Herzens Zeit

für

Mutter und Kind

von

der Baumflüsterin

Amely Gräfin Platen

Inhalt

Eine Herzensangelegenheit - Warum Vorlesen? –

Über die Meditation – Seelenfutter für die Mutter –

Ausmalbilder – Kräutergeheimnisse – Grundsätzliches

über den Umgang mit Kräutern - Bastel-Spaß

Amethystblütenstaub

Das Lindenelixier

Die Tautropfenweberin

Die Ritterblume

Der Drachenbruder

Die Zwergenkiste

Die Sternenblume

Korallina

Der Mondhirsch

Die Schwanennymphe

Der Grasweber

Der kleine Wichtel und der Weihnachtsmann

Seraphinas Tränen

Mein Weg

Buch- und Adressen-Empfehlungen

Danke

Eine Herzensangelegenheit

Wie kam ich zu dieser Buchidee? Das lässt sich nicht mit einem Satz beantworten. Aber ich glaube, die Saat für diese Idee wurde schon früh in meiner Kindheit gelegt: Märchen und Geschichten, erzählt und vorgelesen von Eltern, Tanten und Nachbarn hatten meine Fantasie schon früh beflügelt. Besonders mein Vater hatte auf ausgedehnten Spaziergängen durch Wälder und Wiesen meinen Blick für die Natur geschärft, mein Interesse und meine unsterbliche Liebe auch für die kleinsten Pflänzchen und Tiere geweckt. Meine Mutter und unser geliebtes Kindermädchen haben mich und meine Brüder immer wieder mit neuen Bastelideen bei Laune gehalten und unsere Geschicklichkeit gefördert. Das Malen und Ausmalen von Bildern haben mich glücklich gemacht, und auch ohne das Wissen um Meditation, hatte es sicher einen ähnlich entspannenden Effekt.

Später - nach Pubertät, Schule und so manchem verschlungenen Pfad ins Erwachsenenleben - kam die Erinnerung an all diese kostbaren Momente und Schätze zurück. Die ersten Kinder meiner Freundinnen und Freunde wurden geboren und waren für mich als Tante wie ein Spiegel, in dem ich meine eigene Kindheit wiederentdeckte, und mein inneres Kind wollte mitspielen. So entwickelte ich mich immer mehr zur Spielgefährtin meiner kleinen Freunde, zauberte Bastelideen aus dem Hut, schrieb eigene Märchen, die ich meinen Nichten, Neffen und den Kindern meiner Freunde widmete.

Natürlich drängt sich hier die Frage auf, warum ich keine eigenen Kinder bekommen habe. Das hat verschiedene Gründe. Als ich 36 Jahre alt war, habe ich mir zwei Jahre Zeit genommen, ganz bewusst der Frage nachzugehen, wie ich zu eigenen Kindern stehe. Ich habe mir Babys in den Arm legen lassen, habe sie gewickelt, getröstet und in den Schlaf gesungen, habe die etwas Größeren in allen erdenklichen Weisen bespielt und begleitet, habe mich mit ihnen auf Augenhöhe begeben und auch mal ein Machtwort gesprochen, wenn sie ihre Grenzen testen wollten. Nach den zwei Jahren war mir klar, dass ich immer Kinder in meinem Leben haben möchte, sie ins Erwachsenwerden begleiten will, ihre Vertraute sein will, mit der man Geheimnisse teilen kann, die man vielleicht nicht so gerne mit den Eltern bespricht. Und mir ist klar geworden, dass diese Kinder nicht meine eigenen sein müssen, sondern dass in meinem Herzen Platz für viel mehr Kinder ist.

Seither ist die Zahl meiner Kinderfreundschaften beständig gewachsen. Ich habe langanhaltende und verbindliche Beziehungen zu diesen Kindern aufgebaut, die mir nun zum Teil schon ihre eigenen Kinder in den Arm legen. Man kann sagen, ich bin eine kinderreiche Frau. Und so ist es wohl nicht verwunderlich, dass der Wunsch in mir wuchs, meine Märchen, Meditationen, mein Kräuterwissen und bewährten Bastel-Spass für mehr Kinder zugänglich zu machen. Hier kommen die Mütter ins Spiel, ohne die das Buch seinen Sinn nicht erfüllen könnte. Die vielen Gespräche mit meinen Mutterfreundinnen gaben mir tiefe Einblicke in die Herausforderungen, denen eine Mutter sich täglich zu stellen hat, ob sie will oder nicht. Mein Respekt für diese Aufgabe ist mit jedem Jahr mehr gewachsen und auch meine Empathie für sie. Außerdem hängt das Glück eines Kindes unmittelbar vom Glück der Mutter ab und umgekehrt. Ich beobachte seit längerem die zunehmende Hektik, der Kinder und Mütter ausgesetzt sind. Die Zeit, ganz füreinander da zu sein, wird immer kürzer; dabei ist sie so kostbar, weil sie die Verbindung zwischen Kindern und Müttern prägt und festigt. Für mich ist geschenkte Zeit, gelebte Liebe. Liebe in Aktion. Und so soll dieses Buch eine Einladung für Mütter und ihre Kinder sein, bewusst Zeit miteinander zu verbringen und einander auf einzigartige Weise nah zu sein. Es soll ein Begleiter sein, wie ein guter Freund, der einen immer mal wieder daran erinnert, eine gute Zeit zu haben. Genießt es!

Warum Vorlesen?

Ist Vorlesen nicht altmodisch? Reichen nicht die Hörbücher, um das Kind zur Ruhe zu kriegen? Diese Fragen beantworten sich wohl von selbst. Natürlich sind Hörbücher toll, und ich erinnere mich an viele Stunden des Mitfieberns mit meinen Helden, und auch die ständigen Wiederholungen gaben mir Sicherheit und Ruhe. Doch was ist tröstlicher, beruhigender und schöner, als der Stimme der eigenen Mutter zu lauschen, während man in eine Geschichte eintaucht? Dieses Ritual des Vorlesens schafft Bindung und schenkt Geborgenheit. Unterschwellig schwingt immer auch der Satz mit: „Ich bin für Dich da. Ich geh jetzt nicht weg.“ Man ist dann ganz im Moment, ganz im Hier und Jetzt, gemeinsam, und das stärkt das Urvertrauen, das eines der größten Geschenke ist, die man einem jungen Menschen ins Leben mitgeben kann.

Über die Meditationen

Passend für dieses Büchlein und thematisch angelehnt an jedes Märchen habe ich Meditationen kreiert. Ich biete sie getrennt von diesem Buch zum Herunterladen im Netz an. Ihr findet den Link für den Erwerb der Meditationen auf meiner Homepage www.jamalind.de. Eine Medi stelle ich dort frei zur Verfügung, damit Ihr Euch einen Eindruck machen könnt, ob es zu Euch passt. Viel Freude beim Ausprobieren!

Einige von Euch denken jetzt sicherlich, dass Meditationen nichts für Euch oder Eure Kinder sind. Doch ich lade Euch ein, es einmal auszuprobieren, und vielleicht auch ein zweites Mal, denn an manchen Tagen gelingt es gut, in eine Medi einzutauchen, an anderen wieder nicht. So ist es ja mit vielen Dingen im Leben. Meine Erfahrung bei meiner Arbeit mit Kindern zeigt, dass diese sich nach dem Gefühl totaler Entspannung sehnen. Man muss ihnen nur das Angebot machen und ihnen etwas Zeit geben, sich darauf einzulassen. Meditation hilft uns, unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung unserer selbst und der Umgebung zu schärfen. Die Meditationen, die ich anbiete, nehmen Bezug auf das jeweilige Märchen und bieten einen tieferen Zugang zu ihrer Botschaft. Außerdem soll hier Mutter und Kind die Gelegenheit gegeben werden, gemeinsam zu entspannen und die Bindung zu stärken. Es ist sehr kostbar, sich nach der Meditation über die Erfahrungen auszutauschen, Worte zu finden für das Gefühlte, Gesehene und Erlebte. Hier habe ich ein paar Ideen zur Vorbereitung der Meditationen:

Bereitet Euch ein kuscheliges Plätzchen. Baut Euch ein Nest aus Decken, Kissen und vielleicht noch den Lieblingskuscheltieren. Ihr braucht Internetanschluss und Boxen oder Kopfhörer für alle Beteiligten. Dann ladet Euch die zu dem Märchen passende Meditation herunter. Die Meditationen dauern immer ungefähr eine Viertelstunde. Sollte es Euch schwerfallen, so lange ruhig und konzentriert zu bleiben, empfehle ich, dass Ihr Euch vorher einmal kräftig ausschüttelt, rennt oder tobt. Dann fällt es für gewöhnlich auch richtigen „Wildmäusen“ leichter, sich zum Verschnaufen auszustrecken, und die Reise kann losgehen.

Seelenfutter für die Mutter

„Ist die Mutter glücklich, ist es auch das Kind.“ Das sagte ich schon an anderer Stelle, und ich habe sehr oft beobachtet, dass Ihr Mütter vor allem auf das Wohl Eurer Kinder konzentriert seid und darüber leicht das eigene Wohlsein aus den Augen verliert. Über die Jahre ist mein Bedürfnis gewachsen, Euch Müttern Stärkung zu schenken, Euch zu unterstützen, den Kontakt und die Liebe zu Euch selbst zu beleben. In jedem Kapitel teile ich im Abschnitt „Seelenfutter“ ein paar Anregungen und Gedanken, die inspirieren und aufbauen sollen. Mögt Ihr Mütter sie Euch wie eine gutes Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen. Manches ist informativ, inspirierend oder einfach nur erbaulich. Außerdem stelle ich viele Fragen, die Euch jeweils dazu anregen sollen, über bestimmte Themen nachzudenken. Ganz bewusst schneide ich viel verschiedenes Interessantes nur an, weil der Rahmen des Buches mehr nicht erlaubt; dennoch wünsche ich mir für Euch, Euch vielleicht neugierig darauf zu machen, selbst tiefer in bestimmte Bereiche einzusteigen. Weiterführende Literaturhinweise findet Ihr am Ende des Buches. Ich habe auch etwas Platz im hinteren Teil des Buches gelassen, wo Ihr Mütter Eure Gedanken zu den entsprechenden Themen aufschreiben könnt. Manchmal ist das in einer späteren Rückschau interessant zu lesen. Viel Freude damit!

Ausmalbilder

Das Ausmalen von Bildern ist so meditativ, dass man die Zeit vergessen kann. Jedes Kind findet Gefallen daran und hat dabei auch noch ein Erfolgserlebnis. Da dieses Buch eine Einladung für Mutter und Kind zu mehr gemeinsamer Zeit ist, habe ich bewusst die Abschnitte „Seelenfutter“ und „Ausmalbilder“ nebeneinandergesetzt. Ich stelle mir vor, dass die Mutter sich genussvoll ein paar erbauliche Gedanken auf der Zunge zergehen lässt, während das Kind oder die Kinder malen. Mama guckt mit einem halben Auge zu und greift vielleicht auch zu einem Stift und malt mit und denkt derweil über ein paar stärkende und ermutigende Worte nach. Alle genießen das Beisammensein. Wie gesagt: „Ist das Kind glücklich, ist auch die Mutter glücklich.“ Am besten vergrößert und kopiert Ihr die Ausmalseite. So ist genug für alle da und Ihr könnt es immer wieder in verschiedenen Variationen ausmalen.

Kräutergeheimnisse

Wer meine kleine Biografie gelesen hat (ganz hinten im Buch), weiß, dass auch Kräuter für mich schon lebenslange Begleiter sind. Das Wissen und die Erfahrungen, die wir unseren Kindern früh vermitteln, bleiben tief verankert und ziehen sich dann häufig wie ein roter Faden durch unser ganzes Leben. Es könnten sogar später Berufe daraus erwachsen. Doch so weit will ich gar nicht greifen. Kräuterwissen verkörpert für mich zum einen Wertschätzung für die Geschenke der Natur und eine Bereicherung für die Küche. Last but not least könntet Ihr gemeinsam den Aufbau einer kleinen Hausapotheke beginnen, mit der man sich bei Wehwehchen selbst helfen kann, bevor man zu konventionellen Methoden greift. Kräuterwissen stärkt eine gewisse Unabhängigkeit. Hier möchte ich noch mal ganz besonders darauf hinweisen, dass meine Anregungen und Rezepte niemals einen Arzt ersetzen und auch nicht als Versprechen auf Heilung gedacht sind.

Grundsätzliches über den Umgang mit Kräutern

Erkennen

Bevor es an das Sammeln geht, ist es unerlässlich, die Kräuter sicher zu erkennen. Es macht Sinn, ein gutes Buch zu haben, das dabei hilft, die Pflanzenmerkmale ordentlich abzufragen. Schaut ganz genau hin, und lieber noch ein zweites Mal. Und bitte, liebe Mütter, achtet darauf, was die Kinder sammeln und hinterfragt immer wieder Euren eigenen Spürsinn für die richtigen Pflanzen, denn es gibt Verwechslungsgefahren, die schlimme Folgen haben können. Hilfreich ist es auch, auf Kräuterführungen zu gehen. Die werden inzwischen überall angeboten. Fangt klein an mit ein paar Kräutern und baut Euer Wissen immer weiter auf.

Sammeln

Das erste, was sich im Frühling zeigt, sind für gewöhnlich die Blätter. Die haben in dem frühen Stadium den höchsten Wirkstoffgehalt und werden dann auch geerntet. Sobald die ersten Blüten kommen, geht die ganze Kraft der Pflanze dort hinein. Die Blätter werden dunkler, häufig ziehen sich dann die guten Wirkstoffe zurück, und sie werden bitter und ungenießbar. Nun werden die Blüten geerntet. Dann kommt die Frucht, anschließend die Samen und im Herbst, wenn die Pflanze verwelkt ist, kann man die Wurzeln ernten. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber wenn Ihr nach diesen Regeln handelt, habt Ihr schon mal einen guten Fahrplan durch das Kräuterjahr.

Grundsätzlich bei der Ernte von Blüten und Blättern sind die frühen Vormittagsstunden besonders günstig, weil später durch die Sonne beispielsweise die guten Ätherischen Öle schon stark verdampft sind. Erntet nie nach langen Regenzeiten oder während des Regens, denn dann schimmeln die Kräuter schnell. Probiert es einfach selbst aus, wie aromatisch ein Kraut schmeckt, was Ihr jeweils einmal morgens, mittags und abends geerntet habt. Das ist eine spannende Erfahrung und schärft Eure Beobachtungsgabe im Umgang mit Kräutern.

Standorte

Es gibt nicht mehr sehr viele Standorte, wo Ihr unbesorgt ernten könnt. Ich nenne hier zunächst alle Orte, die Ihr meiden solltet: Feldränder konventioneller Landwirtschaft; Wegränder und Straßenränder wegen Hundekot und Autoabgasen; Naturschutzgebiete. Was bleibt da noch? Hier und da gibt es noch unbehelligte Flecken Erde, die Ihr auf Euren Spaziergängen mit der Zeit finden werdet. Doch dort solltet Ihr nur behutsam ernten, damit diese kostbaren Plätze erhalten bleiben. Ihr könnt diese Orte aufsuchen, und das Wachstum der Pflanzen beobachten und eventuell kleine Mengen ernten. Achtet beim Ernten in der freien Wildbahn immer darauf, nur einen kleinen Teil zu nehmen, damit Ihr einen Bestand nicht auslöscht. Ich habe inzwischen viele Pflänzchen in meinen Garten eingeladen. Nicht alle sind geblieben, manche sind ein Stückchen weitergewandert oder ganz verschwunden. Das Gute an Kräutern, die Ihr in den Garten holt, ist, dass Ihr keiner Verwechslungsgefahr mehr ausgesetzt seid. Bittet Euren lokalen Gärtner darum, Euch die gewünschten Pflanzen zu beschaffen, oder bestellt sie Euch bei guten Versandfirmen (siehe Adresse im hinteren Teil des Buches), gebt ihnen einen Platz im Garten oder auf dem Balkon, bereichert Euer Umfeld und schont so die Natur.

Trocknen

Die meisten Kräuter könnt Ihr in kleinen Sträußen kopfüber hängend trocknen lassen. Ihr könnet Euch auch luftige Hängerahmen mit einem feinen Maschendrahtzaun bauen. Bitte trocknet sie nicht in Eurer Küche, Schlafzimmer, Speisekammer oder anderen belebten Räumen, denn es befinden sich immer ein paar Insekten in den Kräutern, die nur zu gerne in Eure Essensvorräte oder in Eure Kleiderschränke umziehen. Am besten ist ein Dachboden oder ein Zimmer ohne viele Textilien, das trocken, warm, dunkel und gut belüftet ist.

Konservieren

Wenn Eure gesammelten Kräuter gut getrocknet sind, könnt Ihr sie in Schraubgläsern, die Ihr mit einem lichtschützenden Papier umwickelt, aufbewahren. Sie behalten für gewöhnlich ein Jahr lang ihre Wirkung, danach verändert sich die chemische Zusammensetzung, und ihre heilenden Eigenschaften gehen verloren. Aber dann gibt es ja auch wieder „Nachwuchs“. Also haltet Eure Vorratsmengen in einem gesunden Maß, denn es ist schade, die schöne aber unbrauchbar gewordene Ernte nach einem Jahr fortzuwerfen. Einige überschüssige Kräuter könnt Ihr dann aber noch für schöne Räuchermischungen einsetzen.

Bastel-Spaß

Die Bastelideen sind bewusst einfach gehalten, damit auch die Kleineren oder die in diesem Bereich weniger begabten Mütter mithalten können. Ich gebe hier auch keine genaue Anleitung, lediglich eine Idee, damit Ihr ein Produkt Eurer gemeinsamen Phantasie herstellen könnt. Die meisten benötigten Materialen sollten in einem Kinderhaushalt vorhanden sein. Die vorgestellten Ideen sind immer an das dazugehörige Märchen angepasst und können im Haus oder Garten dekorative Aufgaben übernehmen und Erinnerungen an eine schöne gemeinsame Zeit wachhalten.