„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“

Aristoteles

Dietmar Betz

Mission Manneskraft

Wieviel Spiritualität braucht der Mann?

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Warum dieses Buch?

Einleitung

Vom dreibeinigen Hocker zum vierbeinigen Stuhl

I Status Quo

Sexualität des Mannes: Ein komplexes Unterfangen

Erektion, Orgasmus und Ejakulation

Störungen der männlichen Sexualität

Ganzheitliche Aspekte von Sexualstörungen

Das Gehirn

Limbisches System

Amygdala

Gyrus Cinguli

Hippocampus

Hypothalamus

Neurobiologische Aspekte von Emotionalität und Sexualität

Stressreaktionen

Spiegelneurone

Neuroplastizität

Synchronisation von Herz und Gehirn

Der Mann und sein Körper im 21. Jahrhundert

Der Körper als Maschine

Auswirkungen von Psychischen Traumata

Sektion II Veränderung

Selbstverantwortung

Vom Marktwert zum Selbstwert

Wie gelingt Veränderung?

Vom Umgang mit Gefühlen

Männerfreundschaft

Zurück in den Körper - Yoga statt Feierabendbier

Meditation macht (Männer) sexy

Epigenetik – eine Aufforderung der Wissenschaft, das Leben selbst in die Hand zu nehmen

Sektion III Spiritualität Naturwissenschaft und Medizin

Spiritualität in der Medizin

Ein Physikalischer Ansatz

Energie und interne Kommunikation

Sexualität in der Energetischen Medizin - Wie viel Spiritualität braucht der Mann?

IV Wrap Up

Ein Wort zum Schluss

To Do Liste

Quellennachweis

Vorwort

Warum dieses Buch?

Als Urologe mit einem Schwerpunkt in der Andrologie (Männerheilkunde) habe ich nahezu täglich mit Männern zu tun, die ein unbefriedigendes Sexualleben beklagen.

Nicht immer wird dieses Problem von den Männern als Grund ihres Arztbesuchs angeführt, doch wenn durch gezieltes Fragen ein Raum für ein Gespräch zu diesem Thema geöffnet wird, reagieren die Meisten mit Interesse und berichten von eigenen Erfahrungen und Wünschen nach Verbesserung oder Veränderung des Sexuallebens.

Hier zeigt sich dann die Vielschichtigkeit dieses offenbar weit verbreiteten Problems.

Glücklicherweise hält die moderne Medizin viele Lösungsmöglichkeiten für die betroffenen Männer und deren Partnerinnen bereit, doch nicht für jeden Mann genügt das Handwerkszeug der Mediziner, um das Übel an der Wurzel zu packen.

Häufig finden sich gar nicht erst herkömmlich behandelbare Zustände, sondern eine Ursache für die gestörte Sexualität kann zunächst nicht ausgemacht werden.

Nun stehen die Männer sprichwörtlich orientierungslos im Regen, denn es wird zwar ärztlich bescheinigt, dass keine organische oder schwere psychologische Störung vorliegt, doch eine Lösung des Problems kann nicht in Aussicht gestellt werden.

Hier setzt dieses Buch an.

Um dem immer dringlicher formulierten Anspruch der Patienten an eine ganzheitliche Behandlung ihrer Gesundheitsproblematik gerecht zu werden, sollen hier gewissermaßen Kompass und Regenschirm verfügbar gemacht werden.

Die Sexualität steht dabei bespielhaft und stellvertretend für das Experiment einer ganzheitlichen Annäherung an das Thema Gesundheit.

Vermeintliche Randbezirke wie Mind-Body-Medizin und spirituelle Heilansätze sollen Gegenstand der Betrachtung sein.

Die angesprochenen Männer werden aufgerufen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und im besten Falle fühlen Fachkollegen sich ermutigt, neue, zusätzliche Wege mit ihren Patienten zu gehen oder sie behutsam dorthin zu führen.

Um den gewünschten Blick über den Tellerrand hinaus zu ermöglichen, sollen Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen jenseits der Humanmedizin herangezogen werden.

Dieses Buch und die hier zu erwerbenden Erkenntnisse ersetzen jedoch keinesfalls den Arztbesuch, denn sexuelle Störungen können ein Frühsymptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein!

Es geht mir vielmehr um einen Ansatz an jener Stelle, wo die klassische ärztliche Kunst nicht weiterkommt, obwohl dem Patienten noch nicht geholfen ist.

Für mich als Vollblutmediziner war dieser Weg anfänglich sperrig, da diese Konzepte nicht unbedingt stringent zu dem Gelernten und den Erklärungsstrategien in der Humanmedizin passen.

Mittlerweile sind meine persönlichen Erfahrungen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus meiner Sicht überzeugend genug, um den Schritt zu wagen, diese Konzepte in individualisierte Behandlungspfade zu integrieren.

Einleitung

Wenn ich mit Männern über deren Sexualität spreche, kommt häufig ans Licht, dass es bisher an einer offenen, ehrlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik gemangelt hat.

Beim genaueren Hinschauen fehlt es daran aber nicht nur im Bereich der Sexualität, sondern auch in anderen Aspekten ihres Lebens.

„Stress“ ist häufig ein Grund, warum sie sich keine Zeit dafür nehmen.

Dieser „Stress“ ist in seiner Auswirkung vielfältig und nimmt erheblichen Einfluss auf die Gesundheit des Einzelnen und das Gesundheitswesen im Allgemeinen, das ist hinlänglich bekannt und verhält sich auch in der andrologischen Sprechstunde nicht anders (59).

Frage ich Männer, ob sie mit sich selbst in Kontakt stehen, ernte ich daher zunächst deren Unverständnis. Wie kann man sich der täglichen Körperhygiene widmen und dabei nicht mit sich selbst in Kontakt sein?

Doch gemeint ist etwas Anderes.

Wenn wir dann gemeinsam gedanklich eine Ebene tiefer gehen und nach der Auseinandersetzung mit dem eigenen Seelenleben forschen, schwindet die Verständnislosigkeit.

Viele dieser Männer eröffnen mir in Gesprächen, dass sie sich hier einen Zusammenhang mit ihren Symptomen vorstellen könnten und sich eine Änderung durch eine Annäherung an ihre Wurzeln insgeheim auch wünschen.

Meistens fehlt ihnen das Rüstzeug um hier weiter zu forschen.

Viele hatten diese Form der Auseinandersetzung mit sich selbst bisher schlichtweg nicht auf dem Schirm.

Andere haben diesen Weg für sich bewusst abgelehnt.

Sei es, weil es hierzu erforderlich ist, sich jemanden gegenüber zu öffnen und dass eine solche Person des Vertrauens nicht existiert, oder, weil ihnen nicht klar ist, wie sie hierbei vorgehen sollen.

Manche berichten in dem Zusammenhang auch von der Angst vor möglichen Konsequenzen, die aus einer Begegnung mit diesem Gefühl erwachsen können, sei es im Hinblick auf die eigene Partnerschaft oder das erweiterte Umfeld.

Eine Veränderung der bestehenden Lebenssituation fällt schwer. Viele Männer haben sich komfortabel eingerichtet in ihrem Leben.

Der Job, ein Hobby, vielleicht ein paar Kumpels, damit ist der Alltag ausgefüllt.

Dies zu ändern erfordert Motivation und einen starken Willen.

Auf welche Weise man sich auf die Suche nach einer Bindung zu sich selbst begibt und worin der Nutzen liegen kann, lernt man aber nicht in einem Volkshochschulkurs oder gar in der Schule.

Die Reise ist unbequem und viele Männer machen sich erst dann auf den Weg, wenn das Leben – meist durch eine Krisensituation- sie dazu zwingt.

Die Prägung eines gefühlten Scheiterns in der Krise ist vielfältig und nicht selten leidet dann eben auch die Sexualität.

Gelegentlich beklagen die Männer im Rahmen einer solchen Phase keine Störung der sexuellen Leistungsfähigkeit an sich, sondern einen Mangel an Lust auf sexuellen Austausch. Sie fühlen sich zur Sexualität verpflichtet, so dass eine befriedigende, lust- und hingebungsvolle sexuelle Zweisamkeit nicht gelebt werden kann.

Häufiger geht es jedoch um die Ausübung der Sexualität.

Hier bemerkt der Mann im sexuellen Miteinander in der Partnerschaft mangelnde Ausdauer. Er kommt viel zu früh zum Höhepunkt, so dass die Partnerin unbefriedigt zurückbleibt. In wieder anderen Fällen stellt sich eine ausreichende Erektion gar nicht erst ein und der sexuelle Akt kann nicht vollzogen werden.

Wie auch immer die Ausprägung geartet sein mag, auf Dauer resultiert eine Belastung für die Intimität der Partnerschaft.

Sexualität spielt in nahezu jeder Paarbeziehung eine zentrale Rolle und ist ein Gradmesser für die Zufriedenheit jedes Einzelnen in der Beziehung.

Aber auch die Qualität des Miteinander wird durch die gemeinsame Körperlichkeit entscheidend mitbestimmt. Eine befriedigende Sexualität hat Konsequenzen für die emotionale Verbundenheit, die der rein körperlichen folgend ebenso unbefriedigend gestaltet wird, was für viele Männer aber weniger greifbar bleibt als die körperliche Ebene.

So ist es verständlich, dass eine gestörte Sexualität in der Partnerschaft Unfrieden stiftet und, wenn das Problem nicht angegangen wird, mit zunehmender Dauer zu einer Gefahr für das Fortbestehen derselben werden kann.

Der Druck im Innenleben des Mannes steigt.

Er will unbedingt „liefern“, startet jedoch jeden erneuten Versuch mit der Bürde der stattgehabten Niederlage.

In den Köpfen der Männer entwickelt das Problemszenario dann eine Eigendynamik.

Sie äußert ihre Unzufriedenheit.

Er muss etwas ändern.

Gelingt dies nicht, wird im schlimmsten Falle die Partnerschaft beendet und er bleibt allein zurück.

Nicht selten berichten Männer in diesem Szenario von Versagensängsten bis hin zu der Vorstellung, die Partnerin könne sich einem Anderen hingeben und einem damit verbundenen Gefühl von Kleinheit und Vernichtung.

Dann ist sie da, die bedrohliche Krise für den Mann.

Was im Anschluss an die Vorstellung in der urologischen oder andrologischen Sprechstunde folgt, sind aufwendige medizinische Untersuchungen, um körperliche Leiden oder hormonelle Störungen als Ursachen für die vorgebrachte Problematik auszumachen.

Dieses Vorgehen ist richtig und wichtig, denn tatsächlich gelingt es immer wieder, eine organische Erkrankung als Grund für die beschriebenen Symptome auszumachen und zu behandeln.

Diese Leiden sind nicht trivial, es kann sich zum Beispiel bei einer Erektionsstörung gelegentlich um eine frühe Manifestation von schwerwiegenden Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes Mellitus oder gar um ein erstes Anzeichen einer Gefäßerkrankung mit drohendem Herzinfarkt handeln.

Daher sollte am Anfang der Behandlungskaskade auch immer die Konsultation eines Arztes stehen und eine entsprechende Abklärung erfolgen.

In vielen Fällen allerdings stehen am Ende dieses Prozesses –gerade bei jüngeren Männern - nicht selten folgende zwei Botschaften:

Die Erste lautet: „Sie sind gesund“.

Sämtliche Untersuchungen sind in diesem Falle unauffällig geblieben und die Ergebnisse zeigen keinen –im medizinischen Sinne- positiven Befund, welcher eine Behandlungsmöglichkeit nach sich ziehen würde.

Die Männer werden sodann wieder aus der ärztlichen Obhut entlassen.

Die zweite Botschaft folgt implizit, sickert mit einiger zeitlicher Verzögerung in das Bewusstsein der Männer hinein und bedeutet: „Das Problem ist nicht gelöst“.

Auch wenn die erste, gute Nachricht eine Weile positiv nachwirkt, hält das stärkende Gefühl der ärztlich bescheinigten männlichen Unversehrtheit nicht ewig vor.

Was quält, ist die dunkle Ahnung.

Spätestens beim nächsten Akt, der nicht befriedigend vollzogen werden kann, folgt eine weitere Niederlage.

Danach treibt die Angst vor dem neuerlichen Versagen die Männer häufig in ein Vermeidungsverhalten und das Beziehungsdilemma spitzt sich unweigerlich zu.

Hier nun will ich den Faden aufnehmen und zwei Disziplinen miteinander verflechten, die einander in der allgemeinen Wahrnehmung diametral gegenüber zu stehen scheinen: Naturwissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über den Körper des Mannes einerseits und die wissenschaftlich kaum fassbare Welt des Seelenlebens und der Spiritualität in Zusammenhang mit Heilung andererseits. Über den Einfluss dieser Verflechtung auf Beziehung, Sexualität und Gesundheit des Mannes versuche ich, das Portfolio der Möglichkeiten, ein gesundes und befriedigendes (Sexual)leben führen zu können, zu erweitern.

Spiritualität ist hier nicht zu verstehen als eine Glaubensrichtung im weitesten Sinne, sondern fasst vielmehr verschiedene Heilweisen zusammen, die seelische und energetische Konzepte zugrunde legen.

Vom dreibeinigen Hocker zum vierbeinigen Stuhl

Zum besseren Verständnis ist es hilfreich, zunächst die zur Verfügung stehenden Aspekte von Genesung grundsätzlich zu benennen.

Das mittlerweile antiquierte Modell des ärztlichen Halbgottes in Weiß, der für die Heilung einer Krankheit und die Gesundung der Patienten allein verantwortlich ist, wurde spätestens mit der Entdeckung der Placebowirkung in Frage gestellt.

Als „Placeboeffekt“ bezeichnet man positive Veränderungen des Gesundheitszustandes, die durch die Behandlung mit einer wirkstofffreien Substanz erzielt werden, also zum Beispiel mit einer Tablette, die zwar kein Medikament enthält, aber täuschend echt aussieht.

In Studien wurde nachgewiesen, dass die Behandlung eines Leidens mit einer ärztlich verordneten Tablette, die –ohne Wissen des Patienten - keinen Wirkstoff enthält, zu einer signifikanten Besserung des Leidens führt.

Hier wirken also weder ärztliche Kunst noch chemische Substanzen, sondern möglicherweise der Glaube des Patienten an die Genesung.

Neuere Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass der Placeboeffekt tatsächlich verschiedene messbare Veränderungen im Gehirn nach sich zieht. Unter anderem konnte man einen Anstieg der als Glückshormon bezeichneten Substanz Dopamin im Gehirn nach Einnahme eines Medikamentes messen, selbst wenn die Tablette keinen Wirkstoff enthielt.

Mittlerweile hat dieser Effekt Einzug in die klinische Forschung gehalten, denn in der Prüfung der Wirksamkeit neu entwickelter Medikamente müssen diese unter Beweis stellen, dass sie potenter sind und somit besser wirken, als der Placeboeffekt alleine.

Doch nicht nur die Entdeckung des Placebo-Effektes sorgte für eine veränderte Wahrnehmung der möglichen Faktoren, die für Heilung und Genesung wichtig sind.

Am 21. November 1986 rief die Weltgesundheitsorganisation zum aktiven Handeln für das Ziel „Gesundheit für Alle“ auf und verabschiedete in Ottawa die Charta zur Gesundheitsförderung.

Erstmals wurde offiziell gefordert, „…allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“. Spätestens hier wurde klar formuliert, dass die ärztliche Kunst nicht allein für die Genesung verantwortlich ist.

Herbert Benson, der in der Welt der Mediziner als Begründer der „Mind-Body Medizin“ gehandelt wird, hat 1993 zur weiteren Erläuterung das Bild eines dreibeinigen Hockers bemüht, wobei jedes dieser drei Beine gleichsam eine Säule zur Gesundung darstellt.

Die erste dieser Säulen steht für alle Medizinischen Interventionen, also Maßnahmen, die der Arzt am Patienten durchführt. Hierzu zählen Operationen genauso wie manuelle Therapie und psychotherapeutische Interventionen.

Die zweite Säule repräsentiert alles, was der Patient vom Arzt verordnet bekommt, also chemisch hergestellte Medikamente ebenso wie

homöopathisch wirksame Substanzen.

Das dritte Bein des Hockers, welches zwingend erforderlich ist, um einen sichereren Stand zu gewähren, ist eben diese von der WHO neu definierte Säule, die den Patienten in Form einer aktiven und auf sich selbst bezogen Selbsthilfe in den Zyklus der Gesundung mit einbezieht.

Im Hinblick auf dieses Buch kommt dieser Säule eine besondere Bedeutung zu.

Warum das wichtig ist, soll folgendes Beispiel verdeutlichen.

Im Jahre 2018 stellte sich ein Mann in meiner Sprechstunde vor und antwortete auf meine Frage, was ich für ihn tun könne, folgendes:

„Meine Frau hatte gestern Kontakt zu meinen Genitalien und sie hat den Eindruck gewonnen, da sei etwas nicht in Ordnung. Vielleicht können sie einmal nachsehen“.

Das beeindruckende an dieser Aussage ist die Botschaft, die sich hinter seinem vorgebrachten Anliegen verbirgt: Der Patient delegiert die „Inspektion“ seines Körpers an eine andere Person. Er spricht über seinen Genitalbereich als etwas fremd Anmutendes und vermittelt den Eindruck, unbeteiligt zu sein und dies auch bleiben zu wollen.

Möglicherweise steht dieser Mann also auf physischer Ebene nicht oder nur schambehaftet mit sich selbst in Kontakt. Sein Körper wird als etwas mit seiner Erlebnis- und Wahrnehmungswelt nicht Verbundenes angesehen, und er externalisiert mittels seiner Umschreibung nicht nur die Befähigung zur Hilfe oder Heilung, sondern auch die Ermächtigung zu beurteilen, ob alles in Ordnung sei.

Durch so eine Art der Formulierung wird deutlich, was mit Selbstkompetenz gemeint ist. Man kann sich nur selbst helfen, wenn man über genügend Körpergefühl verfügt, um eine Wahrnehmung körperlich harmonischer Zustände einerseits und physische Störgefühle andererseits zu ermöglichen.

Es macht also durchaus Sinn, die oben beschriebene Kompetenz zur Selbsthilfe und Selbstwahrnehmung zu fördern und so gewissermaßen das dritte Stuhlbein zu einer festen Säule heranwachsen zu lassen.

Ich möchte dieses Modell nun noch erweitern, um die Gesundheit am Beispiel der Sexualität des Mannes in Zukunft nicht auf einem unbequemen dreibeinigen Hocker, sondern gleichsam auf einem komfortablen vierbeinigen Sessel platznehmen zu lassen.

Dieses vierte Standbein nenne ich -zugegebenermaßen etwas aufgeblasen- „Die spirituelle Säule der Salutogenese“.

Hier geht es um eine Ebene der Betrachtung, in der wir die klassisch naturwissenschaftliche Erklärung der körperlichen und geistigen Gesundheit verlassen und eine andere Perspektive einnehmen.

Es geht im Weitesten um die spirituellen und energetischen Formen der Heilung.

Phänomene zur Erklärung dessen, was hier zur Genesung beiträgt, gibt es zahlreiche, die wissenschaftliche Beweisführung zur Wirksamkeit allerdings ist noch dünn.

Dennoch werde ich versuchen, die aus meiner Sicht sinnvolle Integration dieser vierten Säule in die moderne, ganzheitliche Betrachtung des Menschen - und im Besonderen des Mannes und dessen (sexuelle) Gesundheit - zu erläutern.

Ich werde mich in diesem Buch nicht um die beiden erstgenannten Säulen kümmern, darüber ist hinlänglich geschrieben worden, und die Entwicklung schreitet ständig weiter voran. Es steht hierzu genügend Fachliteratur, die auch für medizinische Laien durchaus verständlich formuliert wurde, zur Verfügung.

Mein Augenmerk richte ich vielmehr auf die Säulen drei und vier, also auf die Eigenverantwortung des Patienten, zum Großteil verankert in der Mind-Body-Medizin, und die spirituelle Ebene der Medizin, die Männer für sich nutzbar machen können.

Aber Achtung! Zwei Dinge sind mir wichtig:

1. Dieses Buch ersetzt NICHT den Arztbesuch, der immer an erster Stelle erfolgen muss, denn sexuelle Störungen können ein Frühsymptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein und dies sollte ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden!

2.Der hier vorgestellte Weg erfordert die Bereitschaft, sich gedanklich auf etwas einzulassen, was zum Teil außerhalb des naturwissenschaftlich Fassbaren und somit jenseits unserer gesicherten Denkstrukturen beheimatet ist. Wir werden dabei auf Widerstände stoßen, die von Innen kommen und versuchen, uns zur Umkehr zu überreden. Diese gilt es zu überwinden, damit wir am Ende ernsthaft herausfinden können, ob es sich künftig lohnen kann, diesen neuen Weg zu beschreiten oder nicht.