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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Für Christina

Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.
Prediger 12,13

Vorwort
Die Zehn Gebote – als Formel für gutes Verhalten sind sie weltberühmt. Und doch: In seinem Buch Die Bibel – Eine Biographie (2009) notiert der Physiker Martin Urban, der über 30 Jahre lang das Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung geleitet hat, die betrübliche Tatsache: »Mittlerweile kennt in Europa nur eine Minderheit der erwachsenen Bevölkerung den Wortlaut der Zehn Gebote.« Allenfalls »die auf die Mitmenschen bezogenen Gebote des Dekalogs« hätten sich einen Ruf als »ethisches Minimum« – auch unter sogenannten Nicht-Gläubigen – bewahrt. Sollte diese Diagnose zutreffen, so erkennt sie eine kulturelle Katastrophe.
Anscheinend hat die Mehrheit unserer europäischen Zeitgenossen vergessen, was den Kern und die Besonderheit der Stellung des Menschen im Kosmos ausmacht: Die Zehn Gebote sind der älteste schriftlich überlieferte Kanon gesitteter Menschlichkeit, über den die Europäer überhaupt verfügen. Sie sind, biblisch gesprochen, der »Adlerflügel«, der den Menschen aus dem bloß biologisch betrachteten Kampf ums Dasein befreit. Ein Europäer, der sie kaum kennt und nicht zuletzt deswegen für entbehrlich hält, weiß im Grunde nicht, wer er ist – er begreift auch nicht die ethische und kulturgeschichtliche Relevanz seiner eventuellen Entschlossenheit, diesen Kanon zu korrigieren oder zu ignorieren.
Die Zehn Gebote sind der Inbegriff abendländischer Moralität. Das klingt feierlich. Aber was heißt Moralität? Der Begriff ist zunächst ganz unfeierlich, er stammt aus dem Lateinischen: Mos bedeutet »Wille« und »Regel«, dann auch »Gewohnheit, Brauch«, »Art und Weise, Mode«, »Benehmen« und schließlich – als entscheidende Summe dieser Bedeutungsvarianten – »Gesinnung, Charakter«. Wem die Zehn Gebote nicht als Inbegriff unserer europäischen Moralgeschichte gelten, der hält womöglich Menschen mit ausgeprägtem Charakter ebenfalls für überflüssig, wenn er nicht gar insgeheim denkt, im Prinzip sei »alles erlaubt«, solange man nicht erwischt werde, und überhaupt: nur Egoisten seien in dieser Welt erfolgreich; wer sich da nicht anpasse, gehöre rasch zu den Verlierern. Könnte es sogar sein, dass diese windige Vorstellung heute zum moralischen Rüstzeug eines flexiblen Karrieregenies gehört? Könnte es sein, dass die Gleichgültigkeit vieler »Top-Manager« gegenüber einem Kanon wie dem der Zehn Gebote zu den geistigen Mitursachen der jüngsten Wirtschaftskrise zählt, die ja viel mit Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung, haltloser Spekulationsfreude und sozialer Rücksichtslosigkeit zu tun hatte? Könnte es sein, dass die Nonchalance, mit der unsere Oberschicht-Intellektuellen vermeintlich altmodische Regeln wie diese Zehn Gebote zugleich abnicken und tunlichst ignorieren, mitverantwortlich ist für einen Alltag, in dem frustrierte jugendliche Wüteriche Amok laufen – auf dem Schulhof oder in der U-Bahn – und notfalls couragierte Ältere, die sie dabei stören, totschlagen? Vielleicht haben diese Gewalttäter im Schulunterricht allenfalls von weitem die Mahnglocke der Zehn Gebote vernommen – wenn überhaupt. Vermutlich waren die zuständigen Pädagogen noch aus dem moralisch morschen Holz jener »Fraktion« der 68er-Generation geschnitzt, für die es wichtiger war, bestehende Regeln als sogenannte Tabus in Frage zu stellen, als den jungen Menschen klarzumachen, dass es ohne eine elementare Moral, wie sie der Dekalog komprimiert, kein gedeihliches Zusammenleben gerade solcher Menschen geben kann, die eine bessere Zukunft erhoffen, mögen sie auch höchst unterschiedlich denken und fühlen. Von der erschreckenden moralischen Indifferenz einiger einflussreicher 68er-Ideologen hat erst unlängst Bettina Röhl, die Tochter von Ulrike Meinhof, ein eindrucksvolles Zeugnis abgegeben. In einem Essay, den der SPIEGEL (31.05.2010) veröffentlichte, schilderte sie die »Lebenslast« ihrer Kindheit an der Seite eines Vaters, der nach dem Abtauchen der Mutter in den Untergrund die elfjährige Tochter »quasi als Ehefrauersatz« betrachtete und zuweilen übergriffig wurde – entsprechend der 68er-Ideologie, der politischen Befreiung habe die Bekämpfung sexueller »Tabus« vorzuarbeiten, zu diesen zählte Konkret-Herausgeber Klaus Röhl auch das bürgerliche Verbot inzestuöser »Liebesgeschichten« zwischen Vätern und Töchtern.
Dieses Buch behauptet entschieden die universelle, zeitlose, normative Bedeutung der Zehn Gebote gegen alle neueren Versuche, sie zu sympathischen Verhaltens-»Regeln« zu verharmlosen, sie psychologisch (»Moral ist gefährliche, heuchlerische Triebunterdrückung«), evolutionsbiologisch, historisch oder im Sinne multikultureller Ethno-Ethik (»Jede Kultur hat ihre eigene Moral«) zu relativieren. Zugleich wird die Geschichte der Zehn Gebote und ihrer Bruder-Gebote in anderen Kulturen betrachtet, es geht um ihren rationalen und spirituellen Erkenntniswert, aber auch um ihre Schwächen. Die Zehn Gebote sind kein archaisches Prophetengemurmel, das den auf seine diversen Verrückt-Heiterkeiten erpichten Intellektuellen dieser Tage wenig zu kümmern braucht; sie sind ein Daseins-Gesetz, vergleichbar dem Kreis und dem Quadrat in der Architektur. Ohne die geometrischen Grundformen lässt sich kein stabiles Haus planen und bauen. Papst Benedikt XVI. nennt die Zehn Gebote – in seinem Buch Jesus von Nazareth (2007) – völlig zu Recht die »Notensprache unserer Existenz« und unterstreicht damit ihren Anspruch, für alle Menschen zu gelten, und nicht nur für die jüdischen und christlichen Gläubigen.
Wenn die Menschen noch ein paar Jahrtausende überleben wollen, müssen sie die Zehn Gebote neu für sich entdecken und absolut, vom Absoluten her, ernst nehmen. Sie sind die humane, ethische Ressource schlechthin, im Rang vergleichbar den elementaren Bodenschätzen und Lebensbedingungen der äußeren Natur. Sie sind die Atemluft einer Moral, die den Weltfrieden im Blick hat. Dabei geht es nicht bloß um die beherzte Rückbesinnung auf biblische Weisheit oder gar um jene religiöse Nostalgie, die zurzeit den Naturwissenschaften ihren latenten Ausschließlichkeitsanspruch auf Weltdeutung überraschend streitig macht – wo doch die rationale Entzauberung der Wirklichkeit längst unumkehrbar zu sein schien. Die Zehn Gebote enthalten eine humanistische Grundorientierung, die nicht wenig zur Antwort auf die ewige Frage beiträgt, was den Menschen zum Menschen macht. Sie enthalten die wahre Theorie einer freien, humanen Praxis, ohne die der Mensch verfehlt, was er wesentlich sein kann. Wir werden zu zeigen versuchen, dass dies nicht nur für die sozialen Teile des Dekalogs gilt, vom Tötungsverbot bis zum Elternrespekt. Ohne die Anerkennung einer absoluten, mythisch gesprochen: göttlichen Ur-Instanz sind die sozialen Teile der Zehn Gebote kaum mehr als freundliche Empfehlungen zum Wohlverhalten, die man aber notfalls mal ignorieren kann, ohne an der eigenen ethischen Identität Schaden zu nehmen. Unser Thema kommt aus der Religion, aber abgehandelt wird es hier auch und vor allem im kulturgeschichtlichen, philosophischen, zeitkritischen Rahmen.
 
Winsen an der Luhe, im April 2010
Mathias Schreiber

Zur Aktualität des Moralisierens
Afrikanischer Busch, fettes, wirres Grün, feuchtschwüle Luft, die einen wässrigen Film auf der Haut hinterlässt, das Herz der Finsternis – die so überschriebene Erzählung von Joseph Conrad verwandelt die triefende Tropenhitze in eine Metapher des Wahnsinns – ist hier so nahe wie die nächste Flussmündung mit Krokodilen; und die ständig von Fliegen umschwirrten Kranken stöhnen leise, weil alles Lautsein sowieso in der nass brütenden Glut schmilzt wie Schnee unter der Höhensonne; aber der dreißigjährige, theologisch gebildete Mediziner mit dem ausdrucksstarken Sorgengesicht spielt ungeniert Orgel, unberührbar funkelnde Fugen eines gewissen Johann Sebastian Bach, über den er mal ein Buch geschrieben hat: Albert Schweitzer (1875 bis 1965) – im Ersten Weltkrieg Missionsarzt im Tropenhospital von Lambarene, Arbeitstier, tatendurstiger Idealist, späterhin der zusammen mit Albert Einstein gegen jeden möglichen Atombombeneinsatz kämpfende Friedensnobelpreisträger. Europäische Barockmusik im Busch, und dabei der tägliche Kampf gegen Malaria – vielleicht ein bisschen verrückt? Kristallklare, zweckfreie Tonarchitektur im verwirrenden, heißen Äquatordschungel von Gabun – eine Groteske? Nein: Es ist ein bewegendes Schauspiel, eine frappierende Synthese aus Ästhetik und Ethik. Ihr Held ist einer der intelligentesten Ethik-Abenteurer der Geschichte. Er lehrt die »Ehrfurcht vor dem Leben«, praktiziert sie selbst in einer einmaligen Verbindung von persönlichem Wagemut, fundierter, wenn auch wegen ihrer technischen Primitivität umstrittener Heilkunst, Musikalität und Philosophie.
Eine Szenerie wie diese nimmt der Frage nach der authentischen Moral von Menschen, die mehr wollen, als ihrem Ego den effektvollsten Auftritt zu sichern, jeden Anschein säuerlicher Grämlichkeit und schmallippiger Sittenstrenge. Eine Szenerie wie diese macht auf Anhieb eines klar: Moral ist kein muffiger Hobbykurs schwer zu befriedigender Pedanten, kein Volkshochschulthema verhinderter Betschwestern, kein flüchtiges Sühne-Intermezzo reumütiger Spekulanten und Investitionsopfer der jüngsten Wirtschaftskrise; sie ist nicht die Domäne der feierlichen Frömmler, der Unaufrichtigen und sexuell zu kurz Gekommenen, »als ob Güte nur die letzte Rettung wäre, wenn sich schwierigere, aber erfüllendere Vorsätze erschöpft haben«, wie der britische Autor Alain de Botton (Jahrgang 1969) im März 2010 in einem Debattenbeitrag zum Thema »Was wem zusteht« für die englische Internetinitiative »Citizen Ethics Network« formulierte. Nein, Moral ist eines der großen humanen Abenteuer, hat eine lange, spannende Geschichte und viel mit existenzieller Kühnheit, mit handelnder Phantasie, sogar mit Schönheit und letzten Endes mit dem zu tun, was den Menschen von der tierischen Bestie unterscheidet. Was nicht heißen soll, dass alle Tiere aggressive und gierige Bestien sind. Immerhin gilt wohl auch für jene höheren Tiere, denen Tierforscher die Fähigkeit zur Empathie nachsagen, Bertolt Brechts zynischer Vers aus der Dreigroschenoper: »Erst kommt das Fressen, dann die Moral« – er sollte die moralischen Heuchler unter den Besitzenden provozieren.
Der altgriechische Philosoph Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) hat gemeint, es gebe »keine Glückseligkeit außerhalb der Tugend«; denen, die »nicht das moralisch Gute tun«, könne es »unmöglich« wohl ergehen. Worauf Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900) im 19. Jahrhundert anspielt, wenn er kritisiert, die Spezies jener »Bösen, die glücklich sind«, werde »von den Moralisten verschwiegen« (freilich hat schon Platon, der Lehrer des Aristoteles, durchaus ihrer gedacht).
Der Journalist Wolf Schneider (Jahrgang 1925) spricht, in seinem Buch Glück! (2007), dem aufgeklärt-hedonistischen Konsens der Gebildeten dieser Tage aus dem Herzen, wenn er findet, was Aristoteles da formuliert habe, schalle als »falsche Stimme seither durch die Weltgeschichte«. Demnach dürfe sich der Missionar glücklich fühlen, den »die Kannibalen fressen«. Bei der Gelegenheit verweist Schneider auch den Dichter Heinrich von Kleist auf die billigen Plätze des denkerisch Falschen, weil der von dem »erfreulichen Anschauen der moralischen Schönheit« des menschlichen Wesens geschwärmt habe. Dabei ist die Prägung »moralische Schönheit« denkwürdig – sie wird uns noch beschäftigen.
Wer moralisiert, langweilt, so lautet die aus solchen Quellen gespeiste Erkennungsmelodie avancierter Feuilletonisten und Zeitgeistintellektueller des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Exemplarisch hierfür ist die ironische Antwort, die der erfolgreiche Kabarettist Dieter Hildebrandt (Jahrgang 1927) gegeben hat, danach befragt, ob er die Zehn Gebote auswendig könne: »Fünf weiß ich noch: Du sollst mit deinem Vater und deiner Mutter nicht die Ehe brechen, oder so ähnlich. Du sollst keinen Gott außer dir neben dir haben. Du sollst nicht lügen, wenn es nicht irgendeinen Sinn macht. Du sollst niemanden töten, es sei denn, er muss weg.« Indirekt will das sagen: Interessant werden die Zehn Gebote erst, wenn man sie lustig verdreht.
Der evangelische Pfarrer und TV-Moderator Jürgen Fliege (Jahrgang 1947) bekennt in seinem Buch Die Ordnung des Lebens. Die Zehn Gebote (2005), was wohl vielen an sich durchaus gläubigen Christen dieser Jahre aus dem Herzen spricht: »Mich haben diese Zehn Gebote über fünfzig Jahre lang nicht interessiert.« Als Grund gibt er an: »Solange ich zurückdenken kann, hat man mich mit den Zehn Geboten bedroht.« Es ist die stereotype Moralpredigt der prüden fünfziger Jahre, die auch in vielen anderen Christen die Meinung gefestigt hat, die Zehn Gebote seien der Inbegriff des »moralinsauren, lebensfernen Katechismus-Unterrichts«, wie Matthias Köckert in seinem Buch Die Zehn Gebote (2007) bestätigt.
In der Ordnung des Lebens spricht Fliege die Zehn Gebote nicht in der kanonischen, sondern in umgekehrter Reihenfolge durch; er vertritt die originelle These, »dass die Komposition der Zehn Gebote nichts anderes ist als die Reihe der unumgänglichen Stationen auf der Lebensreise eines jeden Menschen«. Als »Reisebeschreibung für das Leben«, von der Gier des Säuglings nach Milch und Liebe bis zum »Gotteslob« des reifen Menschen, versucht Fliege die Gebote zu reanimieren – für den Leser, aber auch für sich selbst. Dass dies eine allzu harmlose Beatmung auf Kosten der fordernden Tiefe der Gebote ist, wird spätestens dann klar, wenn Fliege arglos meint, es gebe halt »nur deinen und meinen Gott«, oder wenn er belustigt erzählt, wie die Medien ihn »vor ein paar Jahren auf jedem Niveau durch alle Schlagzeilen« gehetzt hätten. Und zwar mit Schlagzeilen wie »Fernsehpfarrer sündigt gegen das sechste Gebot«. Anlass sei gewesen, dass er irgendeinem penetrant auf dem sechsten Gebot (»Du sollst nicht ehebrechen«) »insistierenden« Reporter »trotzig ins Mikrofon« geantwortet habe: »Ich habe schon alle zehn Gebote gebrochen.« Sex sells – müssen wir etwa deshalb die leicht schlüpfrige, etwas eitle Fernsehpfarrer-Anekdote lesen, wenn wir uns für die Zehn Gebote interessieren?
Auch ungleich seriösere Autoren, die sich mit den Zehn Geboten befasst haben, tun sich etwas schwer, das Thema anzugehen, ohne sich von dessen moralischem Anspruch zu distanzieren. Zu ihnen gehört auch der Benediktinermönch und Bestsellerautor Anselm Grün (Jahrgang 1945). Er versteht seine von wohltuender Gelassenheit getragene, dennoch sehr sachkundige Einführung in Die Zehn Gebote (2006) als nüchternen »Wegweiser in die Freiheit« (so der Untertitel) und als praxisnahe Lebenshilfe aus katholischer Sicht. Aber er warnt mehrfach, mit »bloßem Moralisieren« wolle und könne man die Zehn Gebote nicht »bei den Menschen durchsetzen«.
Diese Warnung ist nur berechtigt, wenn wir den Begriff »Moralisieren« zur sinnenfeindlichen Betonung von allen möglichen Verboten verengen. So als gehe es dabei um eine einzige »Du darfst nicht«-Diät. Der Begriff »Moralisieren« lässt sich aber auch umfassender verstehen. Dann zielt er mitten in unser Leben, dann betrifft er allgemein die Art und Weise, in der wir Menschen zu entscheiden und zu handeln und dabei auch mit uns selber umzugehen pflegen; für diese Art und Weise suchen wir Normen. Das setzt einen entschlossenen Ernst gegenüber der jeweiligen Lebenssituation voraus: Bei jeder Handlung und Handlungstheorie bedenken wir, auf der Suche nach der angemessenen Grundhaltung (griechisch: ethos), die dramatisch begrenzte Frist der menschlichen Existenz, also der realen Chancen für ein gelungenes Leben. Ars longa, vita brevis – dieses lateinische Epigramm, das ursprünglich auf den griechischen Arzt Hippokrates zurückgeht, kann auch heißen: Das Leben ist eigentlich zu kurz bemessen für langwierige Erörterungen und bloße Begriffsspielereien. Bis wir uns triftig entscheiden, wie wir zu leben haben, ist meistens schon ein gutes Stück Leben an uns vorübergerauscht. Das meint: Wer moralisiert, langweilt nicht, er hat dafür gar keine Zeit übrig, er nimmt das Wie des Lebens im Angesicht von dessen Vergänglichkeit und Vielschichtigkeit entschlossen in den Blick und, besonders wichtig, auch dessen Aussicht auf authentische, ethisch geprägte Schönheit. Worum es da geht, wie die Entscheidung, etwa zwischen Moral und Achterbahnvergnügen, ausfällt, das ist nicht langweilig, das ist spannend.
Die postmoderne Hochglanz-Philosophie der achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, deren Erbe heutzutage vom »Alles ist möglich« (anything goes) etlicher Internet-Blogger verwaltet wird, war die vermeintlich harmlose kulturelle Ouvertüre jenes Schauspiels haltloser Geldjongleure, die zwischen 2007 und 2009 die westliche Zivilisation in eine ihrer schlimmsten wirtschaftlichen Krisen getrieben haben. Augenmaß, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, soziale Empathie, Selbstliebe als Menschenliebe, moralische Sensibilität – diese und andere angeblich intellektuell uninteressanten Tugenden kehrten, in der Reaktion auf die Krise, geradezu triumphal zurück in ein öffentliches Bewusstsein, das im Konsumrausch einer glitzernden Globalisierung und Relativierung alles Überkommenen fast schon vergessen hatte, wie wichtig das Elementare menschlichen Verhaltens eigentlich ist und bleibt, nämlich die Rechtschaffenheit. Und wie anregend es sein kann, über sie nachzudenken.
Der spanische Philosoph José Ortega y Gasset (1883 bis 1955) hat das Überleben der abendländischen Kultur vom rechtschaffenen, moralisch ambitionierten »Charakter« abhängig gemacht. In seinem zuerst 1930 publizierten Werk Der Aufstand der Massen hat Ortega das »psychische Diagramm« des diese Kultur verpulvernden »Massenmenschen« so umrissen: »Die ungehemmte Ausdehnung seiner Lebenswünsche und darum seiner Person« verbinde sich bei diesem Typus mit der »grundsätzlichen Undankbarkeit gegen alles, was sein reibungsloses Dasein ermöglicht hat« – liberale Demokratie, naturwissenschaftliches Wissen, vor allem in der modernen Physik und in der Medizin, technisches, industriell angewandtes Können, geniale Geister der Vergangenheit. Der moderne, traditionsferne Massenmensch verhalte sich wie ein »verwöhntes Kind«, welches glaubt, dass es »alles darf und zu nichts verpflichtet ist«.
Ortega sah 1930 voraus, was aus dem Triumph des »aufsässigen Massenmenschen«, der zu keiner »höheren objektiven Norm« mehr »aufblicke«, nach 1933 tatsächlich resultierte: beispielloser »Niedergang«, der »vertikale Einfall der Barbarei« (Ortega zitiert hier Walther Rathenau) faschistischer, nationalsozialistischer und kommunistischer Couleur. Dagegen helfe nur eines: jener individuelle »Charakter«, der sich gegen die vermeintlich zwingenden »Umstände« stemme und bereit sei, sich selbst konsequent moralische »Ziele« zu geben und danach aufbauend auch zu handeln.
Vom – recht verstandenen – Moralisieren hängt demnach nicht weniger ab als die Zukunft unserer Gemeinschaft, unserer politischen Kultur. Das vermeintlich altmodische, von bestimmten Aufmerksamkeitszockern oft als wohlfeil oder auch selbstverständlich abgebuchte Moralisieren ist nicht zuletzt deswegen aktuell: Es darf nicht passieren, dass fanatische Keulenschwinger christlicher oder islamischer Provenienz die Leerstelle einer ratlos und auf modische Weise zaghaft gewordenen westlichen Kultur füllen. Die Botschaft der Zehn Gebote ist, gründlich betrachtet, ein moralisches Fundament, das dem Furor sogenannter Fundamentalisten sehr wohl gewachsen ist. Ihre wuchtige Einfachheit überzeugt und täuscht zugleich – sie täuscht insofern, als sie auf harmlose Weise simpel wirkt, wie ein Sentenzenkatalog aus dem Katechismus.
Dabei ist sie alles andere als harmlos, eine tägliche Herausforderung für den modernen Augenblicksmenschen und Gelegenheitsdenker, der glaubt, aus unserer eindrucksvollen wissenschaftlich-technischen Naturbeherrschung folge, dem Menschen sei auch auf anderen Gebieten im Grunde alles möglich und machbar. Die einfache Botschaft der Zehn Gebote hält dagegen: Mag die Natur von uns noch so brillant genutzt und gelenkt werden, am Ende bleiben die physischen und metaphysischen Gegebenheiten unserer Existenz unzugänglich für die Manipulationstriumphe von Computerspielern, denen der Unterschied zwischen Gut und Böse allenfalls als ästhetische Chance wichtig erscheint, um in der jeweils erzählten Geschichte Licht und Schatten zu kontrastieren. Die Botschaft der Zehn Gebote ist jene ethische Unabhängigkeitserklärung des Menschen, die seiner existenziellen Sonderstellung im All entspricht. Die Zehn Gebote sperren den Charakter des Individuums nicht in einen Einheitskäfig, sie sichern vielmehr die moralische Souveränität des Individuums gegen alle gesellschaftlichen Versuche, es als bloßes Mittel für irgendwelche ideologischen Lager oder wirtschaftlichen Zwecke zu missbrauchen. Die Zehn Gebote umgrenzen den heiligen Bezirk ethischer Autonomie, verstanden als humane Selbstbestimmung aus reinen Prinzipien – sie sind der in Sprache gegossene Tempel einer Freiheit, die mehr meint als die Willkür im Kampf aller gegen alle: »das ABC des Menschenbenehmens«, den »Felsen des Menschenanstandes«, wie Thomas Mann es in seiner Erzählung Das Gesetz formuliert hat.
Darum sind die Zehn Gebote auch von monumentalischer Schönheit – wie ein griechischer Tempel oder eine mittelalterliche Bruchsteinmauer, die einen Kirchhof schützt. An so einer Wand, deren Urbild die Klagemauer von Jerusalem, der Rest eines gewaltigen Tempels, ist, stößt sich das selbstherrliche Subjekt der Moderne regelmäßig die Stirn blutig, ohne zu begreifen, wie ihm geschieht; und wie klein sich sein maschinenschlaues, Facebook-vernetztes, pausenlos plapperndes Computer-Ich gegenüber der Geschichtsmacht von lapidaren Sätzen ausmacht, deren jedes Wort wie in Stein gemeißelt wirkt. Nur diese Zehn Gebote, keine der vielen anderen Lebensvorschriften des Alten Bundes hat Gott selbst auf steinerne Tafeln geschrieben – wie die Bibel betont: zwei Mal!
Die Vielschichtigkeit und Kraft der Zehn Gebote, eines der großen Geschenke der jüdischen Religionsgeschichte an den Rest der Menschheit, wird aber erst bei einer genaueren Betrachtung ihres Wortlauts deutlich.

Wie die Zehn Gebote genau lauten und was sie fordern
Gerechtigkeit und Menschenliebe – um beide, auch um die natürliche Spannung zwischen diesen beiden, geht es in den Zehn Geboten. Jeder glaubt, diese Begriffe spontan zu verstehen, dabei stecken viele Bedeutungsschichten in ihnen und je nach der Situation, in der sie konkret werden können, auch beachtliche Widersprüche. Ist der Gerechte nicht oft herzlos, weil er sein Prinzip abgelöst vom komplizierten Fall dieses oder jenes Individuums verfolgen muss? Und ist der Liebende, egal ob emotional oder allgemein humanitär engagiert, nicht ebenso oft ungerecht, indem er sich, zum Beispiel, über den womöglich verheerenden Charakter des jeweils Geliebten hinwegschwingt und sich oft gerade dem Menschen, der seine Zuwendung am ehesten verdient hätte, verweigert? Meint der Begriff der Nächstenliebe vielleicht nicht viel mehr, als dass ich dem Nächsten möglichst gerecht werden muss? Hat, andererseits, der Begriff der Gerechtigkeit nicht auch das Moment des erzwungenen Rechts, der gewaltsamen Triebunterdrückung, ein Moment, das von der Nächstenliebe, die ohne Nachsicht gegenüber menschlicher Schwäche kaum auskommt, weit entfernt zu sein scheint? Und ist das wichtigste aller Gebote, das Tötungsverbot, so klar, wie es zunächst wirkt? Wo exakt verläuft die Grenze zwischen Tötung (die ja im Alten Testament als Strafe für bestimmte Vergehen erlaubt wird) und Mordtat? Was ist mit dem sogar im Christentum traditionell zugelassenen Tyrannenmord? Darf man einen Adolf Hitler nicht auch ohne rechtliche Verurteilung umbringen? Oder darf man ihn lediglich durch Todesdrohung in den Selbstmord treiben? Was ist mit der Todesstrafe, was mit dem »gerechten Krieg« gegen Angreifer, was mit dem »Recht im Krieg«, mit radikalen Fairnessgeboten, die auch in Ausnahmesituationen gegenüber Verbrechern eingehalten werden müssten? Und darf ich in einer akuten Gefahr einen Menschen opfern, um andere, denen er in dieser Situation zum Verhängnis werden kann, zu retten? Wer gibt mir das moralische Recht, dieses eine Opfer auszuwählen? Und schließlich: Verbietet das Tötungsverbot die Selbsttötung?
Lauter große Fragen, auf die der vermeintlich simple Gebotskatalog des Alten Testaments keine Antworten weiß. Oder vielleicht doch? Zunächst einmal so viel: Das Alte Testament bietet die Zehn Gebote in zwei Varianten – im 2. und im 5. Buch Mose. Beim ersten Mal »redet« Gott auf dem Berg Sinai direkt zu Mose, beim zweiten Mal wiederholt Mose, was der »Herr« ihm aufgetragen hat, nachdem der Prophet »ganz Israel« zusammengerufen hat. Letzteres hat den Charakter der beschwörenden Erinnerung an jenes Urerlebnis auf dem Sinai. Daraus lässt sich folgern, dass im Zweifel die erste Version authentischer ist als die zweite, es scheint sich um den Schritt von der Verkündigung zur Deutung des Verkündigten, in der sogenannten »Wiederholung«, zu handeln. Aber diese Folgerung ist umstritten (siehe auch Seite 66).
Beide Versionen des Dekalogs seien hier zitiert – die griechische Herkunft dieses Begriffs (deka logoi = zehn Worte) verweist auf die große Bedeutung der ersten griechischen Übersetzung des hebräischen Textes, genannt »Septuaginta«, die von jüdischen Gelehrten um 250 v. Chr. in Alexandria geleistet wurde. Die erste Version lautet:
»Ich bin Jahwe (der Herr), dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir … Denn ich bin ein eifernder Gott …
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen …
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tage ist der Sabbat des Herrn … Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Knecht, deine Magd, dein Vieh …
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.«
(Luthertext in der angepassten Version von 1975)
Im 5. Buch Mose spricht Gott »aus dem Feuer auf dem Berge« diese zweite Version des Dekalogs, die in wenigen Punkten von der ersten abweicht:
»Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott …
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen …
Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleich wie du. Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm …
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, … auf dass du lange lebest und dir’s wohlergehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.«
Wunderbare Sätze, Lebensweisung quasi mit dem Auktionshammer, der ja auch nur Ablehnung oder Zugriff erlaubt, aber nichts dazwischen. Reine Prägnanz, klare Evidenz. Du sollst das, und jenes sollst du nicht, basta. Die schiere Zumutung für unsere Talkshow- und Endlos-Debattenkultur, in der am Ende doch keiner weiß, worauf es im Leben ankommt. Die schlagende Kürze hat den kulturellen Aufstieg der Zehn Gebote nicht immer befördert. Im antiken Judentum galten sie kaum mehr als die vielen übrigen, deutlicher situationsbezogenen Gesetze des Alten Testaments. Das Neue Testament zitiert sie nirgends komplett, und erst das Hohe Mittelalter hebt sie mehr ins Bewusstsein der Christen, indem es die üblich gewordenen Beichtspiegel an ihnen orientiert. Das erste Beichtbuch dieser Art stammt von Erzbischof Edmund von Canterbury aus dem Jahr 1227: Speculum Ecclesiae (Spiegel der Kirche). Wirklich zentral werden die Zehn Gebote aber erst durch den Reformator Martin Luther (1483 bis 1546).
Dem Alten Testament ist die energische Wucht dieser Worte sehr bewusst: Kein Geringerer als der Prophet Mose, der Letzte, mit dem Gott selbst gesprochen hat, erläutert, dies seien »die Worte«, die der Herr »auf zwei steinerne Tafeln« geschrieben und dann ihm, Mose, gegeben habe. Als wegweisende »Worte« werden die Zehn Gebote also offeriert, nicht als juristisch fordernde, auf konkrete Fälle kasuistisch zugespitzte Gesetzestexte, wie so viele der strikten Anordnungen, die in der umfangreichen Tora (»Weisung«, auch verstanden als Ganzes der das jüdische Leben prägenden Vorschriften; umfasst alle fünf Mose-Bücher) des Alten Testaments fixiert sind; dazu gehören Anordnungen wie »Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen« (2. Buch Mose, 21,17) oder »Du sollst das Böcklein nicht kochen in seiner Mutter Milch« (2. Buch Mose, 34,26) – eine Vorschrift, die ausgereicht hat, um den strenggläubigen Juden strikte Trennung von Fleischund Milchspeisen aufzuerlegen.
Die Zehn Gebote sind allgemeiner gehalten als die zahlreichen Gebote und Verbote der Tora, es sind keine peniblen, situativ differenzierten Alltagsregeln, sondern universale Moralvisionen eines Gottes, der selbstbewusst (zu Mose) sagt: »Mir gehört die ganze Erde.« In den Zehn Geboten emanzipiert sich der jüdische Berg-, Wetter- und Stammesgott zum Gott aller Menschen.
Zunächst werden die wegweisenden »Worte« nicht pedantisch durchgezählt. Erst in einer wohl später eingefügten Passage, die berichtet, wie Mose die Gesetze, die der Herr ursprünglich höchstselbst auf die Steintafeln schrieb, nun nach dem Diktat des Herrn mit menschlicher Prophetenhand in die Tafeln ritzt (die ersten hatte er ja im Zorn zerschmettert), heißt es ausdrücklich: »Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die Zehn Worte« (2. Buch Mose, 34,28). Im 5. Buch Mose (4,13), das auch »Deuteronomium« genannt wird, sagt der Prophet es noch einmal explizit: »Und er (der Herr) verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.« Die Formel der »Zehn« hat sich dann durchgesetzt, weil sie das Unbegreifliche so suggestiv und fasslich vereinfacht hat. Zehn Gebote kann auch ein des Lesens Unkundiger leicht überschauen und sich einprägen, indem er wie beim Kopfrechnen jeweils ein Gebot mit einem seiner zehn Finger zusammendenkt.
Indes, welche Gebote nun konkret als »zehn« gezählt werden sollen, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die jüdische Religion, der darin die reformierten Kirchen folgen, zählt die Selbstvorstellung Gottes (»Ich bin der Herr …«) und das Verbot fremder Götter als erstes Gebot, das Bilderverbot folgt dann als zweites Gebot, während das neunte (»deines Nächsten Haus«) und das zehnte (»deines Nächsten Weib«) zu einem Gebot zusammengefasst werden. So haben es auch die orthodoxen Kirchen Osteuropas und die anglikanische Kirche Englands übernommen. Martin Luthers »Kleiner Katechismus« (»Die zehn Gebote, wie sie ein Hausvater seinem Gesinde einfältiglich vorhalten soll«) von 1529, der mit den Zehn Geboten beginnt, trennt das neunte wieder vom zehnten Gebot, nimmt die Selbstvorstellung Gottes nicht in die Gebotsreihe auf und lässt das Bilderverbot fort, hebt also an mit dem Verbot fremder Götter: »Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir«
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Zehn Gebote im Bild (Lucas Cranach d. Ä., 1516): Verbot fremder Götter, des Namensmissbrauchs, der Arbeit am siebten Tag, der Missachtung der Eltern, des Tötens, des Stehlens, der Unzucht, des Meineids, des Übergriffs auf die Frau und den Besitz »deines Nächsten« (oben links bis unten rechts)
Diese Zählung geht auf Augustinus zurück, der die Gottesgebote (die ersten vier, das Sabbatgebot eingeschlossen) der rechten, die Menschengebote der linken Tafel in den Händen des Mose zugeordnet hat; und der beide Gebotskomplexe dann in der Prägung des »Doppelgebotes« von Gottes- und Nächstenliebe komprimierte – als Kombination der Gebote »Du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen« (5. Buch Mose, 6,4) und »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Buch Mose, 19,18). Luther, der seinen »Kleinen Katechismus« auch vertont hat, bleibt hier also der katholischen Traditionslinie treu.
Die Differenz – immerhin an zwanzig Punkten – zwischen der ersten Verkündigung der Zehn Gebote durch Gott und der textlich späteren »Wiederholung« ergibt sich vor allem aus der unterschiedlichen Gewichtung und Begründung einzelner Gebote. Das betrifft zumal das Gebot, den Sabbat zu heiligen (siehe unter »Das dritte Gebot«). Aber auch das vierte Gebot, Vater und Mutter zu ehren, wird in beiden Versionen unterschiedlich erläutert. Die zweite ergänzt den Ausblick »damit du lange lebst in dem Land, das dein Gott dir gibt« durch die Zusätze »wie es dir dein Gott zur Pflicht gemacht hat« sowie »damit … es dir gut geht«. Die erste Version betont das stabile Glück der Mehr-Generationen-Sippe, das den Respekt vor den Eltern und Älteren voraussetzt, während die zweite Version das Einvernehmen mit dem Gebot des Herrn und wohl auch die – vom Sippenethos ein wenig gelöste – moralische Selbstwertschätzung des Einzelnen im Blick hat.
Dass diese ethische Identität des Einzelnen kaum zu trennen ist von seinem sozialen Verhalten, begründet den inneren Zusammenhang zwischen den Gottes- und den Menschengeboten. Jedes einzelne der sozialen Dikta – Vater und Mutter ehren, nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen oder verleumden, nicht neiden, nicht willkürlich des Nächsten Lebensordnung zerstören – konkretisiert den Grundsatz des rücksichts- und respektvollen Umgangs mit dem anderen, den Grundsatz der »Nächstenliebe«, wie er im 3. Buch Mose (19,16ff.) ausformuliert wird: »Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin der Herr. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich ladest. Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.«
Die Goldene Regel der »Nächstenliebe« umfasst zwar durchaus auch den emotionalen Sinn von freudiger Zuwendung bis hin zur Hingabe, zumindest soll »in deinem Herzen« kein Hass wohnen; aber diese »Liebe« meint vor allem den gerechten, loyalen Umgang mit dem Nächsten, wozu auch gehören kann, dass man ihn »zurechtweist«, wenn er im Begriff ist, Unrechtes zu tun. Die sozialen Gebote der »Zehn Worte« stecken hierfür den Rahmen deutlich ab. Aber nicht zuletzt der rituell wiederholte Satz »ich bin der Herr« macht klar: Ohne die Gottesgebote des ersten Dekalogteils sind die sozialen Gebote und Verbote nicht absolut bindend. Apodiktisch gelten sie nur als Kernstück des »Bundes« zwischen dem Herrn und seinem Volk. Wer diese Gebote verletzt, glaubt nicht an Gott, heißt dies. Es geht also in der Ethik um den ganzen Glauben, nicht um dessen gesellschaftliches Beiwerk, an dem irdische Richter und Rechtsgelehrte herumzuwerkeln hätten.
Aber auch einmal abgesehen vom speziellen Bündnischarakter der »Zehn Worte« im antiken Israel: Bis heute stimmt es, dass nur die als unbedingt anerkannte Geltung der Gebote nachhaltige Gerechtigkeit unter den Menschen schaffen kann – die Grundvoraussetzung alles friedlichen Miteinanders. Sobald sie nicht vorbehaltlos gelten, sobald situative Ausnahmen sie aufweichen, können die »Bösen« und »Gottlosen« sich auf Kosten der anderen »Dummen« (im Sinne von: »Der Ehrliche ist der Dumme«) Vorteile verschaffen und Unfrieden stiften. Mit anderen Worten: Das ganze finstere Repertoire von Konkurrenz, Misstrauen, Hass, Neid, Diffamierung, Übervorteilung des anderen, Kampf und letztlich Krieg darf sich ungehemmt austoben.
Aus dem wiederholten, deutlichen Bezug auf »dein Volk« und der Tatsache, dass die Zehn Gebote und all die anderen, detaillierteren Gesetze den speziellen »Bund« zwischen Gott und den Israeliten festigen (im 2. Buch Mose, 34,28 werden die »Zehn Worte« die »Worte des Bundes« genannt), wurde gefolgert, dass die umfassende Forderung nach »Nächstenliebe« eher dem Nächsten der eigenen Sippe oder Ethnie gilt, also eher auf eine Stammesethik als auf eine menschheitlich universale Ethik zielt. Das mag für die frühesten Phasen der Niederschrift, zwischen dem 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. (der Dekalog selbst wurde wohl erst im 6. Jahrhundert fixiert), richtig sein. Aber der Anspruchshorizont dieser Ethik hat sich recht bald erweitert. Schon wenn Gott zu Mose sagt, ihm gehöre »die ganze Erde«, ist der Blick über die Stammesgrenzen hinaus gerichtet. Der These vom puren Stammes-Ego widerspricht etwa auch diese Passage aus dem 3. Buch Mose (19,34): »Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.« Dazu passt, was der Prophet Jesaja (55,7) meint, wenn er den Herrn sagen lässt: »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«. Und: »Gott der Herr, der die Versprengten Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu der Zahl derer, die versammelt sind, sammeln.« Den Stammesgott beflügelt hier der Ehrgeiz, möglichst allen Gott-Suchern dieser Erde den Weg des Heils zu weisen.
Für den berühmten Religionslehrer Rabbi Akiva ist, so lesen wir im Talmud aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., das Diktum der Nächstenliebe das wichtigste Gebot überhaupt, »der Rest ist nur Kommentar«. In den Sprüchen des Salomo heißt die positive Gegenfigur zum »Bösen« und »Gottlosen« oft »der Gerechte«. Etwa so: »Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten; aber auf die Gottlosen wird ihr Frevel fallen«; oder so: »Aus dem Munde des Gerechten sprießt Weisheit; aber die falsche Zunge wird ausgerottet« (Sprüche, 10,6 und 10,31). Schließlich das große Wort: »Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tod« (Sprüche, 11,19). Und der Prophet Jeremia (9,24) ergänzt: »Dessen rühme sich, wer sich rühmen will: einsichtig zu sein und mich zu erkennen, zu wissen, dass ich, der Herr, es bin, der Gnade und Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt.« Noch einmal Jesaja: »So spricht der Herr: Wahret das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde« (56,1). Die Gerechtigkeit des Herrn hat mit dem »Heil«, das er verspricht, direkt zu tun, seine Selbst-Offenbarung ist zugleich die Offenbarung seiner Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit straft unerbittlich, sofern sie die benachteiligten Schwachen rächt und die »Gottlosen« notfalls bis in den Tod verfolgt.
Der berühmteste Beleg für die alttestamentarische Rache-Moral, jenes gruselige »Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand … Beule um Beule …« aus dem 2. Buch Mose (21,23), wird durch viele Erzählungen göttlicher Nachsicht relativiert; im übrigen dient sie nicht einem rächenden Vergeltungsgedanken, sondern »gleichermaßen der Begrenzung der Rache wie dem angemessenen Schadensausgleich zwischen den einzelnen Sippen« (so Jan Christian Gertz in der von ihm herausgegebenen Grundinformation Altes Testament von 2006). Es gilt eben auch: »Bei ihm (dem Herrn) ist viel Vergebung«, wie Jesaja formuliert. Wir lesen auch immer wieder von der »Barmherzigkeit« des Herrn, der dem Gerechten zum Beispiel rät, sogar dem gefallenen Lasttier des »Widersachers« aufzuhelfen – statt schadenfroh zuzuschauen, wie es leidet und sein Besitzer nicht weiterkommt.
Wie tief und teils auch paradox die Gottesgebote und Menschengebote, also Glaubensbekenntnis und Sozialethik, miteinander verklammert sind, wird durch eine nähere Betrachtung der einzelnen Gebote vielfach deutlich.

Zum ersten Gebot

Martin Luthers »Kleiner Katechismus« beschränkt sich im ersten Gebot auf die göttliche Selbstvorstellung »Ich bin der Herr, dein Gott« (in der katholischen Tradition wird es dem eigentlichen Gebot frei vorangestellt, aber nicht mitgezählt) sowie auf das Verbot »Du sollst nicht andere Götter haben neben mir«. Den Hinweis auf die Befreiung aus ägyptischer »Knechtschaft« spart er sich, er möchte dem deutschen Leser dieses Detail der israelischen Historie nicht zumuten – Gott habe, merkt er in der »Unterrichtung, wie sich die Christen in Mosen sollen schicken«, an, »uns yhe nicht aus Egypten gefurt«.
Philosophisch betrachtet ist der Verzicht auf den Ägypten-Komplex bedauerlich. Die wiederholte biblische Rede vom »Sklavenhaus« Ägypten und seinem Pharao zielt zu der Zeit, in der sie aufgeschrieben wird, mehr auf die aktuellen Unterdrücker als auf die zeitlich entrückten Herren vom Nil. Ägypten dient längst »verdeckt« als »Synonym für Assyrien«, wie der Alttestamentler Eckart Otto (Jahrgang 1944) in seinem Buch Mose – Geschichte und Legende (2006) schreibt. Für heutige Leser geht es weder um Ägypten noch um Assyrien, sondern um die grundsätzliche Wechselwirkung zwischen Freiheit und Bekenntnis zum Absoluten. Nur wer sich an eine unvorstellbare Instanz wie das Absolute, den abgründigen Urgrund alles Seienden bindet, kann wirklich frei sein gegenüber allen innerweltlichen Anmaßungen und Herrschaftsambitionen selbsternannter Führer oder Retter. Gott ist der verlässlichste Verbündete einer innerweltlichen Autonomie des Menschen, die sich nicht selbstherrlich-übermütig auf den göttlichen Thron hebt, sondern bescheiden bleibt im Angesicht ihrer Erkenntnisgrenzen und ihrer Vergänglichkeit. Ohne das erste Gottesgebot hängen die späteren Menschengebote insofern in der Luft, als es fraglich bleibt, worauf diese ihre Autorität letztlich gründen. Die Weisung Gottes, keine anderen Götter neben ihm zu verehren, bewahrt den Menschen vor neuen Abhängigkeiten, seien diese nun dynastischer oder religiöser Natur.
Einen zweiten Aspekt der göttlichen Selbstvorstellung betont zu Recht Anselm Grün: Gegenüber der Vielfalt antiker Götter »pocht der Gott Israels darauf, dass er der einzige Gott ist. Er beansprucht für sich Ausschließlichkeit. Darin liegt eine eigene Kraft. Es ist die Überzeugung, dass es nur einen Gott gibt und dass mein ganzes Denken und Sinnen auf diesen einen und einzigen Gott gerichtet sein soll. Das führt auch den Menschen zur Einheit. Es bewahrt ihn vor der Beliebigkeit, vor der Zerrissenheit. Es macht ihn ganz.«
Das erste Gebot ist also zugleich ein »Weg in die Freiheit« gegenüber allen innerweltlichen Bevormundungen und ein Wink, dass wir nur im Bündnis mit dem absoluten Geheimnis unseres Seins so etwas wie eine ethische Identität unserer Persönlichkeit erlangen können. Hier verbinden sich klassische Motive der Religions- und Freiheitsgeschichte mit jenen des Bildungsromans – der ja den Selbstfindungsprozess im Leben eines jungen Menschen als Weg zu immer mehr Autonomie und humaner Ganzheit schildert, wie etwa die beiden Wilhelm Meister-Romane Goethes.

Zum zweiten Gebot

Das zweite Gebot fasst Luther in die Sätze: »Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.« Der Bibel selbst war hier noch der Hinweis wichtig, man solle sich kein »Gottesbild« machen, was aber implizit im Verbot des Namensmissbrauchs enthalten ist. Die für die Antike relevante Gefahr, dass sich die Menschen aus vergoldetem Holz oder anderen Materialien Götzenbilder – etwa jenes »gegossene Kalb« des ungehorsamen Mose-Volks – fertigten, ist im 16. Jahrhundert nicht mehr so akut. Wichtiger ist die Warnung Gottes, er sei »ein eifersüchtiger Gott« (oder: ein »eifernder«). Das heißt: Dieser Gott will nicht nur die anderen Götter des vorderen Orients (Baal!), deren Existenz er zunächst gar nicht leugnet, ersetzen und Ausschließlichkeit im Herzen seiner Gläubigen beanspruchen. Er akzeptiert auch keinerlei eingrenzende Beschreibung oder Benennung seiner Existenz. Im brennenden Dornenbusch offenbart er sich Mose mit dem berühmten Spruch »Ich bin, der ich bin«. Komme mir nicht zu nahe und gib mir keinen Namen, heißt das; und: Ich entziehe mich vom Anfang her jeder bildhaften oder terminologischen Eingrenzung. »Ich bin, der ich bin« enthält auch das trotzige: »und niemand anderes«. »Ich bin Jahwe, und keiner sonst«, heißt es entsprechend beim Propheten Jesaja. Jahwe offenbare sich hier als »der Seiende schlechthin«, schreibt der Religionswissenschaftler Mircea Eliade in seiner Geschichte der religiösen Ideen (2002). Der Gott, der sich alle Namen und Bilder von sich verbittet, der alle Namen und Bilder seines Seins zum »Missbrauch« erklärt, ist niemand anderes als die Personifikation des unvorstellbaren Seins-Grundes von allem, was ist. Kein benennbares einzelnes Seiendes kann allem, was ist, als Erkennungsgrund dienen, denn es wäre wiederum selbst ein einzelnes Seiendes, das zu begründen wäre. Das wahre Sein alles dessen, was ist, bleibt ein unergründliches Geheimnis. Dieses Geheimnis nicht ehrfürchtig anzuerkennen, sondern wie ein innerweltlich Seiendes zu benennen und damit zu banalisieren, wäre eine Erkenntnissünde – sie ist es, die vom zweiten Gebot, das meist unterschätzt wird, gegeißelt wird. Gott ehrt, wer die Unvorstellbarkeit Gottes so ernst nimmt, dass er dessen Namen auch nicht ständig – fluchend oder schwörend, beiläufig oder gar spöttisch – im Munde führt und somit missbraucht. Von solchem Namensmissbrauch ist es nicht weit zur Namenslästerung: »Wer des Herrn Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen«, heißt es im 3. Buch Mose (24,16). Die Strafe der kollektiven »Steinigung« hat das islamische Recht vom altjüdischen übernommen – und bis heute beibehalten.

Zum dritten Gebot

Das – in Luthers Zählung – dritte Gebot »Du sollst den Feiertag (Sabbat) heiligen« gilt als das zentrale Diktum der altjüdischen Kultur und Religion. Deswegen ist es auch das ausführlichste im Dekalog. Es wird in der ersten Version des 2. Buchs Mose knapper abgehandelt als in der zweiten des 5. Buchs Mose, außerdem wird es dort anders begründet: Am siebten Tag der Woche sollst du kein »Werk tun«, denn »in sechs Tagen hat Gott den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihm ist. Aber am siebten Tage ruhte er«. Wer den Sabbat ehrt, wiederholt – nach dem archaischen Muster des Analogie-Zaubers – göttliches Geschehen, was die Feiertagsruhe spirituell besonders vertieft (und politisch bis heute unverhandelbar macht). Das hebräische Verb sabat heißt »aufhören«, das Nomen benennt zugleich den siebten Tag und das für diesen Tag geltende Arbeitstabu. Diesen Sechsplus-eins-Rhythmus der Woche kennt in der antiken Welt allein Israel. Darum wurde das Sabbat-Gebot in der Zeit des jüdischen Exils in Babylon – nach dem Verlust von Tempel und Staat im 6. Jahrhundert v. Chr. – besonders wichtig, weil es zu einem Akt des Bekenntnisses zur jüdischen Identität in der Fremde Anlass gab. Man unterstellte auch fern der Heimat seine Handlungen der Herrschaft Jahwes und festigte damit den Zusammenhalt in der jüdischen Gemeinde. Die Nicht-Juden »draußen« hielten den Sabbat ja nicht.