Dichter Dichter 1: Milan

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Milan: Club der Dichten Dichter 1

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Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig.

 

1. Dichte Dichter

 

Zehn Minuten, bevor sein Leben kippte, bekam Milan endlich sein Bier. Die Kellnerin, die es vor ihm auf die zerkratzte Holzplatte stellte, war neu. Ihr Blick huschte über sein Gesicht, flackerte, verharrte einen Moment, wich aus und kehrte dann langsam wieder zurück. So sahen ihn alle an, wenn sie ihn zum ersten Mal anschauten.

Auch der Rest der Runde bekam die übliche Reaktion ab. Die Kellnerin bewunderte Robs hübsches Gesicht, übersah Valentin und verharrte einen Moment bei Zebulons blonden Dreadlocks, den bunten Holzketten um seinen Hals und den gebräunten Armen, die aus dem seltsamen Sack, den er trug, herausragten.

»Bisschen kalt dafür, oder?«, fragte sie und hielt Zebulon das Indian Pale Ale hin, das er mit einem verächtlichen Schnauben entgegennahm.

»Kälte ist eine rein subjektive Empfindung«, sagte er. »Es gibt eine Kommune am Kobuk River, die das ganze Jahr über nackt ist. Keiner von denen ist je erfroren, obwohl es …«

»Prost!«, sagte Milan, laut genug, um den Vortrag im Keim zu ersticken. Wenn man Zebulon nicht schon beim zweiten Satz unterbrach, konnte man sich stundenlang Geschichten von seinen verdammten Reisen anhören. Die Moral war stets dieselbe: Überall war es schöner als in Berlin, die Menschen waren freundlicher und, selbst wenn sie nur eine Socke und eine Nase voll Rotz besaßen, glücklicher.

»Prost«, stimmten Rob und Valentin ein. Die Kellnerin schenkte Milan einen letzten Blick und wandte sich um. Dieser letzte Blick war eindeutig interessiert gewesen. Es waren die Narben. Die tiefe in seiner Augenbraue und Wange und die kleinere, die seine Oberlippe einkerbte. Oder vielleicht war es auch sein muskelstrotzender Körper in den schwarzen Klamotten.

»Du bist ein Klischee auf zwei Beinen«, sagte Rob und ließ sein Hefeweizen gegen Milans Pils klirren.

»Was soll das denn heißen?«, brummte Milan.

»Das soll heißen«, Rob grinste, »dass ich gerade einen Artikel auf Krimifans.org über dich gelesen habe. Was zur Hölle ist das für ein Foto?«

Er hielt Milan sein Handy hin. Dessen eigenes Antlitz schaute ihm entgegen: schwarzweiß, im Halbschatten, scharfkantig, düster und rau.

»Du siehst aus, als würdest du einen drittklassigen Rockerclub leiten.« Zebulon hob eine Augenbraue. »Aber ich schätze, das ist dein Image: Milan Stein, knallharter Thrillerautor.«

»So sieht's aus.« Milan trank den ersten Schluck. Herb und kühl. Der Schaum legte sich auf seine Oberlippe, zart wie der Kuss eines schüchternen Liebhabers. Es war Jahre her, dass Milan einen schüchternen Liebhaber gehabt hatte. Die Männer, mit denen er sich nun traf, wussten, was sie wollten. Genau wie er.

»Sag ich doch: Ein Klischee.« Robs Grinsen wurde noch breiter. Der konnte es mal wieder nicht lassen. »Milan Stein: Dunkel und geheimnisvoll und, Moment, ich zitiere den Artikel, von einer tiefschwarzen Aura der Gefahr umgeben. Frauen wollen ihn. Männer wollen wie er sein.«

Zebulon schüttelte den Kopf. »Welcher Anfänger hat diesen Text geschrieben? Das ist ja eine Plattitüde nach der nächsten. Lass mich raten, was als Nächstes kommt: Als er den Raum betritt, drehen sich alle nach ihm um.«

»Jupp.« Rob las weiter, mit spottgeschwängerter Stimme. »Er könnte sich problemlos in die Reihe seiner Romanhelden mischen und würde nicht auffallen. Seine Helden sind gebrochene Männer: Auftragskiller, glücklose Detektive und verbitterte Veteranen. Männer, denen das Leben übel mitgespielt hat, und die sich dennoch einen Rest Anstand bewahrt …«

»He, Rob.« Milan wischte sich den Schaum von der Lippe. »Kennst du den Witz von deiner Mutter und der fetten grünen Gurke?«

Valentin sah auf die Tischplatte. Zebulon verdrehte die Augen. Rob reagierte mit einem charmanten Augenaufschlag.

»Kennst du den von deiner Mutter und dem fetten grünen Gurkenverkäufer?«

So einer wäre Milans Mutter zuzutrauen, aber das sagte er nicht. Stattdessen lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und prostete Rob zu.

»Was laberst du da? Ein Schluck Bier und schon so besoffen, Robbel? Du Leichtgewicht.«

»Wir können nicht alle so harte Kerle sein wie Milan Stein, der mega-männliche Thrillergott. Einige von uns haben romantische Seelen.«

»Sicher, du Schmonzetten-Luder.«

Rob lachte. »Dieses Luder verdient mehr Geld als ihr alle zusammen.«

»Dieses Luder gibt nicht mal zu, dass es ein Kerl ist. Was würden deine Leserinnen dazu sagen?«

»Zu mir?« Rob strich den dünnen Pullover so zurecht, dass man sein Sixpack erahnen konnte. »Die wären begeistert, wenn sie wüssten, was für ein heißer Kerl ihr Herzfutter schreibt.«

»Wieso sagst du es ihnen dann nicht?«

»Genau. Warum diese Lügerei?« Zebulon schaute tadelnd. »In anderen Kulturen wird Lügen mit dem Verlust der Seele gleichgesetzt.«

»Aber nicht in Berlin.« Rob zuckte mit den Schultern. »Der Verlag besteht darauf, dass Eve M. Nightshade ein geschlossenes Pseudonym bleibt. Ist mir recht. So kann ich wenigstens in Ruhe Bier trinken und werde nicht erkannt.«

»Autoren werden nie erkannt«, grummelte Zebulon. »Was nur beweist, in welch literaturfeindlicher Gesellschaft wir leben …«

Milans Gedanken schweiften ab. Er kannte Zebulons Vorträge seit Jahren und der Trottel bestand trotzdem darauf, sie jeden Dienstag wieder zu halten. Jeden Dienstag, wenn sie sich hier trafen. Im Hemingways, dem gemütlichen, billigen Pub, dessen Wände mit alten Fotos und noch älteren Büchern übersät waren und dessen Deckenbalken so schief waren, dass die staubige Decke durchhing wie der Arsch einer alten Hafennutte. Bierdunst und gedämpfte Gespräche schwebten durch die Luft. Meghan, die Besitzerin, stand hinter der Bar und redete mit einem Stammgast. Fast jeder hier war ein Stammgast. Auch Milan und seine Kollegen.

Vor drei Jahren hatten sie den Autorenstammtisch gegründet. Mal waren sie zu zehnt, mal kam nur die Kerntruppe: Rob, Milan und Valentin. Zebulon tauchte auf und verschwand, ohne irgendjemandem vorher Bescheid zu geben. Er war Reiseschriftsteller, Blogger und trieb sich als Backpacker in der Weltgeschichte herum. Immer wenn er von einem Trip zurückkehrte, war er unausstehlicher geworden. Aber seine Bücher verkauften sich. Genau wie die der anderen, na, außer das von Valentin. Der korrigierte seit Jahren an seinem Erstling herum, einem Historienschinken, der nie fertig wurde. Rob dagegen schien ein Buch pro Monat zu schreiben. Bald würde wieder eins erscheinen.

»Ich geh eine rauchen«, sagte Milan, als Zebulon begann, sich auf sein Lieblingsthema einzuschießen: das deutsche Fernsehen und seine Unfähigkeit, gute Stoffe zu finden oder gar umzusetzen. Er hatte früher davon geträumt, Regisseur zu werden. Rob diskutierte gern mit ihm, aber Milan reichte es. Er konnte es kaum erwarten, dass Zebulon wieder an den Amazonas oder sonst wohin verschwand. Und er mochte den nervigen Trottel.

Milan stand auf, zog seine Lederjacke über und kramte in den Taschen nach Tabak. Noch während er an den dunklen Holztischen voll ernsthaft diskutierender und ernsthaft saufender Gäste vorbeiging, drehte er sich eine Kippe. Vorsichtig taxierende Blicke trafen ihn. Nervig. Er beeilte sich, nach draußen zu kommen. Kaum hatte er die schwere Tür aufgestoßen, fühlte er sich besser. Die Luft roch nach nasser Straße und der Dönerbude nebenan. Fettschwaden, Zwiebelduft und sanfter Sprühregen krochen in seine Nase. Er schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch und stellte sich unter die verblasste Markise. Nassglänzende Autos rauschten durch die schmale Seitenstraße, trübe Pfützen aufwirbelnd. Graubraunes Wasser schwappte auf den Gehsteig.

Das Feuerzeug erhellte Milans Handflächen. Auch sie waren von Narben übersät. Glücklicherweise. Hätte er sich damals nicht mit den Händen geschützt, hätte er ein Auge verloren. Lange her. Die Spuren waren verblasst und alt. Wie weiße Blitze schlängelten sie sich über seine Haut, drei auf der linken, eine auf der rechten Hand.

Während er den Rauch tief in seine Lungen sog, erinnerte er sich daran, wie Jules' Zeigefinger diese Linien nachgezeichnet hatte. Vorsichtig, kitzlig. Er konnte es fast spüren. Immer noch. Dabei war das schon wie lange her? Ein halbes Leben? Damals war er sechzehn gewesen und heute fast dreißig. Und er hatte sich in den Jahren nicht gerade gelangweilt. Männer, Abenteuer, furchtbare Abstürze und schwindelerregende Höhenflüge waren dicht aufeinandergefolgt. Doch Jules war Jules. Wie ein hartnäckiger Geist tauchte er immer wieder in Milans Kopf auf. Egal, wie viel Zeit verstrich. 2016 hatte er es drei Wochen lang geschafft, nicht an ihn zu denken. Aber die Erinnerung war zurückgekehrt. Wie immer.

Und das ist gut so, dachte Milan. Wenigstens das habe ich noch von ihm. Meinem … Bruder.

Jules' schräges Lächeln erschien vor seinem inneren Auge. Die ungleich langen Schneidezähne, die ihn frech aussehen ließen, obwohl er ein totaler Streber war. Na ja, bis er Milans Bruder geworden war. Der hatte ihn nicht schnell genug in den Abgrund …

Milan schüttelte den Kopf. »Lass den Scheiß«, murmelte er. »Das ist vorbei.«

Er richtete den Blick in den nachtschwarzen Himmel. Der Regen wurde stärker. Plätschernd fiel er vom Rand der Markise. Milan beobachtete die Rauchwolke, die aus seinem Mund schwebte und sich in der Dunkelheit auflöste. Rob wollte nachher noch in die Manobar. Was Warmes fürs Bettchen finden, hatte er gesagt. Milan würde mitgehen, schließlich war er seinem Zeitplan voraus. Das neue Manuskript ging gut voran. Er hatte heute drei grausame Morde beschrieben: Eine Häutung, eine Verätzung, und das dritte Opfer war qualvoll an einer Einhornspardose erstickt. Er hatte sich eine Belohnung verdient. Laura, seine Agentin, würde begeistert sein …

»Milan?«

Ein Orkan kam aus dem Nichts und fegte durch seinen Magen. Noch bevor er sich umdrehte, wusste er, dass sein Verderben hinter ihm stand. Also verharrte er. Eine endlose Sekunde lang.

Verdammt, wer ist das?, dachte er. Ich kenne die Stimme, aber wer ist das? Warum …

Warum prickelten seine Finger plötzlich so stark, dass die verdammte Kippe ihnen entglitt? Stockstarr sah er zu, wie sie zu Boden segelte und zischend auf dem Pflaster landete.

»Milan? Das … Du bist es, oder?« Eine Stimme wie Rauch und Honig. So köstlich, dass er sich endlich umdrehen musste.

»Bin ich«, sagte er lässig. »Und wer …«

Er erstarrte. Ein Mann stand vor ihm. Ein dunkelblonder, attraktiver, triefend nasser Mann, in dessen Wimpern Regentropfen glänzten. Seine Lippen teilten sich zu einem schrägen Lächeln und zwei ungleiche Schneidezähne erschienen.

Ein Krächzen drang aus Milans Kehle.

2. Jules

 

»So ein Zufall«, sagte Jules und dann noch etwas, das Milan nicht verstand, weil Jules so verdammt heiß aussah, dass der Regen auf seinem Körper sich in Dampf hätte verwandeln müssen. Schmale Hüften in Jeans, die sich so eng darum schmiegten, dass Milans Kehle austrocknete. Ein kräftiger Oberkörper in einer grauen Wolljacke und dieses Lächeln, dieses umwerfend schöne, schräge, schiefzahnige Lächeln in dem scharfgeschnittenen Gesicht.

Er hat keine Brille mehr, dachte Milan, was immerhin ein vernünftiger Gedanke war. Oder hat er sie abgenommen, weil sie sonst beschlagen würde? Und er hat … einen Dreitagebart, nein einen Zehntagebart, mindestens …

Verdammt, den Anblick würde er nie wieder aus dem Kopf bekommen. Da war kein Babyspeck mehr, nur noch kantige Züge und dieses fröhliche Leuchten, das er damals schon …

Jules sagte etwas, und Milan hätte ihm wirklich zuhören sollen, allein schon, um den Klang seiner Stimme zu genießen. Mit geballten Fäusten zwang er sich zurück in die Wirklichkeit.

»… ich hätte nicht gedacht, dass du jetzt auch hier wohnst«, sagte Jules.

»Hier?«

»In Berlin.« Jules fuhr sich durch die Haare, so dass sie noch chaotischer wurden. Milans Finger zuckten vor Verlangen, hindurchzufahren und sie in Ordnung zu bringen. Oder noch mehr zu verstrubbeln. Oder sie zu packen und Jules an sich zu ziehen.

»Ah, das.« Milan räusperte sich. Betont cool griff er in seine Jackentasche, befahl seinen Fingern, mit diesem dämlichen Zittern aufzuhören, und holte den Tabak heraus. »Ich bin vor ein paar Jahren hergezogen. Damals gab's noch billige Wohnungen und ich hatte kein Geld.« Irgendwie brachte er ein Lächeln zustande. »Das war lange vor meinem ersten Buchvertrag. Ich … he. Du wirst lachen: Ich bin jetzt Autor.«

Jules lachte nicht. Er nickte und lächelte, eine Geste, die so vertraut war, dass sie einen Dolch direkt durch Milans Herz sandte.

»Ich weiß. Ich habe dein letztes Buch gelesen.« Jules verzog den Mund, als wäre es ihm ein wenig peinlich. »Ehrlich gesagt habe ich alle gelesen. Beim … beim ersten wusste ich noch nicht, dass du das bist. Der Nachname und so. »Stein« passt zu dir.«

»Klingt halt besser als »Wurstbader«.«

»Ein wenig. Ich bin fast umgekippt, als ich dein Foto auf der letzten Seite gesehen habe.«

»Darauf hast du mich erkannt?« Milan sah auf seine Finger, die eine jämmerlich krumme Zigarette drehten. »Das ist doch fast nur Schatten. Man sieht nicht mal die Narben.«

»Ich würde dich immer erkennen.« Jules klang so aufrichtig, wie nur er es konnte. All die Jahre und in dem göttlichen Männerkörper vor Milan steckte immer noch ein kleiner Pfadfinder. »Ich meine, so sehr hast du dich auch nicht verändert.«

»Echt? Ich finde, ich bin viel hübscher geworden.« Milan grinste.

Innerlich machte er eine Zeitreise, zurück in sein erbärmliches, sechzehnjähriges Ich von damals. Unsicher, panisch und halb ruiniert von dem Gedanken daran, Jules irgendwann, eines Tages zu küssen. Und das alles hatte er kompensiert, indem er jedem auf's Maul gehauen hatte, der ihn irgendwie provoziert hatte. Früher war er ein noch größerer Trottel gewesen als jetzt.

Ich sollte etwas sagen. Etwas Unverfängliches. Etwas Gewöhnliches.

»Und was machst du jetzt so?«, fragte er. Eine normale Frage unter Erwachsenen. Sehr gut.

»Ich? Oh, ich bin Backend Developer in einer Gamesfirma«, sagte Jules. Sein Blick huschte zum Boden und zurück. »Hammerplay. Die haben mich letztes Jahr hergeholt. Ich …« Er verstummte. Ein Kleinwagen brauste vorbei und überschwemmte den Bürgersteig. Die Brühe floss fast bis zu ihren Füßen, Milans derben Stiefeln und Jules' schmalen schwarzen Sneakers.

»Klingt gut«, sagte Milan schließlich, weil ihm nichts Besseres einfiel. Sag was Interessantes, schrie er sich innerlich selbst an. »Und, zahlen die gut?«

Super. Sehr spannend. Und die Kippe war auch ein erbärmliches Stück geworden. Trotzdem zündete er sie an. Das Nikotin hätte ihn beruhigen sollen, stattdessen fühlte er sich so benebelt, als wäre es die erste seines Lebens.

»Ja, ganz anständig.« Jules fuhr sich schon wieder durch die Haare. Seine dunklen Augen schienen Milans Gesicht zu durchleuchten, also versuchte der, es hart und undurchdringlich zu machen. »Ich schätze, als Bestsellerautor verdient man mehr.«

»Nicht so gut, wie alle denken«, brummte Milan. »Ich kann mir 'ne luxuriöse Zweizimmerbude leisten und einmal im Jahr Urlaub machen.«

»Oh, echt?« Jules straffte sich. Er war immer noch ein wenig kleiner als Milan. Gerade so groß, dass Milan seine Nase hätte küssen können, wenn er sich nur ein wenig vorgebeugt hätte. »Ich … Hey, ich würde gern mehr davon hören. Ich meine … Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Zehn Jahre? Ich weiß gar nichts mehr über dich. Dabei waren wir doch mal Brüder. Fast Brüder.«

Es waren zwölf Jahre und das war eine furchtbare Idee.

»Ist ein bisschen schlecht gerade«, sagte Milan. »Ich hab viel zu tun. Das nächste Buch muss fertig werden.«

»Oh.« Jules schien nicht zu wissen, was er sagen sollte. »Und danach? Wir könnten kurz einen Kaffee trinken, zwischendurch …« Ein Hauch der alten, hinreißenden Unsicherheit schlich sich in seine Stimme.

»Sorry, ich hab wirklich zu tun. Ich meld mich, wenn's besser aussieht.« Milan warf die kaum gerauchte Kippe zu Boden, trat sie aus und wandte sich zur Tür. »War nett, dich wiederzusehen. Mach's gut.«

»Du … auch.« Er hörte das Zögern in Jules' Stimme. Wahrscheinlich hielt der ihn für vollkommen bescheuert. Oder für ein Arschloch. Ein Arschloch, das behauptete, es würde sich melden, obwohl es nicht mal seine Nummer hatte.