wurde zu einer guten und lieben Freundin sowohl für mich persönlich als auch für das Apostolat Courage International, und sie war mir ein Vorbild durch ihre eigene Aufgabe, Opfern der sexuellen Revolution zu helfen. Das Ergebnis vieler Gespräche, die wir in den letzten Jahren geführt haben, ist in dieser Schrift enthalten. In Bezug auf das Naturrecht und die Bedeutung der Geschlechtlichkeit bin ich Dr. J. Budziszewski zu großem Dank verpflichtet, dessen Buch On the Meaning of Sex2 ein wichtiges Werk für alle ist, die die Schönheit und Würde menschlicher Sexualität verstehen möchten. Er war mein Lehrer durch persönliche Gespräche und E-Mails, aber auch durch seine Schriften und Vorlesungen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Die E-Mails und Gespräche mit Anthony Esolen haben mir geholfen, mein Denken über das Wesen der Natur des Menschen und die Bedeutung von Worten zu klären. Sein Mut zur Wahrheit in seinem Schreiben und Sprechen war ein Ansporn für mich, meine eigenen Gedanken und Überzeugungen furchtlos zu verbreiten. Nicht zuletzt muss ich Dr. David Schindler vom Päpstlichen Institut Johannes Paul II. an der Katholischen Universität von Amerika danken. Unsere Gespräche haben mich immer bereichert, sei es per Telefon oder persönlich oder per E-Mail. Ich danke ihm für seine Einladung, Auszüge aus diesem Buch in der Zeitschrift Communio zu veröffentlichen. Seine Gedanken halfen mir, meine schriftlichen Aussagen zu überprüfen, besonders in Bezug auf das Kapitel, in dem der Begriff »objektiv ungeordnet« im Katechismus erklärt wird.

Ich bin Rusty Reno, dem Herausgeber von First Things, dankbar: Er hat meinen ersten Essay zum Thema »Enthaltsamkeit und gleichgeschlechtliche Neigungen« veröffentlicht. Der von mir geschriebene Beitrag »Why I don’t call myself a gay Christian«, der in First Things erschienen ist, enthielt alle Ansätze, die in diesem Buch entfaltet sind.3 Ich danke John Vella vom Crisis Magazine, der an mein Schreiben und meine Botschaft geglaubt hat. Dies gilt ebenso für die Herausgeber des National Catholic Register, die mir die Möglichkeit gegeben haben, mein Zeugnis einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen.

Ich bin auch einigen Moderatoren von Radiosendern dankbar, die meine Arbeit und das Apostolat Courage International unterstützten. Mein Dank gilt auch Al Cresta, Teresa Tomeo, Patrick Coffin und all den guten Leuten bei Catholic Answers Live. Sie haben das Apostolat Courage International anerkannt und die gute Arbeit dieses Apostolats bekannt gemacht. Zusammen mit allen Mitgliedern von Courage International danke ich ihnen. Es war eine Ehre, bei ihnen auf Sendung zu sein.

Die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft des hl. Johannes in Peoria, Illinois, haben viele Exerzitien angeboten, an denen ich teilnahm, nachdem ich in die katholische Kirche zurückgekehrt war. Ihre Weisheit und geistliche Begleitung, ihr Gebet und liebevolle Führung waren Balsam für meine Seele. Ich liebe sie von Herzen. Viele der Gedanken dieses Buches wurden befruchtet durch ihre Gebete, durch ihr Zeugnis für die Wahrheit, durch ihre Liebe zu Jesus und durch ihre klugen Worte, die sie an mich richteten. Ich danke ihnen allen.

Ich danke den Mitgliedern der Gemeinschaft »Christus, das paradiesische Lamm«, Michigan. Bei viertägigen Exerzitien tief im Wald entdeckte ich die Schönheit eines Ortes der Stille und die Schriften von Catherine Doherty, die mein Verständnis von Einsamkeit verwandelten und mein Leben veränderten.

Es sind zu viele Priester, die mir in meinem Leben geholfen haben, um allen zu danken, aber einige muss ich doch erwähnen. James Chelch, Priester der Pfarrei Hl. Apostel Thomas in Grand Rapids, Michigan, hat mich 2009 wieder in die katholische Kirche aufgenommen. Mehr als 25 Jahre lang war er der Courage-Kaplan der Diözese Grand Rapids. Seine Freundlichkeit, Einfühlung, Klugheit und sein Humor waren für mich ein Licht auf meinem Weg zur Enthaltsamkeit. Er ist ein kluger Seelsorger und Beichtvater. Ohne ihn wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.

Ich schulde auch meinem geistlichen Begleiter, Pater Robert Sirico, besonderen Dank. Er hat mich auf dem mühsamen Weg der Fertigstellung des Buches und seiner Ausrichtung sehr ermutigt. Ich danke ihm sehr für die Einführung in den Denkansatz von William H. DuBay durch sein Buch The Gay Identity: The Self Under Ban.4 Dankbar bin ich ihm für die vielen Gespräche, Anregungen, Gebete und für seine Hilfe.

Pater Philip Bochanski, der Direktor von Courage, hat wichtige Hinweise zu philosophischen und theologischen Inhalten meines Buches gegeben. Am wichtigsten war, dass er die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Gegenargumente vorgebracht hat, die mein Denken und Schreiben klärten und mir halfen, die richtigen Worte zu finden, was nicht immer leicht war.

Pater Paul Check, der ehemalige Geschäftsführer des Courage-Apostolates, wurde für mich ein geistlicher Vater, kluger Mentor und guter Freund. Er war mein bester Glaubenslehrer. Seine Liebe, Führung und einfühlsame, aber auch notwendige Korrektur haben mir geholfen, ein besserer Mensch zu werden. Ich danke ihm für alles und für seinen unermüdlichen Dienst für das Courage-Apostolat. Er ist einer der besten Menschen, die ich kenne, und wenn ich nur halb so werde wie dieser Mann, dann werde ich mein Leben als gelungen betrachten.

Ich danke Pater Paul Murray für seine Erlaubnis, sein Gedicht »A note on human passion« aus seiner Sammlung The Absent Fountain aufnehmen zu dürfen, das er zu einer Zeit geschrieben hat, als er drogenabhängige Männer und Frauen betreut hat. Ich weiß es als Auszeichnung zu schätzen, dass Robert Kardinal Sarah für mein Buch ein Vorwort geschrieben hat. Mir fehlen die Worte, um auszudrücken, wie dankbar ich ihm dafür bin, dass er sich die Zeit genommen hat, meine bescheidenen Worte zu lesen und die Leser meines Buches an seiner Weisheit teilhaben zu lassen. Für mich ist er ein Held des Glaubens, dessen Beispiel und Glaubenstreue mir ein Ansporn sind, meinen Weg im Glauben weiterzuverfolgen.

Ein spezieller Dank gilt den Darstellern der Dokumentation Desire of the Everlasting Hills, Rilene Simpson und Paul Darrow. Ihre Liebe zum Glauben, zur Tugend der Keuschheit, zu Jesus und zur Eucharistie haben mir mehr geholfen und mich mehr ermutigt, als sie es sich jemals vorstellen können. Ebenso danke ich den wundervollen Leuten, die diesen Film gemacht haben. Nur sie konnten einen solchen Film produzieren. Ich danke ihnen für ihre Liebe und den Respekt, den sie unseren Lebensgeschichten entgegengebracht haben.

Ich hätte dieses Buch nicht schreiben können ohne meine hervorragende und unermüdliche Verlegerin Diane Eriksen. Für ihr hilfreiches Feedback und die erste Veröffentlichung meines Buches muss ich Dianne Check und meinen Paten Robert und Susan Cavera danken, die mich auf jedem Schritt meines Weges begleitet, jeden Entwurf gelesen und mir ihr hilfreiches Feedback gegeben haben. Besonders haben sie mich mit ihrem Gebet und ihrer Ermutigung unterstützt. Ich danke Angelo und Jonah, die mein Manuskript gelesen haben, Sam Granger und David Phelps für ihre wertvollen Hinweise während vieler Gespräche, die wir im Laufe der Entstehung dieses Buches geführt haben.

Ich hätte dieses Buch nicht schreiben und dabei meinen gesunden Menschenverstand behalten können ohne die regelmäßigen Treffen mit meinen Freunden beim Stammtisch in Grand Rapids, Michigan. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben. Ich weiß, dass nicht alle von ihnen mit meiner Denkweise einverstanden sind oder dieses Buch mögen werden, aber ich weiß, dass sie mich trotzdem gernhaben, und auch ich bin ihnen liebevoll zugetan. Ich bin ihnen für ihre Freundschaft dankbar und für ihren guten Geschmack, was Bier anbelangt.

Der größte Dank gebührt meiner Familie. Ihre Liebe, Gebete und Ermutigungen während meines Lebensweges haben mich dorthin gebracht, wo ich heute bin, und haben mir geholfen, zu dem Mann zu werden, der ich heute bin. Ich liebe sie alle sehr, besonders meine Eltern, die den Rat der Bibel bezüglich der Erziehung befolgt haben: »Erziehe den Knaben für seinen Lebensweg, dann weicht er auch im Alter nicht davon ab« (Spr 22,6).

Einführung von Pater Paul N. Check

»Unsere besten Botschafter sind unsere Mitglieder«, sagte Pater John Harvey OSFS, als er mir half, mich darauf vorzubereiten, seine Nachfolge als Geschäftsführer von Courage International im Jahr 2008 anzutreten. Nachdem ich seit 2003 als Kaplan der Diözese für das Apostolat gearbeitet hatte, konnte ich nach meiner Erfahrung Pater Harveys Ansicht vertrauen. Ich schätzte seinen jahrzehntelangen treuen Dienst in einem der anspruchsvollsten Bereiche der kirchlichen Seelsorge von heute. Durch meine Bekanntschaft mit Courage-Mitgliedern wusste ich um die besondere Herausforderung, der diese sich gegenübersehen. In ihrem Inneren können sie den Zusammenprall fühlen – wie es einer unserer Kapläne ausgedrückt hat – zwischen der Lehre der Kirche zur Homosexualität und den kulturellen Kräften, die resolut gegen diese Lehre kämpfen, zwischen den gelegentlichen Ratschlägen von Familie und Freunden und sogar einigen Klerikern, einen Partner zu finden, und ihrer eigenen erotischen Neigung zu Menschen desselben Geschlechts.

Trotz der oft schmerzvollen Auswirkungen dieses Zusammenpralls halten Courage-Mitglieder an ihrer Überzeugung fest, dass die Stimme der Kirche zum Thema Homosexualität die Stimme Christi ist. Sie bleiben standhaft in ihrem Streben nach Enthaltsamkeit – und darüber hinaus nach der Heiligkeit des Lebens – wegen ihres Glaubens an die Macht, die Weisheit, die Güte und das Erbarmen des gekreuzigten und auferstandenen Erlösers. In dieser Hinsicht sind sie beachtenswerte Vorbilder glaubwürdiger Jüngerschaft. Die Mitglieder von Courage und dem angeschlossenen Dienst EnCourage für Familienmitglieder von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen haben meinen priesterlichen Dienst in herausragender Weise bereichert und gesegnet. Sie bieten der Welt ein glaubwürdiges, deutliches und dringend benötigtes »Zeichen des Widerspruchs« (Lk 2,34) in einer Zeit, in der wir leichtfertig über etwas so Grundlegendes wie die sexuelle Identität für die menschliche Person in die Irre geführt und getäuscht werden.

Aufgrund der neun Jahre, in denen ich in der Zentrale von Courage International gearbeitet habe, kann ich Pater Harveys Aussage nur bestätigen. Ich habe an vielen Konferenzen und Studientagen für Kleriker, Ordensleute und Laien teilgenommen, die treu ihren Dienst in einem Apostolat hier in den Vereinigten Staaten und auch im Ausland verrichten. Obwohl die verschiedenen Zuhörergruppen sich für meine Ausführungen über die christliche Anthropologie und die kirchlichen Normen für die Seelsorge interessierten, waren sie immer – und zu Recht – noch mehr daran interessiert, etwas von Courage-Mitgliedern über deren persönliche Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen zu erfahren, aber auch etwas über die kirchliche Stellungnahme zu diesem Thema, besonders im Hinblick darauf, was sich als hilfreich und als nicht hilfreich herausgestellt hat. Während sich die stärksten Argumente für die kirchliche Lehre auf die menschliche Natur und die göttliche Offenbarung stützen, sind diese Argumente oftmals nicht überzeugend in einer Welt, in der wissenschaftliche Erkenntnisse und individuelle Erfahrungen wichtiger genommen werden als die Metaphysik, das Naturrecht und die Heilige Schrift, sogar unter einigen der »Glaubensgenossen« (Gal 6,10).

Die »Diktatur des Relativismus«, wie Kardinal Ratzinger die moderne moralische Methodologie bezeichnete1, ist tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt. Seit dem Fall Adams steht der Mensch in seinem Inneren der Wahrheit zwiespältig gegenüber, was beim hl. Markus in seiner Beschreibung der inneren Vorgänge in der Seele des Herodes, als er Johannes dem Täufers zuhörte, gut wiedergegeben wurde. Denn »Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu« (Mk 6,20).

Warum hat Herodes Johannes »gerne« zugehört? Weil Herodes für die Wahrheit bereit war und erkennen konnte, dass Johannes ihm die Wahrheit mit offensichtlicher Nächstenliebe verkündete. Deshalb fühlte Herodes sich zur Wahrheit hingezogen. Aber gleichzeitig war Herodes auch »durcheinander«, weil Johannes ihn aufforderte, sich von etwas zu distanzieren – dem Ehebruch – und auch von jemandem – der Frau seines Bruders, Herodias –, die Herodes’ Seele Schaden zufügte und die ihrerseits auch von Herodes verletzt wurde durch ihre unkeusche Beziehung. Beide Männer fallen auf unterschiedliche Weise den Gefahren zum Opfer, die von der sexuellen Unmoral ausgehen: Herodes enthauptet Johannes, weil sein Wille schwach ist, und bleibt ein Gefangener seiner Leidenschaften. Johannes wird ein Märtyrer der Enthaltsamkeit, die Jesus bald als menschliche Tugend, die notwendig ist für die Freiheit, den Frieden und die Erlösung eines jeden Menschen, verkünden wird.

»Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen«, sagte Jesus (Lk 21,33). Der Inhalt der Heiligen Schrift bleibt für die Christen von prophetischer Gültigkeit, weil wir glauben, dass sie uns unsere eigene Geschichte erzählt, die Geschichte der Kinder Gottes, in deren Herzen oft Tugend und Laster nebeneinanderstehen. Für uns ist es vorteilhaft, wenn wir über Herodes nachdenken, weil wir in Demut und Aufrichtigkeit wissen, dass wir in Bezug auf die Wahrheit die gleiche Erfahrung der Zwiespältigkeit machen, wie es bei ihm der Fall war. Nicht jeder ist ein Ehebrecher, das ist klar, aber wir alle sind von unserer menschlichen Schwachheit in dieser oder jener Ausprägung betroffen. Sogar der hl. Paulus hat demütig eingeräumt: »Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich« (Röm 7,19).

Ich führe Herodes als ein Beispiel für unsere Kultur an, obwohl ich den hl. Paulus vorziehen würde. In so vielen Bereichen unseres Lebens ist unser Verhältnis zur Wahrheit sowohl ein »Ja« als auch ein »Nein«. Wir freuen uns über die Wahrheit, aber zur gleichen Zeit bringt sie uns auch durcheinander. Wir bewundern diejenigen, die ihre Versprechen auch unter Schwierigkeiten halten, und würden sie auch gerne nachahmen. Tatsächlich erwarten wir, dass die anderen ihre Versprechen uns gegenüber halten. Aber wir wollen uns auch von unseren eigenen Versprechungen frei machen. Wir schätzen demütige und dankbare Leute und hätten diese Charakterzüge gerne selbst. Aber was uns betrifft, sind wir geneigt, unseren Stolz und unseren Egoismus zu entschuldigen. Wir bewundern diejenigen, die die größten Opfer bringen, und hoffen, dass wir selbst zu gegebener Zeit so edel wären. Aber wir vermeiden es, etwas von unserem Überfluss abzugeben. Wir verlangen von anderen Wahrhaftigkeit und möchten gerne als integre Personen anerkannt werden. Aber wir selbst entsprechen diesen Idealen nicht.

Vielleicht bleibt uns ja trotz allem eine Hoffnung, dass selbst in einer Atmosphäre des moralischen Relativismus niemand sich selbst gerne als Heuchler sieht oder von anderen als ein solcher bezeichnet werden will. Tief im Herzen hat jeder den Wunsch, das Richtige zu tun, und auf diese Weise können wir uns – Gott sei Dank – mit teilweisem Erfolg der Erkenntnis entziehen, dass unsere Worte, Taten und unser echtes Verlangen nicht immer deckungsgleich sind. Die Frage stellt sich dann, welchen Weg wir wählen, den des Herodes oder den des Paulus?

Die Geschichte des Herodes lehrt uns etwas, jedoch ist er für Christen kein bewundernswerter Held. Wir brauchen den hl. Paulus und den hl. Johannes den Täufer und andere Stimmen, die, »von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen« (Eph 4,15), um uns von unseren selbst auferlegten Widersprüchen und unseren inneren Konflikten zu befreien. Es scheint mir, dass diese Selbstverletzung, die im Gegenzug auch andere verletzt und unseren Schöpfer beleidigt, nirgends offensichtlicher hervortritt als in Dingen, die die Sexualität betreffen. Was diesen Bereich angeht, so sind wir hier in besonderer Weise selbst die Ursache für unser Unglück, weil wir dazu neigen, »das Böse gut [zu] nennen« (Jes 5,20). Sicher ist, dass wir auch in der Lage sind, das »Gute böse« zu nennen (ebd.). Was in früheren Zeiten als sexuelle Promiskuität – Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe – betrachtet wurde, ist nun zur akzeptierten Norm geworden. Auf der anderen Seite werden Jungfräulichkeit, Enthaltsamkeit, Treue, Reinheit des Herzens und Bescheidenheit im Auftreten und in der Sprache mehr und mehr als eigenartig oder sogar anormal empfunden.