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Über dieses Buch:

Die schönste Zeit des Jahres? Von wegen! Nina hat die Nase gestrichen voll: Schon wieder wurde sie kurz vor Weihnachten sitzengelassen. Sie ist fest entschlossen, sich den Rest des Winters von Santa und anderen Vertretern der männlichen Spezies fernzuhalten. Blöd nur, dass sie den Job auf dem Weihnachtsmarkt unbedingt braucht – und wer hätte ahnen können, was für ein Abenteuer Glühweinausschank sein kann? Als ein charmanter Fremder direkt vor ihren Augen schmählich von seiner Freundin abserviert wird, ist guter Rat teuer. Aber Nina spendiert gern einen Punsch, oder auch zwei – und kann sich bei dem Blick in Roberts dunkle Augen gar nicht mehr erinnern, was sie sich in Herzensdingen so fest vorgenommen hatte ...

Über die Autorin:

Roberta Gregorio, geboren 1976 in Bayern, ist staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin. Heute lebt sie als Autorin mit ihrer Familie im tiefsten Süden Italiens, wo sie am kleinen, grünen Schreibtisch mit Blick aufs Meer ihrer Fantasie freien Lauf lässt.

Bei dotbooks veröffentlicht Roberta Gregorio ihre Romane:

»Italienische Küsse«

»Der Sommer der Zitronenblüten«

»Das kleine Restaurant des Glücks«

»Im Schatten der Zitronenbäume«

Ebenso bei dotbooks erschien ihre Heiligen-Trilogie, die auch im Sammelband »Sommerduft und Rosenknospen« erhältlich ist:

»Mit Liebe, Herz und Gloria«

»Ein Halleluja für die Liebe«

»Wie im Himmel so im Herzen«

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Aktualisierte eBook-Originalausgabe Januar 2021

Dieses Buch erschien bereits 2016 unter dem Titel »Stille Nacht, Herz erwacht« bei dotbooks.

Copyright © der Originalausgabe 2016 dotbooks GmbH, München

Copyright © der aktualisierten Originalausgabe 2021 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Dr. Verena Stindl

Titelbildgestaltung: Alexandra Dohse, www.grafikkiosk.de, München unter Verwendung von Bildern von Shutterstock Images / © svekloid und Wenpei

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (rb)

ISBN 978-3-96655-550-0

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Roberta Gregorio

Winterküsse mit Zimt und Zucker

Roman

dotbooks.

Kapitel 1

»Beeil dich! Wir kommen noch zu spät!«, hörte Nina ihre Mitbewohnerin Sarah ungeduldig rufen. Nina wusste, dass sie spät dran war. Aber dazu aufraffen, das Bad zu verlassen, konnte sie sich trotzdem nicht so richtig. Es nützte auch nichts, dass sie extra ihr selbstgestricktes Lieblingskleid angezogen hatte, in dem sie sich sonst so wohl fühlte. Sarah hatte ihr zwar noch am Vorabend erklärt, dass man zu einem Vorstellungsgespräch doch eher das Selbstgestrickte gegen einen Hosenanzug tauschen sollte, doch das hatte Nina geflissentlich ignoriert. Sie war einfach lieber sie selbst.

»Nina! Komm jetzt! Von Träumen und Unpünktlichkeit kann man nicht leben«, bemerkte Sarah nun etwas sanfter, aber umso bestimmter, während sie an die Tür klopfte.

Ja, das bekam sie öfter zu hören; Sarah – die ganz im Gegensatz zu ihr einer geregelten Arbeit nachging – machte sich ständig Sorgen um sie. Feste Anstellungen waren einfach nichts für Nina. Und so war sie auf Gelegenheitsjobs angewiesen. Deshalb holte sie tief Luft, seufzte, blickte noch ein letztes Mal in den Spiegel, zwickte sich dabei in die Wangen, um eine gesunde Röte vorzutäuschen, und entriegelte und öffnete endlich die Tür.

»Und?«, erkundigte sie sich aus dem Bad heraus. Sie stellte sich Sarahs kritischem Blick und konnte darin lesen, wie wenig ihr Outfit ihrer Mitbewohnerin gefiel.

»Sehr hübsch«, sagte diese aber unerwarteterweise.

»Was?« Nina traute ihren Ohren kaum.

Sarah rollte mit den Augen, lächelte dann aber. »Ja doch! Glaub mir ruhig. Du bist richtig, richtig hübsch. Und dein unkonventionelles Auftreten macht dich erst zu dem liebenswerten Menschen, der du bist.«

»Aber gestern …«

»Jaja. Aber weißt du was? Vergiss es. Wenn der alte Mayr dein wahres Potenzial nicht erkennt, dann soll er uns gestohlen bleiben, oder?«

»Ähm … okay.«

»Tut mir leid, wenn ich dich verunsichert habe.«

»Schon gut. Jetzt muss ich diesen Job nur bekommen …« Nina seufzte wieder ganz, ganz tief. Und konnte gar nicht anders, als sich den Kopf über dieses Arbeitsangebot zu zerbrechen, das so gar nicht zu ihr passte.

»Ninalein, ich weiß, was du denkst. Aber da müssen wir jetzt durch. Es ist nur Arbeit. Du musst dich nicht daran erfreuen, sondern das tun, was dir aufgetragen wird, und vor allem daran denken, dass du am Ende der Anstrengung ein Gehalt erhalten wirst. Ein Gehalt, von dem wir die Miete zahlen können. Weil … sonst muss ich dich nämlich rausschmeißen und eine neue Mitbewohnerin suchen. Willst du das?«

Nina schluckte. Nein, das wollte sie nicht. Sie liebte ihre WG und Sarah und Ulf, den anderen Mitbewohner. Die beiden waren ihre Familie. Und ihr Zimmer war ihre Oase. Woanders wollte sie nicht hin. Deshalb schüttelte sie den Kopf, nahm dabei eine etwas entschlossenere Körperhaltung an. Wenn Sarah meinte, dass Nina ihre Weihnachtsphobie in den Griff bekommen konnte, dann wollte sie auch daran glauben.

»Natürlich nicht! Wir werden jetzt da hingehen, ich werde den Job bekommen und dann werde ich die beste Glühweintante werden, die München je gesehen hat!«

»Das nenne ich mal ein Wort. Bist du bereit?«

»Bereit!« Nina dachte nach. »Aber du wolltest mir noch ein paar Regeln nennen, die man beim Bewerbungsgespräch einhalten sollte, oder?«

»Stimmt. Ganz wichtig: Sei spontan!«, riet Sarah.

»Okay.«

»Aber nicht zu sehr …«

»In Ordnung. Spontan, aber nicht zu sehr«, wiederholte Nina.

»Gib dich nett.«

»Nett sein, nett sein, nett sein.«

»Aber du solltest keinesfalls als Schleimerin rüberkommen.«

»Lieb sein, aber nicht schleimen. Gut, okay. Das schaffe ich. Sonst noch etwas?«

»Nun«, Sarah beugte sich ein wenig vor, »auf keinen Fall solltest du Herrn Mayr gegenüber erwähnen, dass du Weihnachten nicht magst.«

»Alles klar. Ich werde mich beherrschen. Ist das alles?«

»Jawohl! Sei ganz entspannt.«

Das war Nina, nach all den gutgemeinten Tipps, eigentlich gerade nicht mehr. »Was, wenn ich versage?«

Ganz ehrlich war sie nun doch wieder nervös. Bisher war es ihr ganz gut gelungen, sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Aber mittlerweile wurde es immer schwerer, etwas zu finden, was ihr auch zusagte. Und einen festen Job wollte sie eben auf keinen Fall. Sie war ein Mensch, der keinen geregelten Alltag vertrug. Sie wollte weiterhin spontan, ungebunden und frei durchs Leben gehen können. Aber Sarah hatte ihr klipp und klar gesagt, dass sie Ninas Anteil an der Miete von jetzt an nie wieder vorstrecken würde. Und Nina konnte es ihr noch nicht einmal verübeln, sie hatte schon recht. Und so kam es nun, dass sie auf diesen Weihnachtsjob angewiesen war.

»Du wirst nicht versagen. Und jetzt los!«

Noch immer mit ihren Gedanken beschäftigt, straffte Nina die Schultern, ließ sich dann aber in den Mantel helfen, um in aller Eile gemeinsam mit Sarah die Wohnung zu verlassen. »Auf in den Kampf!«, murmelte sie, bevor sie die Haustür hinter sich zuzog.

»Nächster Halt … Marienplatz«, erklang die dezente Lautsprecherdurchsage. Nina sprang sofort auf, obwohl die S-Bahn noch gar nicht abgebremst hatte. Eindeutig ein Fluchtreflex. Natürlich wusste sie, dass Sarah ihr diesen Termin nur mit größter Mühe beschaffen hatte – und auch nur, weil ihr Vater den Arbeitgeber persönlich kannte. Nina war ihrer Freundin ja auch dankbar. Nein, wirklich! Aber sie konnte sich ungefähr eine Million reizvollere Arbeitsplätze vorstellen als den Münchner Christkindlmarkt. Wenn Nina nämlich eines hasste, dann war es Weihnachten – mit allem Drum und Dran. Während der Rest der Menschheit zur Weihnachtszeit netter, liebevoller und menschlicher wurde, so war das bei Nina genau das Gegenteil. Und die Vorstellung, gerade im Zentrum der Weihnachtshysterie zu arbeiten, versetzte sie in eine Art Schockstarre. Glöckchen, Engelchen, Sternchen, Plätzchen und überhaupt all dem Weihnachtsstuss, der auf -chen endete, ging sie normalerweise recht erfolgreich aus dem Weg. Wie aber sollte ihr das auf einem Weihnachtsmarkt gelingen? Mit Scheuklappen?

»Du machst dir wieder Sorgen. Ich sehe es dir an der Nasenspitze an«, unterbrach Sarah ihre düsteren Gedanken mit einem freundlichen Lächeln.

Komisch eigentlich, dass ihre Mitbewohnerin so viel Geduld mit ihr hatte. Nina nervte diese irre Fahrt auf der Gefühlsachterbahn, auf der sie sich befand, ja schon selbst mächtig.

»Nee, ich versuche mich nur zu sammeln. Um dem Weihnachtshype gleich standhalten zu können.«

»Ach«, wiegelte Sarah ab, »wird nicht schlimm. Versprochen.«

Der Zug hielt quietschend, und sie verließen die S-Bahn-Station, um sich ins weihnachtliche Getümmel zu stürzen.

Es wurde nicht schlimm. Es wurde schlimmer – wenn nicht sogar am schlimmsten. Schon aus eigentlich sicherer Entfernung schlug Nina eine Wolke aus Düften, Klängen und rot-goldenem Kitsch entgegen, die sie beinahe zum Torkeln brachte. Lametta, Watte und Lichter imitierten an jedem Eck und in jedem Winkel Eis und Schnee, Essen in allen Formen und Farben bewirkten, dass man Hunger bekam, selbst wenn man gerade etwas gegessen hatte, und Weihnachtsmusik bohrte sich in die Köpfe und verursachte damit eine Art von Gruppenwahnsinn, dem man nur schwer entkommen konnte. Die reinste Folter.

»Wie schön!«, begeisterte sich hingegen Sarah, die Nina einfach vor sich her schob. Durch enge Weihnachtsmarktgassen, an Menschentrauben vorbei, immer tiefer hinein in das, was dieser wie ein wahrgewordener Albtraum vorkam.

»Herr Mayr. Ich bin’s, die Sarah!«, rief ihre Freundin irgendwann und blieb an einem Glühweinstand stehen. Sarah klopfte dem Schrank von einem Mann leicht auf die Schulter, auch wenn Nina stark bezweifelte, dass dieser irgendetwas davon bemerkt hatte. Er drehte sich auch nur sehr langsam um und stand, mit Kartons und Tassen hantierend, an seinem Holzstand mitten auf dem Marienplatz, als hätte er niemals im Leben etwas anderes gemacht. Nina zwang sich, sich von den Eindrücken, die sie umgaben, loszumachen. Immerhin wollte sie einigermaßen kompetent und arbeitswillig auf den Mann wirken.

»Do san sie ja. Guadn Dog, de Dama

Brav nahmen Sarah und Nina nacheinander seine Hand, die er ihnen entgegengestreckte. Nina hatte den Eindruck, dass ihr ganzer Arm in der Riesenpranke des Mannes verschwand.

Komisches Vorstellungsgespräch, so zwischen Tür und Angel. So etwas hatte Nina bisher noch nicht erlebt. Aber man war ja als chronisch Arbeitslose flexibel.

»Is des oiso de Nina?«, wollte er von Sarah wissen.

»Genau, Nina Ullrich. Meine beste Freundin und Mitbewohnerin.«

»Hobn Sie des scho eimoi gemacht, des Glühwein-Ausschenkn, Frau Nina Ullrich

»Also, Glühwein direkt noch nicht. Aber ich habe einmal auf der Wiesn im Ausschank gearbeitet.«

»Auf da Wiesn? Dann känna Sie beim Glühwein nix falsch machn

Herr Mayr strahlte. Das hatte Nina sich beinahe gedacht, dass sie diesen Ur-Bayern mit ihrer Arbeitserfahrung auf dem Oktoberfest beeindrucken konnte. Dass sie es dort nur vier Tage ausgehalten hatte, behielt sie natürlich für sich.

»Nina ist echt zuverlässig, Herr Mayr«, behauptete Sarah jetzt einfach einmal. Obwohl Zuverlässigkeit nicht gerade eine Charaktereigenschaft war, für die Nina bekannt war.

»Des hoff i sehr. I mog des ned, wenn de Leid ned pünktli san oda so

Bei dieser Bemerkung wurde Nina rot, versteckte ihre Verlegenheit aber hinter einem gekünstelten Hustenanfall.

»Da können Sie bei der Nina ganz entspannt sein. Auf die können Sie sich verlassen, Herr Mayr«, sprang Sarah schon wieder für sie ein.

Nina setzte einfach nur ein höfliches Lächeln auf. Sarah übernahm ihren Part ja gerade sehr souverän.

»Dann fangn Sie hoit am nächstn Freidog an!«, bot Herr Mayr freundlich an. Und Nina machte einen kleinen Luftsprung.

»Danke, Herr Mayr!«

»Nix z’ dankn. Enttäuschn Sie mi ned, Nina Ullrich

»Keine Sorge. Bestimmt nicht!« Das hoffte sie zumindest.

»So. Und jetzt wird gefeiert!«, beschloss Sarah, nachdem sie sich wenig später von Herrn Mayr verabschiedet hatten.

Für beide war sofort klar gewesen, wo sie den neuen Job feiern wollten: in der gemütlichen Sitzecke des Max Bräu. Den feinen und fantasievoll gestalteten Fleischpflanzerln der bayrischen Gaststätte konnten sie nicht widerstehen und sie suchten immer wieder nach der richtigen Gelegenheit, um dorthin zu gehen.

»Mann, mir fällt echt ein Stein vom Herzen. Gut, dass das so wundervoll geklappt hat.«

Sarahs Erleichterung war geradezu ansteckend. Auch Nina fühlte sich seltsam beschwingt und verdrängte dabei komplett den Gedanken an all das Weihnachtszeugs, das sie an ihrer neuen Arbeitsstelle unweigerlich umgeben würde.

»Danke für deine Hilfe. Ohne dich hätte ich sicher wieder etwas Falsches gesagt.«

»Ja, ich habe auch schon gezittert, als du angefangen hast, von der Wiesn zu erzählen.«

Nina kicherte. »Das habe ich gesehen. Bist ganz blass geworden.«

»Weil ich dachte, du erzählst dem Mayr, dass du es dort so schrecklich gefunden hast.«