coverpage

Über dieses Buch:

London im Herbst 1940: Die Stadt wird von Bombenangriffen erschüttert. Doch die deutschen Fliegerstaffeln sind nicht die einzige Gefahr – während der Sperrstunde treibt im Schutze der Dunkelheit ein kaltblütiger Mörder sein Unwesen. Seine Opfer: schöne junge Prostituierte. Trotz der Angst, die jede Nacht aufs Neue beginnt, und der beklemmenden Finsternis in der kriegserschütterten Stadt, kann die junge Büroangestellte Lucy sich nicht vorstellen, zu fliehen. Unerschrocken führt sie ihr Leben weiter, versucht, Freunde zu finden, den Schrecken um sich herum ein Lächeln entgegenzusetzen – und bringt sich dabei in tödliche Gefahr …

Ein fesselnder Thriller, der auf der wahren Geschichte des »Blackout-Rippers« basiert.

Über die Autorin:

Laura Wilson kommt aus London und studierte englische Literaturwissenschaft am Somerville College in Oxford und an der UCL in London. Heute lebt sie in Islington, London, ist als Krimi-Rezensentin für den Guardian tätig und lehrt Kreatives Schreiben an der City University. Für ihren Thriller »Wenn die Nacht kommt« gewann sie in Frankreich den Prix Polar Europeen. Ihre Thriller erreichen regelmäßig die Shortlists bekannter Literaturpreise.

Bei dotbooks erscheinen von Laura Wilson die Thriller »Blinder Gehorsam«, »Wo die Wahrheit ruht«, »Kehre nicht zurück«, »Ein reines Herz« und »Vermissen wird dich niemand«.

***

eBook-Neuausgabe Januar 2021

Die englische Originalausgabe erschien erstmals 2004 unter dem Originaltitel »The Lover« bei Orion, London.

Copyright © der englischen Originalausgabe 2004 by Laura Wilson

Copyright © der deutschen Erstausgabe 2005 Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © der Neuausgabe 2020 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Zoran Krstic, QQ7

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)

ISBN 978-3-96655-142-7

***

Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

***

Sind Sie auf der Suche nach attraktiven Preisschnäppchen, spannenden Neuerscheinungen und Gewinnspielen, bei denen Sie sich auf kostenlose eBooks freuen können? Dann melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an: www.dotbooks.de/newsletter.html (Versand zweimal im Monat – unkomplizierte Kündigung-per-Klick jederzeit möglich.)

***

Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weitere Bücher aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort »Wenn die Nacht kommt« an: lesetipp@dotbooks.de (Wir nutzen Ihre an uns übermittelten Daten nur, um Ihre Anfrage beantworten zu können – danach werden sie ohne Auswertung, Weitergabe an Dritte oder zeitliche Verzögerung gelöscht.)

***

Besuchen Sie uns im Internet:

www.dotbooks.de

www.facebook.com/dotbooks

www.instagram.com/dotbooks

blog.dotbooks.de/

Laura Wilson

Wenn die Nacht kommt

Thriller

Aus dem Englischen von Caroline Einhäupl

dotbooks.

Für alle, die es durchgemacht haben,
und in Erinnerung an jene,
die ums Leben gekommen sind

Prolog

Samstag, 19. Oktober 1940

Soho, London

Es war stockdunkel in der Gasse. Sich gegenseitig stützend, schlurften die beiden Männer in nach Rauch und Bier stinkenden Mänteln und Hüten über das kaputte Pflaster.

»Ich hab zu ihr gesagt«, lallte George, »hör auf dir vorzustellen, wie du aussiehst, wenn du in Stücke zerrissen bist. Geh doch in den Bunker, wenn du willst, hab ich gesagt. Ich steh wegen diesem blöden Hitler nicht auf. Deine Phantasie geht mit dir durch, das ist dein Problem.«

Bob rülpste. »Hätte das Letzte nicht mehr trinken sollen.«

»Man kann nicht mehr mit ihr reden«, sagte der andere. »Seit es die Leute drei Häuser weiter erwischt hat, ist sie mit den Nerven völlig runter ...«

»Schweine sind das ... Weißt du was?«

»Nein, was?«

»Ich kann absolut nichts sehen.«

»Ich auch nicht.«

Schwankend blieben sie stehen und spähten hoffnungslos in das schwarze Nichts.

»Hast du eine Taschenlampe?«, fragte Bob.

»Keine Batterien. Im Laden gibt's schon seit zwei Wochen keine mehr und woanders auch nicht.«

»Na dann ...« Bob machte einen Schritt vorwärts. »Hauptsache, wir laufen nicht gegen irgendeine Mauer.«

»Nach den letzten Nächten gibt es doch gar keine Mauern mehr. Gestern hab ich einen guten Witz gehört, kennst du den schon? Drei Männer im Pub, ziemlich betrunken ...«

»... wie du ...«

»Jedenfalls versprechen sich die drei, alles zu tun, was ihre Frauen ihnen sagen, wenn sie nach Hause kommen. Wer es nicht tut, muss den anderen einen ausgeben. Am nächsten Tag treffen sie sich wieder. Der erste sagt: ›Also, ich hab's gemacht. Als ich nach Hause kam, war ich ein bisschen ... ihr wisst schon ... jedenfalls hab ich ins Waschbecken gepinkelt, und meine Alte sagt: ›So ist es recht, pinkel alles voll.‹ Und das hab ich gemacht ... den Tisch, den Sessel, die Gardinen, den Teppich ...‹«

»Vorsicht!« George rutschte beinahe aus und prallte gegen Bob, der ihn am Arm packte.

»Hey! 'tschuldigung Kumpel. Ist ein bisschen rutschig hier ...«

»Das liegt an dir, du blöder Hund, du hast einen im Kahn.«

»Nein, da unten ist irgendwas Glitschiges ... Also, der zweite sagt: ›Ich hab's auch gemacht – bin nach Hause gekommen, na ja, genau wie du, hab mir 'ne Zigarette angezündet und das Streichholz auf den Teppich fallen lassen. Und meine Frau sagt: ›So ist es recht, zünde das ganze Haus an.‹ Und das hab ich gemacht. Ist alles in Flammen aufgegangen.‹ Der Dritte ist ein bisschen schweigsam, also fragen sie ihn: ›Und was war bei dir?‹ Er sagt: ›Als ich nach Hause kam, war meine Frau im Bett, und ich wollte ein bisschen schmusen, also hab ich meine Hand zwischen ihre Beine gelegt, und sie sagt: ›Nur über meine Leiche, Sid ...‹«

»Vergiss die Leiche! Und halt endlich still, verdammter Mist, sonst fallen wir beide hin.«

»Aber der ist gut. Himmelherrgott, ist das glatt hier ...«

»Das ist nur Müll. Aus den Läden hier.«

»Hier gibt es keine Läden. Nicht in dieser Gegend.«

»Doch ... oder?« Sie blieben wieder stehen. Die Dunkelheit war undurchdringlich wie eine Mauer. »Himmel, wo sind wir?«

»Total verlaufen haben wir uns, das ist es.«

»Verrückt ...« Bob seufzte. »Wir könnten überall und nirgends sein.«

»Das haben wir ja prima hingekriegt. Ich bin derjenige, den es heute Nacht erwischt, das sage ich dir. Ich hab Edna versprochen, dass ich vor der nächsten Ladung zu Hause bin.«

»Hast du ein Streichholz?«

»Was?«

»Ein Streichholz. Irgendwas ist da unten, und ... Danke.« Es gab ein kratzendes Geräusch, und kurz flammte ein Licht auf.

»Pass doch auf. Beinahe hättest du mein Auge getroffen. Was ist da unten?«

»Keine Ahnung. Ist hier irgendwo ein Metzger?«

»Nein.«

»Also, irgendwer hat hier sein Abendessen fallen lassen. Sieht aus wie Leber.« Bob stolperte rückwärts, als sein Freund gegen ihn fiel, und rutschte mit einem nassen, klatschenden Geräusch auf dem Pflaster aus. »Klingt wie mein Hund, wenn er sich leckt ... Alles in Ordnung?«

»Himmel, das ist ... Oh Himmel ... Meine Hand, meine Hand ist da drin, oh mein Gott, Herrgott hilf ...«

»Was quasselst du da von deiner Hand?«, fragte der andere ungeduldig. »Du bist auf einen Sandsack gefallen, mehr nicht.«

»Sandsäcke ... tragen ... keine ... Nylonstrümpfe ... Oh Gott, ich muss ...«

»Hey, nicht auf meine Schuhe, du Schwein! Bist du fertig?«.

Bob beugte sich hinunter und tastete in der Dunkelheit nach seinem Freund. Bei dem Gestank nach erbrochenem Bier musste er würgen. Seine Fingerspitzen berührten etwas Klebriges, dann spürte er etwas Dickes, Weiches – völlig durchnässt – einen Mantel, auf den schmutzigen Steinen ausgebreitet. Seine Hand wanderte daran entlang, berührte eine knochige Hüfte, die Kurve eines Oberschenkels – kühle, teigige Haut – und dann das obere Ende eines Strumpfes. »Entschuldigung, meine Liebe. Dachte, du wärst ein Sandsack. Mein Freund ist ...«

Schritte. Der Mann drehte sich um und sah den schwachen Lichtkegel einer Taschenlampe auf sie zukommen, gefolgt von dunklen Schuhen und einer Uniformhose.

»Sind Sie der Luftschutzwart?

»Ja. Was ist hier los?«

»Sagen Sie es uns, Mann. Hier liegt eine Frau. Mein Freund ist über sie gestolpert.« Er ging ein paar Schritte auf das Licht zu und sagte etwas leiser: »Ich glaube, sie hat einen über den Durst getrunken.«

Der Luftschutzwart schnüffelte. »Du meine Güte. Na dann bringen wir mal etwas Licht in das Dunkel.« Als Bob zusah, wie der kleine Lichtstrahl über das Pflaster tanzte, hatte er auf einmal das Bild seiner Kinder vor Augen, wie sie auf der Straße Hüpfkasten spielten, sah schmutzige Knie, aufblitzende Unterhosen, wippende Pferdeschwänze, die aber plötzlich mit einem einzigen Atemzug weggewischt waren, als das Licht auf eine Pfütze mit einer dunklen, dickflüssigen, glänzenden Flüssigkeit fiel. Der Luftschutzwart hielt die Lampe still. »Herr im Himmel!«

»Das ist ja Blut.«

»Herr im Himmel«, wiederholte der andere. Der Schein seiner Taschenlampe hüpfte über das Pflaster. Dann stand er wieder still. Im Zentrum des Lichtkegels lag ein blutbefleckter Gegenstand aus Metall. »Ein Dosenöffner«, sagte er gepresst.

Die Männer schwiegen, als die Taschenlampe weiterwanderte, bis sie den Saum eines blauen Mantels erfasste, unter dem ein Knäuel aus rosigem, glitzerndem Fleisch herauszurutschen schien.

Bob umklammerte den Arm des Luftschutzwarts. »Was ist das?«

»Ich weiß es nicht.«

Das Licht fiel auf die geöffnete Handfläche der Frau und auf ein kleines Stückchen blauen Stoff daneben, das wie ein Briefumschlag gefaltet war.

Der Luftschutzwart zog hörbar die Luft ein. »Mein Gott ...«

»Was ist da, Mann? Was haben Sie da gesehen?«

»Nichts«, sagte der Mann scharf. »Bleiben Sie einfach zurück.« Der Strahl wanderte auf gräulich rosigem Fleisch ein Bein entlang zu einem mit Blut und Schmutz verschmierten Knie, einem Nylonstrumpf, der sich um einen Knöchel schlang, einem hochhackigen einzelnen Schuh, zurück über den blauen Mantel zu einer Masse blutverklebter dunkler Haare und einem Schal, dann tauchte, völlig unpassend, ein glänzender, gelockter kastanienbrauner Pony über dem Ansatz eines geradlinigen Profils auf, weiße, schimmernde Haut im Licht der Taschenlampe, die Augen geschlossen, mit einem beinahe leidenschaftlichen Ausdruck im Gesicht.

Greta Garbo, schoss es Bob durch den Kopf, ehe sein Blick dem Strahl weiter folgte. »Oh Gott.« Er wich einen Schritt zurück. »Ihr Hals ... ihre Kehle ... er hat ihr die Kehle durchgeschnitten ... er hat sie aufgeschlitzt ... mit einem Dosenöffner ...« Er stolperte zu der Wand gegenüber, hockte sich hin und vergrub das Gesicht in den Händen.

George kroch auf allen vieren zu ihm hinüber und sank auf den Unterschenkeln hockend in sich zusammen. »Das war er wieder, oder?«, stieß er hervor. »Er hat sie tatsächlich aufgeschlitzt.« Er hob den Kopf und erbrach sich noch einmal.

Der Luftschutzwart ignorierte die beiden. Er knipste die Taschenlampe aus, stand aufrecht neben der Leiche, nahm den Helm ab und presste ihn gegen die Brust. »Nein«, flüsterte er in die Dunkelheit. »Das kann nicht sein ...«

Fünf Wochen früher – Samstag, 14. September

Essex

»Darf ich dich nach Hause bringen?«, fragte er.

»Warum?« Als wüsste sie die Antwort nicht. Er war scharf auf sie, jeder konnte das sehen.

»Damit ich dir einen Gutenachtkuss geben kann.«

»Oooh ...« Sie lehnte sich an die Bar – man durfte nicht zu schnell einverstanden sein, das wirkte billig –, stieß dabei aber mit dem Ellbogen an die Kante, und durch den Ruck verschüttete sie ein wenig von ihrem Drink. Sie betrachtete ihren Arm, irgendwie schien er nicht zu ihr zu gehören, und rutschte vorsichtig zur Seite. Auf der Theke war eine kleine Pfütze, und sie wollte nicht mit dem Ärmel hineinkommen. Sie stellte ihr Glas ab und sah ihn wieder an, in der Hoffnung, dass er den kleinen Ausrutscher nicht bemerkt hatte. »Ich weiß nicht recht«, sagte sie.

»Was? Ob ich dich nach Hause bringen oder küssen darf?« Sie kicherte. »Oh ... du ...« Jemand rempelte sie von hinten an, und sie fiel gegen seine Brust.

»Vorsicht«, sagte er und fasste sie am Ellbogen, damit sie nicht umfiel. »Ich glaube, es ist Zeit zu gehen.«

Plötzlich fand sie das auch. Zeit zu gehen. Sie fühlte sich unwohl, müde und, na ja ... seltsam. Alles kam ihr irgendwie schief vor, die dicht gedrängten Körper der Flieger und Mädchen, die Köpfe und Schultern, eingehüllt in Zigarettenrauch unter den niedrigen dunklen Balken, das Geklimper auf dem Klavier, das Klingen der zinnernen Bierkrüge, das Singen und Lachen. Sie hatte sich so sehr gewünscht dazuzugehören, erwachsen zu sein, doch jetzt ... jetzt wollte sie nur noch nach Hause.

Ihre Freundin Mona war nirgends zu sehen. Eigentlich sollten sie im Kino sein, und – auf Ehre und Gewissen – dahin waren sie auch unterwegs, bis dieser Wagen voller Männer in blauen Uniformen die Straße entlangbrauste. »Piloten«, hatte Mona mit ehrfürchtiger Stimme geflüstert, und sie waren zurückgetreten, um zu winken.

Und dann hatte der Wagen wunderbarerweise in einer Staubwolke am Straßenrand angehalten, das Fenster wurde heruntergekurbelt, und sie standen drei – drei! – dieser gut aussehenden, schicken Helden gegenüber, und selbst Mona, die schon siebzehn war und in London lebte, verschlug es die Sprache.

»Kommt, Mädels, springt rein!« Mehr war nicht nötig gewesen. Sie hatten einen Blick gewechselt – zu schön, um wahr zu sein –, ihre Fahrräder gegen einen Baum gelehnt und waren schnell eingestiegen. Sie hatte geschwiegen und es Mona überlassen, sie vorzustellen, und versucht, die Wärme und den Druck des Männerbeins gegen ihres auf dem engen Rücksitz zu ignorieren, oder so zu tun, als ignoriere sie beides. Sie kniff die Pobacken zusammen, um sich ein wenig dünner zu machen, doch es nützte nichts, der Druck ließ nicht nach, und in dem wackelnden Auto stießen sie sowieso ständig aneinander. Mona nahm eine Zigarette an, also musste auch sie eine nehmen oder riskieren, für naiv gehalten zu werden. Sie hat auch nur ein ganz kleines bisschen husten müssen. Dann hatte sie beeindruckt beobachtet, wie Mona mit einer gekonnten Bewegung aus dem Handgelenk ihr Rougedöschen geöffnet und sich die Lippen nachgezogen hatte – perfekt, trotz der Schlaglöcher–, und sich gefragt, ob ihr eigenes Make-up, von Mona hinter einem Baum im Garten aufgetragen, noch in Ordnung war.

Dann hatte Mona den Kopf zurückgeworfen, gelacht und sich die Haare gerauft, und sie hatte es ihr nachgemacht. Die Piloten hatten mit ihnen gelacht, sie waren bei untergehender Sonne die Straße hinuntergedonnert, und alles war wunderbar gewesen. Und dann hatte der Beste, der Hübscheste, und sie war sich sicher, auch der Tapferste – jedes Mädchen hätte seine Aufmerksamkeiten genossen – sie gewählt, als sie im Pub ankamen. Nicht Mona, der der Neid aus den Augen blitzte, nein, sie. Er zog sie von den anderen weg, spendierte ihr einen Drink – viele Drinks – und unterhielt sie. Sagte, wie schön es wäre, mit einem Mädchen zu reden, das keine Uniform trug, wie hübsch er ihre Augen fand, und nach einer Weile fing er an, ihr persönliche Dinge zu erzählen, wichtige Dinge, von seiner Schwester zum Beispiel, die krank war, aber schrecklich tapfer und nie klagte und wie sehr sie ihm fehlte und wie er sich auf ihre Briefe freute, und dann entschuldigte er sich dafür, dass er sie langweilte, und sie hatte ihn nur angeglotzt – na ja, sie hoffte natürlich, dass sie nicht wirklich geglotzt hatte, denn das wäre unhöflich, aber so hatte sie sich gefühlt –, doch sie war so glücklich, mit all den anderen – mit ihm – dort zu sein, und alles war einfach ... himmlisch.

Trotzdem wünschte sie, sie könnte besser mit ihm reden. Zu Hause konnte sie stundenlang plappern, doch hier, mit ihm, fiel ihr absolut nichts ein, was nicht dumm klang ... Sie dachte, der Drink würde es leichter machen, doch dem war nicht so. Er schmeckte nur komisch und nach dreien von der Sorte wurde langsam alles unscharf – Gegenstände und Worte. Nur sein Gesicht schien ruhig und klar, umgeben von einer Art Glanz. Er sah so gut aus, mit seinen leuchtend blauen Augen, dem gebräunten Gesicht und dem strohblonden Haar. Wenn ich nur wüsste, wie er heißt, dachte sie. Im Auto hatte sie es nicht verstanden. Unbeholfen und ganz auf Mona konzentriert, damit sie ja nichts falsch machte, hatte sie es überhört, und jetzt konnte sie ihn nicht mehr fragen.

Draußen war es bestimmt schon dunkel. Sie wollte nicht allein gehen – sie war sich nicht einmal sicher, ob sie es überhaupt konnte –, doch der Gedanke daran, Mona in dem Getümmel suchen zu müssen, sie beim Flirten zu stören, nur um sich nachher anhören zu müssen, dass sie eine Spielverderberin, oder, schlimmer noch, »nur ein Kind« sei, war entmutigend. Da war es doch der beste Gegenbeweis, mit einem Soldaten der Luftwaffe – einem Piloten – zu gehen! Das hieß, solange er sie am Ende der Straße verließ. Mona zu beeindrucken war das Eine, aber wenn ihre Mutter sie mit einem Mann zurückkommen sah, würde sie ihr die Hölle heiß machen. Doch darüber konnte sie sich Gedanken machen, wenn es so weit war. Und was den Gutenachtkuss betraf – in ihrem Buch stand, man musste sie zappeln lassen. Nicht mit diesen Worten natürlich, aber das sollte es heißen. Wie auch immer, man konnte einem Mann nicht einfach erlauben, einen zu küssen, weiß der Himmel, was er dann dachte. Und sie würde ihn wiedersehen, oder? Bestimmt würde sie das. Das musste man sich mal vorstellen: Ein Pilot! Benebelt stellte sie sich die Gesichter ihrer Freundinnen vor, wenn sie ihnen das erzählte. Neidisch und gierig gleichzeitig. Sie grinste in sich hinein.

»Warum lächelst du?«, fragte er.

»Nur weil es so ... nett ist. Mehr nicht. Mit dir zu reden.«

»Ich glaube, hauptsächlich habe ich geredet«, sagte er.

»Dann eben, dir zuzuhören. Es ist nett, dir zuzuhören.«

Sie ließ sich von ihm herumdrehen und in Richtung Ausgang führen. Die Tür schlug hinter ihnen zu, und plötzlich waren sie allein in der Dunkelheit. »Puuh!«, sagte sie. »Frische Luft.«

»Hier entlang«, sagte er. Sie machte ein paar wackelige Schritte auf die Gasse. Der Boden war irgendwie schief. Nein, sie war schief. Sie hörte, wie hinter ihr die Pubtür aufging, und wandte den Kopf um. Ein Fehler. Jetzt war alles schief. Sie musste nach Hause.

Er hakte sie unter und führte sie zur Hausmauer des Pubs. »Lehn dich einen Augenblick an. Dann geht es dir besser.«

Sie spürte die rauen Ziegelsteine durch ihr Kleid. »Es war so schön«, sagte sie. »So wundervoll. Aber ...«

»Bleib einfach still stehen. Gleich geht es dir besser.«

»Meine Taschenlampe ...« sie fingerte in ihrer Tasche danach. Er ergriff ihre Hand und zog sie wieder aus der Tasche. »Die brauchst du nicht«, sagte er. »Jetzt nicht.«

»Doch«, sagte sie. »Ich will sie haben.«

»Lass das.« Er kam näher und drückte sie gegen die Wand.

»Du zerquetschst mich ...«

»Alles ist gut«, murmelte er. »Gleich ist alles gut.«

So sollte es nicht sein, dachte sie benommen. Das alles war falsch. »Nein ...« Sie wand sich und hob die Arme, um ihn wegzustoßen, doch er packte mit einer Hand ihre Handgelenke. Dann beugte er sich ein wenig herunter, sie spürte, wie die andere Hand ihren Rock hochschob, und plötzlich war sein Knie zwischen ihren Beinen und drängte sie auseinander.

»Tu das nicht«, wimmerte sie. »Bitte ...«

»Alles ist gut.« Seine Stimme klang jetzt schwer, drängend, seine Hand war in ihrer Unterhose, berührte sie ...

»Nein!«

»Tut mir Leid«, murmelte er. Die Hand zog sich zurück. Sie befreite ihre Hände und richtete sich auf, strich ihren Rock glatt, den Blick nach unten gerichtet, irgendwohin, nur nicht auf ihn. »Geh weg.«

»Schon gut«, sagte er und hob die Hände zum Gesicht. Sie versuchte, einen Schritt zur Seite zu machen, verlor aber das Gleichgewicht und stolperte über ihren eigenen Knöchel. Die Welt schien zu schwanken und sich zu drehen, dann zog er sie am Arm und riss sie hoch, presste sich an sie, und ehe sie auch nur eine Bewegung machen konnte, waren seine Hände an ihrem Hals. Sie versuchte, auf ihn einzuschlagen, doch es nützte nichts, und ihr Kopf hämmerte, platzte ...

Genauso plötzlich ließ er los. Würgend und nach Luft schnappend sank sie auf die Knie, krümmte sich und spürte seinen Atem, als er sich zu ihr hinunterbeugte. Sie zuckte zur Seite, aber er packte sie am Handgelenk. »Hier, nimm das, nimm es.« Er schob etwas in ihre Handfläche. Dann hörte sie, wie er sich entfernte, knirschenden Kies, und während er sich umdrehte und in Richtung Straße weglief, konnte sie nicht aufhören zu husten und versuchte verzweifelt, wieder zu Atem zu kommen.

Als das Husten und Keuchen endlich abebbte und einen dumpfen Schmerz in ihrer Brust und am Hals hinterließ, war ihr erster Gedanke, dass man sie nicht auf Händen und Knien finden durfte. Dankbar für die Dunkelheit hangelte sie sich an der Mauer hoch.

Schritte. Zitternd drückte sie sich an die Mauer. Kam er zurück? Das konnte nicht sein ... unmöglich ... Nein, da war eine Taschenlampe. Er hatte keine Taschenlampe – er hatte gesagt, sie brauchten keine ... aber das musste nicht heißen, dass er keine hatte, oder? Oh Gott, bitte nicht ... Ihr Magen brannte, und ihre Beine fühlten sich an, als würden sie jeden Moment wegknicken. Sie schlug die Hände vors Gesicht, sackte in sich zusammen, rutschte an der Mauer hinunter und nahm kaum wahr, dass ihr Rock an einem Vorsprung hängen blieb und riss. Wieder Schritte, die Taschenlampe schwang in ihre Richtung, beleuchtete den Boden vor ihr, und dann – eine Männerstimme. Sie öffnete den Mund, doch kein Laut kam heraus. Sie sollte weglaufen, etwas tun, irgendwas ... Warum kommt niemand und hilft mir? Bitte, flehte sie stumm. Bitte ...

»H-hallo?«

Er war es nicht. Sie wusste es sofort. Die Stimme war anders. Höher. Eher jungenhaft. Zögernd.

»Hallo? Ist da jemand?«

Sie versuchte, ein paar Worte herauszubringen, aber nur ihr keuchender Atem war zu hören.

»Ich dachte, ich hätte gehört ...«

»Ja«, röchelte sie. »Ja, ich bin hier.«

Die Taschenlampe leuchtete ihr ins Gesicht und blendete sie. »Nein. Nicht.«

»Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Sie sehen nicht ... Alles in Ordnung?«

»Ja, es geht mir gut.« Warum hatte sie das gesagt? Natürlich ging es ihr nicht gut. »Es geht mir gut«, wiederholte sie. »Bin nur gestolpert, mehr nicht. Elende Verdunkelung.« Es gelang ihr, ein wenig zu lachen.

»Darf ich Ihnen hochhelfen?«

»Nein, eigentlich nicht.« Blaue Uniform. Air Force. Schwarze Haare. Blasses Gesicht. Sie konnte nicht richtig sehen. Keiner von denen aus dem Wagen, sonst würde er sie erkennen – oder?

»Holden-Brown. Guy Holden-Brown.«

Eine Hand vor ihrem Gesicht. Unwillkürlich wich sie zurück und schlug mit dem Kopf gegen die Mauer. Sie blinzelte. Die Hand war immer noch da. Sie nahm sie, und die Hand ... wackelte. Auf und ab. Er schüttelt meine Hand, dachte sie erstaunt. »Oh«, sagte sie. »Megan.« Und fügte automatisch hinzu: »Meine Mutter kommt aus Wales.« Und dann, ohne Punkt und Komma: »Ichglaubmirwirdschlecht.«

Er trat zurück, als sie den Kopf abwandte und sich erbrach, und als sie sich wieder umdrehte, hielt er ihr ein ordentlich gefaltetes Taschentuch hin. »Nehmen Sie es«, sagte er. »Bitte.«

»Vielen Dank.«

Nachdem sie sich das Gesicht abgewischt hatte, sagte er: »Glauben Sie ... Ich meine ... können Sie aufstehen?«

»Ich ... Ja, ich glaube schon.«

Wieder auf den Beinen, wollte sie ihm das Taschentuch zurückgeben, doch er nahm es nicht an. »Machen Sie sich deswegen keine Gedanken«, sagte er.

Beschämt – natürlich wollte er es nicht wiederhaben, nicht so – knüllte sie es zusammen und stopfte es in ihre Tasche. »Entschuldigung. Ich ... Ich werde es natürlich für Sie waschen.«

»Nein, schon gut. Behalten Sie es. Oder werfen Sie es weg, wenn Sie wollen.«

»Entschuldigung«, wiederholte sie.

Es war schrecklich. Sie wünschte, er würde weggehen. Sie wollte ihn nie wieder sehen, keinen von ihnen, niemals. Sie wünschte, sie wäre zu Hause. Sie wünschte, sie wäre tot oder irgendwo anders, nur nicht hier. Seine Freundlichkeit machte es nur schlimmer, viel schlimmer.

»Hören Sie«, sagte er. »Sie können nicht allein nach Hause gehen, nicht wenn Sie ... wenn Sie ... sich nicht wohl fühlen. Ich werde Sie begleiten.«

»Nein, wirklich, ich ...«

»Das ist schon in Ordnung, ehrlich. Ich werde Sie nicht – Sie wissen schon.« Er klang verlegen. »Sie können sich ganz sicher fühlen. Bitte erlauben Sie mir, Ihnen zu helfen.«

»Also gut.«

Sie benutzte ihre Taschenlampe nicht. Eine reichte, und außerdem wollte sie nicht mehr Licht. Die Nacht war ruhig, sie gingen nebeneinander her, ohne sich zu berühren, und sie redete nur, wenn sie die Richtung angeben musste. Durch das Erbrechen und die kühle Luft war sie wieder nüchtern geworden. Was blieb, war der schlechte Geschmack im Mund, die Schmerzen an ihrem Hals und in der Brust und ein entsetzliches, wachsendes Gefühl von Verlegenheit. Was musste er von ihr denken? Als sie in ihrer Straße ankamen, wurde sie von Scham beinahe überwältigt.

»Es geht mir wieder gut«, sagte sie, dankbar, dass seine Taschenlampe nach unten gerichtet war und sie sein Gesicht nicht sehen konnte. »Hier ist es gleich.«

»Sind Sie sicher? Sie ... wirkten vorhin einfach schrecklich verängstigt.«

»Wirklich«, sagte sie ungeduldig. »Es ist alles in Ordnung.«

»Also, wenn Sie meinen. Nehmen Sie lieber meine Taschenlampe.«

»Nein. Ich habe selbst eine.« Sie holte sie aus der Tasche hervor und schaltete sie ein.

»Nun, dann Gute Nacht.«

»Ja. Gute Nacht.«

Die Küchentür stand offen. Im Flur rief sie nur schnell: »Ich gehe gleich nach oben, Mum.«

»Bleibst du in deinem Zimmer?«

»Ja, ich bin schrecklich müde. Ich komme runter, wenn es Bombenalarm gibt.«

Sie setzte sich vor die zerkratzte Holzkommode, die sie als Frisiertisch benutzte, und blickte prüfend in den Spiegel: Überreste von Schminke auf dem fleckigen Gesicht, strähniges Haar, rote und blaue Male an ihrem Hals. Sie griff sich an die Brust. Die Brosche, Mums grüne Brosche, die sie ihr aus dem Schlafzimmer stibitzt hatte, war weg. Musste heruntergefallen sein, als ... Sie befingerte die Stelle, wo sie sie angesteckt hatte. Nein – da war ein kleiner Riss im Stoff. Als wäre sie abgerissen worden. Hatte er sie ihr vom Kleid gerissen, als er ... Aber das war idiotisch. Warum sollte er das tun?

Sie war nicht wertvoll, nur von Woolworth, aber Mum würde es trotzdem merken. Sie würde sagen müssen, dass sie sie im Kino verloren hatte. Sie stand auf und zog das Kleid aus. Der Rock war schmutzig, und auf der Rückseite war ein langer Riss. Sie könnte behaupten, sie sei vom Fahrrad gefallen. Mist. Sie hatten die Fahrräder vergessen. Morgen früh musste sie gleich hingehen und ihres holen. Sie könnte auch sagen, dass sie die Brosche dort verloren hatte. Könnte sagen, sie sei zurückgegangen, um sie zu suchen, hätte sie aber nicht gefunden. Das Taschentuch fiel ihr ein. Sie musste es loswerden. Sie zog es aus der Tasche. Noch etwas kam heraus – ein Stück Papier – und flatterte auf den Teppich. Eine Pfundnote.

Wie ...? Dann fiel es ihr wieder ein: Der Mann hatte ihr etwas in die Hand gedrückt. Sie setzte sich wieder hin und starrte ihr Spiegelbild an.

Er hatte versucht, sie umzubringen. Dann hatte er ihr ein Pfund gegeben. Für die Brosche? Jetzt konnte sie eine neue kaufen und musste wenigstens deswegen nicht lügen. Aber das Fahrrad, gleich morgen als Allererstes – das durfte sie nicht vergessen.

Er hatte ihr ein Pfund gegeben.

Dieser andere Flieger – der sie nach Hause begleitet hatte ... sie hatte sich nicht bedankt. Unhöflich, wo er ihr doch so geholfen hatte. Jetzt war es zu spät, sie würde ihn nie wiedersehen. Das hoffte sie jedenfalls.

Erst hatte er versucht, sie zu vergewaltigen, und dann, sie umzubringen. Er hatte versucht, sie umzubringen.

Sie wusste, das würde sie nie jemandem erzählen können. Ihr Spiegelbild mit den stumpfen Augen und dem verschmierten, verbotenen Lippenstift bestätigte nur, was ihre Mutter denken würde: Es war ihre eigene Schuld. Sie betrachtete ihre Hände – aufgeschürft und schmutzig – und pickte ein wenig Dreck aus der Wunde am Knie. Sie hatte ihn schließlich gereizt, oder etwa nicht?

Er hatte versucht sie umzubringen, und es war ihre eigene Schuld.

Montag, 16. September

RAF Hornchurch, Essex

Oberleutnant der Luftwaffe Jim Rushton

Der Himmel. Strahlend blau. Leichte Brise. Ein perfekter Tag zum Fliegen, und wir braten hier in voller Montur auf Liegestühlen in der Sonne.

Die Erde. Heruntergetretenes Gras neben dem Schützengraben. Füße in Springerstiefeln, lose Fallschirmseile. Glitzerndes Metall in der Sonne. Merkwürdig, dass man solche Details immer vorher bemerkt ...

Das Flugfeld. Soldaten springen in Krater neben der Landebahn. Das Gras ist immer noch von den letzten Angriffen mit roten Fähnchen gesprenkelt, die Blindgänger markieren. Baracken – oder was davon übrig ist – Hangars. Ich weiß noch, wie wir Sandsäcke gefüllt haben, als ich hierher kam, und Gatter gebaut, um die Spitfires zu schützen. Als wir aus Frankreich zurückkamen. Scheint eine Ewigkeit her zu sein. Da lebten Teddy Norton noch und Stuffy – ich war mit ihm auf dem College der Air Force – und Felix Marshall ... Bimbo Tanner ... Alle tot.

Mal sehen. Was steht in der Zeitung? Bei der erneuten Bombardierung des Buckingham Palace sind die privaten Gemächer der Queen schwer beschädigt worden. Viele solcher schönen Tage wird es nicht mehr geben. Es wird bald kalt werden. Wir werden drinnen warten müssen ... das heißt, wer dann noch übrig ist. Die RAF hatte einen ihrer größten Erfolge bei der Abwehr der massiven Angriffe auf London. Wir haben dreißig Maschinen verloren, aber zehn Piloten sind gerettet.

Corky und Mathy diskutieren immer noch über Taktikfragen. Komisch, die beiden zusammen zu sehen – Corky ist im Sitzen beinahe größer als im Stehen, und Mathy ist über einen Meter achtzig groß, eigentlich zu groß für einen Jagdflieger. Weiß der Himmel, wie er es geschafft hat, in einer Spitfire zu landen. Davy mit seiner Rugby-Nase und den roten Backen liest in einem Buch. Er wirkt ganz ruhig, aber er hat seit mindestens zwanzig Minuten nicht ein Mal umgeblättert. Czeslaw starrt in den Himmel. Faltiges Gesicht – er ist älter als wir alle, wie die meisten Polen, schon siebenundzwanzig. Flint schläft – muss vom Fliegen träumen, seine Augenbrauen wackeln auf und ab. Neben ihm sitzt Balchin. Er döst auch, die Kappe über die Augen gezogen, sein Arm hängt an der Seite herunter, die Hand ist sehr weiß. So wird es aussehen, wenn er tot ist – es sei denn er verbrennt, natürlich. Ginger Mannin muss schon wieder aufs Klo. Miss Air Force ist blond und erst achtzehn Jahre alt ... die Jungs in Himmelblau mögen sie jung!

Ein Schatten fällt auf die Zeitung, und ich kann das Bild nicht erkennen. Eine bullige Gestalt – Hauptmann Webster, der Adjutant – steht mir in der Sonne.

»Adj...«

»Entschuldigung.« Er stellt sich hinter mich und stößt mit seiner Pfeife gegen die Zeitung. »Sieht ganz schön gut aus, was?«

Ich zucke die Achseln. »Kann schon sein.«

Balchin schiebt seine Kappe zurück und blinzelt ihn an. »Wie geht's ... du weißt schon?«

»Tinker?«, hilft Mathy.

»Nein, so hieß er nicht ... Taylor, oder?«

Davy schaut von seiner Zeitung auf und sagt: »Soldat?«

»Halt den Mund, Davy«, sagt Corky.

»Dann eben Seemann.«

»Halt den Mund«, wiederholt Corky. »Er meint Tucker, Adj.«

»Meine ich wirklich Tucker?«, fragt Davy mit gespielter Überraschung.

»Ja, meinst du. Beachte ihn einfach nicht, Adj.«

»Das ist nicht fair«, sagt Davy. »Wie soll ich das wissen, wenn sie alle gleich aussehen.«

Ich weiß auch nicht mehr, wie Tucker aussah. Muss seine erste Schlacht gewesen sein – er ist erst vor zwei Tagen hier angekommen. Webster hat nichts gesagt, aber er muss den Kopf geschüttelt haben, denn Balchin blinzelt ihn einen Moment lang an, dann grunzt er und zieht die Kappe wieder über das Gesicht. Rechts sehen Sie eine Dornier, die in Flammen aufgeht ... Bimbo Tanner im Krankenhaus, das Gesicht weggeschmolzen, keine Augenlider mehr ... Webster sagt irgendwas.

»Was?«

»Ich habe gesagt, du hast Bereitschaft.«

Ginger kommt zurück, macht seinen Reißverschluss zu, sieht Webster und sagt: »Wie geht's – wieheißtergleichnoch, Adj?«

»Hab's kapiert. Wo warst du?«

»Hat Rouge auf seine Nippel geschmiert«, sagt Davy. »Nur für dich, Adj.«

Webster runzelt die Stirn, antwortet aber nicht.

»Was ist damit passiert?« Ginger nickt in Richtung Feldtelefon.

»Zertrümmert.«

»Das ganze Flugfeld ist zertrümmert«, sagt Davy wütend. »Nichts als Krater, die verdammten Hütten alle kaputt, und überall krabbeln tote Luftwaffenweiber.«

Ich stellte mir eine sterbende Miss Air Force vor, wie sie auf allen vieren mit hängendem Kopf im Schützengraben herumkriecht, das Haar voller Staub, der Rock bis über die Hüften hochgerutscht.

Davy schaut mich an. »Ich möchte mal wissen, was es für dich zu grinsen gibt, Goldlocke«, sagt er.

»Das geht nicht«, sage ich.

»Was geht nicht?«

»Die Weiber. Sie können nicht krabbeln. Nicht wenn sie tot sind.«

»Herrgott, Goldlocke ... Dann eben liegen.« Davy widmet sich wieder seiner Zeitung, und Webster spielt mit seiner Pfeife.

Einen Augenblick später fragt Mathy: »Schicken sie Ersatz, Adj?«

»Wenn du es so nennen willst.« Webster schüttelt den Kopf. »Hat ganze sechs Stunden Erfahrung.«

Davy seufzt. »Bestimmt wieder so ein verdammter Internatszögling. Muss irgendwo eine Fabrik sein, die Ersatz ausspuckt. Hoffentlich ist er besser als Tucken«

»Dieser heißt Sinclair«, sagt Webster. »Gervase.«

»Gervase, ja?«, sagt Davy. »Er kann Holden-Bindestrich-Brown Gesellschaft leisten. Wir wollen ihn nicht.«

Flint macht die Augen auf. »Nun, du hast ihn aber. Und du wirst ihn heute Nachmittag mit raufnehmen und ihn einweisen.«

Ach ja ... was steht denn hier noch drin? Horoskop ... Überlass es anderen, sich über Kleinigkeiten zu ärgern. Komm in die Gänge und zögere nicht, etwas Neues auszuprobieren.

Etwas Neues probieren. Ich hatte den Samstag völlig vergessen, bis ich die Brosche in meiner Tasche fand. Muss diesem Mädchen im Pub gehört haben. Woher sollte ich sie sonst haben. Keine Ahnung, wie sie in meine Tasche gekommen ist, kann mich nicht erinnern, sie genommen zu haben. Jetzt kann ich sie genauso gut behalten. Ich finde immer ein Mädchen, das sie haben will. Werde eine Geschichte dazu erfinden, sie zu etwas ganz Besonderem machen. So was mögen sie. Wie das Märchen, das ich über meine Schwester erzählt hab – muss ich unbedingt wiederverwenden. Lachhaft, wie sie es aufsaugen. Wer so dumm ist, verdient es, angelogen zu werden. Trotzdem war es verrückt – erst wollte ich diese dumme, kleine Schlampe zu Tode schütteln, und im nächsten Moment hat es mich nicht mehr interessiert.

Als ich gesehen hab, wie das Mädchen im Auto ihren Lippenstift nachgezogen hat, hätte ich ihn ihr am liebsten weggenommen und selber auf ihren Mund geschmiert. Die war ganz schön eingebildet, die andere, ich hätte sie nehmen sollen – da wäre ihr das Lächeln aber ganz schnell vergangen. Dann wäre sie nicht mehr so selbstzufrieden gewesen. Aber ich dachte, die Jüngere wäre besser. Alles fing mit der Schminkerei an; ich wusste, ich würde erst wieder ruhig sein, wenn ich ... Aber dann, da draußen, mit der anderen, war ich nicht in der Lage, ihr irgendwas zu tun. Gefiel mir nicht, wie sie gezappelt hat.

Reine Zeitverschwendung. Und nicht billig – musste ihr ein Pfund geben, damit sie den Mund hält. Ich dachte, die Fliegerei hätte mich von den anderen Sachen geheilt. Monatelang hab ich die Mädchen kaum wahrgenommen, und dann plötzlich das. Diese dumme Gans im Wagen. Der hätte ich es gegeben. Zögere nicht, etwas Neues auszuprobieren, stand in der Zeitung. Darf allerdings nicht von hier sein. Und die Luftwaffenweiber kommen nicht in Frage, viel zu riskant.

Verdammter Blödsinn so was. Und mir geht das Geld aus. Ich schließe die Augen. Sehe einen Körper vor mir: schlaffe, blasse, ausladende Brüste. Wenn man daran zöge, würden sie sich dehnen wie ein Klumpen Teig.

Höre Papier unter meiner Nase rascheln, und das Erste, was ich sehe, sind die hängenden Nippel von Corkys Schwimmweste, als er sich runterbeugt, um sich den Daily Mirror von meinem Schoß zu klauen. »Ich bin so froh, dass ich endlich einen unsichtbaren Puder gefunden habe, sagt Lady Cecilia Smiley«, liest er mit einer Fistelstimme vor. »Ich hasse unsichtbaren Puder, du nicht auch?«

»Kann ich nicht ausstehen«, sagt Mathy. »Schreckliches Zeug.«

»Der Gesichtspuder von Ponds passt so perfekt zu meinem Teint, als wäre er ...«

Der Alarm geht los, und alles fällt von mir ab, als hätte es nie existiert, was in gewisser Weise auch stimmt, denn verglichen mit dem hier ist nichts wirklich. Es ist, als hätte man sich im Nebel verirrt, und auf einen Schlag sind alle Hindernisse verschwunden, und man hat klare Sicht. Nichts zwischen dir und dem, was du tun wirst.

Ich hab mein Leben lang darauf gewartet. Vom allerersten Mal an – ich war zehn Jahre alt, und das Flugzeug war eine alte Avro aus einem Wanderzirkus, die damals über Land zogen. Für mich war es das Schönste, was ich je gesehen hatte, und ich wusste sofort, was ich mehr als alles andere auf der Welt wollte: Fliegen. Die Avro war eine klapprige, alte Kiste, aber ich musste sie die ganze Zeit anschauen: Die Plane, die Kabel, die Propeller, die Streben, alles schien in einem besonderen Licht zu strahlen. Ich liebte alles an ihr, sogar ihren Geruch. Ich stand so lange dort, bis der Pilot schließlich sagte, er würde zehn Minuten mit mir fliegen, obwohl ich kein Geld hatte. Nie werde ich das Gefühl vergessen, als wir abhoben und aufstiegen, die Menschen unter uns zurückließen und zusahen, wie sie immer kleiner wurden, das Wissen, dass ich frei war, losgelöst von der Erde, von meiner Familie, von unbedeutenden Dingen. Zum ersten Mal in meinem Leben tanzte die Welt nach meiner Pfeife.

Als ich aus dem Flugzeug stieg, kam ein kleiner Junge zu mir, den ich aus der Schule kannte. Er starrte mich nur an, dann streckte er seine Hand aus und berührte mich ganz leicht an der Brust. Er sagte kein Wort, aber ich wusste, er wollte wissen, ob der Flug mich irgendwie verändert hatte, transformiert. Es war das erste Mal – und ich glaube auch das einzige Mal – in meinem Leben, dass ich wirklich mit jemandem reden wollte. Ich sah die Aufregung in seinen Augen – vermutlich ein Spiegel meiner eigenen Aufregung –, und ich wollte ihm erzählen, wie wunderbar es war, doch ich konnte es nicht in Worte fassen. Die Freude, die außergewöhnliche Tatsache, dass man in der Luft ist, man kann es einfach nicht beschreiben. Natürlich war da der Glanz und all das, und ich hatte Biggles gelesen und ganz spannend gefunden, aber das war alles zweite Wahl. Das hier war echt, ein reines, scharfes, wahres Gefühl, und so etwas erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben. Verglichen damit war alles andere langweilig, abgestumpft – ein bedeutungsloser, biederer Nebel aus Zuhause und Schule.

Ich weiß noch, wie ich den Jungen stehen ließ, ins nächste Feld lief und mich hinter einer Hecke in das lange Gras warf. Ich wusste, dass ich mit niemandem darüber reden musste, ich musste nur die Augen schließen, um dieses Wunder wieder und wieder zu erleben. Es war der schönste Tag meines Lebens, und von da an las ich alles, was ich über Flugzeuge finden konnte. Ich träumte auch von ihnen – oder wenigstens vom Fliegen. Aus irgendeinem Grund kamen in diesen Träumen nie Flugzeuge vor, ich war immer allein in der Luft, in einer unsichtbaren Maschine, aber ich wusste, dass sie da war und ich sie fliegen konnte, und dass ich stolz und glücklich war. Ich hatte Macht, nichts konnte mir etwas anhaben. Und jedes Mal, wenn ich diesen Traum hatte, wachte ich mit dem Gefühl auf, dass es seine Richtigkeit hatte, eine Sicherheit, die ich vorher nicht kannte. Ich hatte schon immer gespürt, dass ich anders war als andere, aber jetzt wusste ich, dass dieses Gefühl etwas Besonderes war – etwas, worauf ich stolz sein konnte, dessen ich mich nicht schämen musste. Sie wussten nicht, was ich wusste. Nur Piloten wussten das, und ich schwor mir, dass ich eines Tages einer von ihnen sein würde. Ich fühlte mich, als wäre ich bis dahin in Mottenkugeln gebettet gewesen – nichts hatte eine Bedeutung oder einen Sinn.

Nie werde ich meinen ersten Alleinflug in einer Spitfire vergessen. Das erste Mal allein da oben. Am Anfang frustrierte sie mich, flog von allein, ließ mich hinter sich – lachte mich beinahe aus –, forderte mich heraus, und einen Augenblick lang fürchtete ich, ich könnte sie nicht kontrollieren, ich würde es vermasseln, doch dann kam eine Sekunde, wurde zu einer Minute, dann fünf Minuten, zehn, und ich hatte die Kontrolle. Mehr nach: Ich war ein Teil von ihr. Keine Ahnung, wie ich darauf kam, sie könnte zu klein sein – sie war perfekt. Ohne Fehler – sie ist alles, was man sich wünschen kann. Genau richtig.

Es war eine Erleichterung, als der Krieg anfing – endlich war die Gelegenheit da, zu tun, wofür ich ausgebildet war, obwohl es am Anfang ziemlich öde war. Denn es gibt kein besseres Gefühl auf der Welt: Körper und Geist im Einklang mit der Arbeit, ganz und gar auf sich selbst gestellt. Kein Gestern, kein Morgen, kein anderer Mensch, nur die vollkommene Klarheit eines jeden Augenblicks.

Am Himmel ist alles möglich: Ich weiß, dass ich, selbst wenn ich morgen – heute – sterbe, mehr gelebt habe als die Menschen am Boden.

Wir rennen los. Über das Flugfeld, zu den Maschinen.

Montag, 16. September

Clapham, London

Lucy

Heute Abend ging es um zehn nach acht los. Wir füllten die Eimer, drehten das Gas ab, richten uns hier unten häuslich ein – wenn man das so nennen kann –, und ich bin an meinem üblichen Platz unter dem Küchentisch. Nicht gerade die bequemste Art, die Nacht zu verbringen, aber besser als bei Mum unter der Treppe. Sie sitzt auf einem Liegestuhl, und meine Schwester Minnie hockt neben ihr auf den Sofakissen. Ihr Kopf steckt im Schrank, und die Füße ragen in den Flur, wo Dad mit Sicherheit drüber stolpern wird, wenn er aus dem Garten hereinkommt. Ich wünschte, er würde nicht da rausgehen, weil Mum immer so nervös wird und ständig aufsteht und ihn hereinruft, aber er tut so, als würde er sie nicht hören. Vielleicht hört er sie auch wirklich nicht – bei dem Krach, den sie heute Abend machen. Wir haben mehr Glück als viele andere Leute, die hier leben, aber es wird immer schlimmer. Dad sagt, das ist wegen Clapham Junction – die Deutschen wollen, wenn möglich, unsere Eisenbahnlinien zerstören, und hier ist ein großer Bahnhof.

Wenn Mum nicht nach Dad ruft, schimpft sie auf den Bunker der Andersons. »Wir hätten gleich hingehen sollen, als sie es uns das erste Mal angeboten haben. Ich hab's dir gesagt, Billy, ich hab gesagt, dass es so kommt ...« Ich bin mir sicher, dass sie nichts dergleichen gesagt hat, aber natürlich ist das jetzt alles anders, seit die Bombenangriffe angefangen haben, und der Maurer sagt, dass er frühestens in sechs Wochen etwas tun kann, weil das Militär das ganze Material konfisziert hat und er höchstens ein Pfund im Monat verdient. Oder so ähnlich. Mum kann sich stundenlang darüber aufregen, es geht mir so auf die Nerven, dass ich nicht mehr zuhöre.

Sie ist so schlimm, seit es angefangen hat, aber in letzter Zeit ... Vorige Woche war ich in der Mittagspause bei Bourne & Hollingsworth und habe mir einen grünen Pullover gekauft. Als ich ihn ihr gezeigt habe, sagte sie: »Warum hast du den gekauft? Er bringt Unglück.« Sie meinte natürlich, weil er grün ist. Ehrlich gesagt, konnte ich ihn mir eigentlich nicht leisten, aber ich dachte, wenn ich überlebe, ist es ein Schnäppchen, und wenn ich sterbe, sterbe ich eben pleite, stimmt's? Als ich das zu Minnie gesagt habe, hat sie die Hand vor den Mund geschlagen und gemeint: »Oh, sag so was nicht.« Ich bin nach oben gegangen, um ihn anzuziehen, und als ich wieder herunter kam, sagte Mum: »Wie auch immer, er steht dir sowieso nicht.« Reizend! Jedenfalls glaube ich nicht, dass das Haus einen Treffer abkriegt, weil ich einen grünen Pullover trage. Das wissen die Deutschen ja nicht, oder? Das habe ich ihr gesagt, aber es hat nichts genützt. Sie findet immer jemanden, dem sie die Schuld in die Schuhe schieben kann. Minnie scheint da nicht so geeignet zu sein, aber ich konnte ihr noch nie etwas recht machen: Wenn ich rede, flunkere ich entweder oder gebe an, wenn ich nichts sage, bin ich beleidigt, und so weiter und so weiter ... Andererseits mochte ich Dad immer lieber. Mit ihm kann man viel leichter reden, er kritisiert einen nicht die ganze Zeit. Ich versuche, es nicht zu einfach zu sehen, aber wahrscheinlich ist es das. Sie glaubt ganz sicher, dass Minnie sie viel mehr liebt als ich, das weiß ich. Egal, ich versuche, mir nichts draus zu machen, weil wir alle müde und ungeduldig sind. Obwohl es für Mum eigentlich gar nicht so schlimm ist: Dad ist jetzt hauptberuflich Luftschutzwart, und Minnie und ich müssen jeden Morgen zur Arbeit. Wenn sie Lust hat, kann sie sich wieder ins Bett legen und ein Nickerchen machen.

Heute habe ich viel über Frank nachgedacht. Ich genieße unsere Gespräche wirklich und unterhalte mich gerne mit ihm, obwohl er mir manchmal das Gefühl gibt, ich sei schrecklich dumm. Er tut das nicht absichtlich, er weiß einfach so viel über Politik und so was, und ich nicht. Und ich habe nichts dagegen, wenn er mich küsst, oder ... wahrscheinlich ist das das Problem – ich will nicht unbedingt, dass er mich küsst, ich habe nur nichts dagegen. Als wir am Sonntag beim Picknick waren, trug ich ein kurzärmeliges Kleid, und er machte eine Bemerkung über meine Sommersprossen. Wir lagen nebeneinander auf dem Bauch im Gras, und ich sagte: »In der Sonne kommen sie raus«, und er sagte: »Vielleicht erwische ich eine auf frischer Tat«, dann stürzte er sich auf meinen Arm, tat so, als hätte er eine gefangen und lachte sich kaputt.

Es war schön, aber ich ... ach, ich weiß auch nicht. Natürlich habe ich mit ihm gelacht, aber irgendwie hatte ich nicht das richtige Gefühl. Es war eher so, als wäre er mein Bruder – jedenfalls stelle ich es mir so vor, einen Bruder zu haben. Später sagte er zu mir: »Du bist nicht besonders interessiert, nicht wahr?« Ich fragte: »Was meinst du?«

»Na ja, du bist nicht flatterig